13 Künstler und ihre Werkstätten

Trotz Badewetter und Fußball-WM haben es zahlreiche Kunstfreunde in den zu­rückliegenden zwei Wochenenden genossen, Atelierluft in Utting und Holzhausen zu schnuppern. 13 Werkstätten öffneten ihre Türen; es lohnte sich, zwei Tage dafür zu reservieren.

Als Ausgangsstation empfahl sich die Galerie de Bloeme (Im Gries 9). Hier konnte man von jedem der teilnehmenden Künstler ein Werk bewundern – so fiel es leichter individuelle Interessensschwerpunkte zu setzen. Außerdem lag in der Galerie ein Flyer aus, der einen Ortsplan und sämtliche Atelier-Adressen enthält. Wer sich besonders für die Kunstschaffenden in Holzhausen interessierte, die heuer erstmals an den 2. Uttinger Ateliertagen teilnahmen, kam unter­- wegs möglicherweise bei den Uttinger Künstlerinnen Christiane Noll (Schlesierstraße 6) und Mica Norr-Borocco (Panoramastraße 1a) vorbei: Nolls Thema ist die „Menschwerdung im kosmischen Zeitalter“. Mit 20 bis 30 Acryl-Lasuren pro Leinwand nähert sie sich dem Menschen und seiner kosmischen Aufgabe. Zu Themenkreisen wie Gesundheit, Psyche und Emotion entstehen in Nolls Atelier transzendente Bilder von großer Schönheit und Kraft. Sie sollen dem Betrachter Anregungen und Hilfestellung in elementaren Entwicklungsprozessen geben. Das Rauschen der Segel im Wind meint man im Atelier von Mica Knorr-Borocco zu hören. Ihre Aquarelle nehmen den Betrachter mit auf eine stürmische Ammersee-Regatta. Mit aktuellen und großformatigen Arbeiten nähert sich die Künstlerin außerdem einer neuen, expressiven Farbgebung. Sie lässt Licht durchflutete Perspektiven entstehen, die wie Übergänge von einer gegenwärtigen in eine neue Lebensphase wirken. Der 45-jährige freischaffende und international renommierte Künstler Wenzel Ziersch (La­cher­garten 5) lebt seit 16 Jahren in Holzhausen und ist im regionalen Umfeld eher selten zu sehen. Umso größer war am Wochenende das Interesse an seinen Atelierführungen. Seine Bilder entstehen aus der Schreibtätigkeit und ihrer Wirkung. Seine Werkzeuge sind harte Blei- und Radierstifte. Texte, insbesondere Bibeltexte, sind für den Künstler eine Art Schwungrad, die seine Hand in Bewegung setzen. So entstehen auf grundiertem Holz, Glas oder Plexiglas strukturierte Flächen und Muster. „Morphologien“ nennt Ziersch Zeichnungen, die aus dem Tuschestift aufs Papier fließen, während er rhythmisch einen Text spricht. Lohnend war auch ein Besuch auf dem ehemaligen Anwesen des Künstlers Otto Weil; er lebte in den 1920er Jahren an der heutigen Fritz-Erler-Straße 19. Hier wohnt und arbeitet heute die Objektkünstlerin Angelika Hoegerl. Ihre Leidenschaft ist die Kunst am Bau, ihre Liebe zur Struktur thematisiert sie allerdings auch in handlicheren Formaten: Überzogen mit grob strukturierten Wischlappen, karierten Küchenhandtüchern oder Strukturtapeten wirken Hoegerls aus Styropor oder Holz gefertigten Objekte wie Architekturmodelle oder Architekturdetails. Noch stand ein Besuch in neun weiteren Ateliers aus – doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Wer sich für einen Besuch bei der Keramikerin und Designerin Marianne Rahneberg entschied, der entschied sich für einen Porzellan-Skulpturenparcour in einem wunderbaren Garten (Am Weitlesberg 1). In der Werkstatt der Künstlerin, die seit 18 Jahren Studenten der Universität München in Plastischem Gestalten unterrichtet, waren feinste Porzellangefäße und Objekte, belassen in edlem Bisquit-Weiß oder mit Lüsterfarben dekoriert, zu bewundern. Rahnebergs Teekanne, die in verschiedenen, leicht variierten Ausführungen wirkt wie ein zartes Kunstwerke aus einer anderen Welt, ist längst auf dem Weg zum Design-Klassiker.

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