Elf für München

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Kaum war geöffnet, trafen auch schon die ersten Kunstinteressierten zur Gemeinschaftsausstellung des Kunstvereins Landsbergs in der Orangerie am Englischen Garten ein.

Landsberg/München – Auf dem Weg zum Chinesischen Turm im Englischen Garten geht man oft daran vorbei: Die Orangerie, ein langgestreckter Ausstellungsraum, der früher als Gewächshaus für exotische Pflanzen diente. Die für solche Gebäude typischen, eine ganze Wand einnehmenden Fenster bieten dem Besucher gleich einen ersten Einblick: Elf Künstler des Kunstvereins Landsberg stellten dort ihre aktuellen Werke aus. Jeder der Elf zeigt seine eigene Sicht. Zusammen ergibt das ein „von uns aus“ – der Titel der Ausstellung.

„Die Hängung der Bilder war gar nicht so einfach“, erzählt Vorstandsmitglied des Vereins Gudrun Daum. „In der Säulenhalle gibt es viele Nischen, sodass man Bilder ordnen kann.“ Hier im offenen Raum der Orangerie sind es drei umlaufende Wände, an denen die Bilder in Reihung gehängt werden mussten. Was gleich auffällt: Der Raum scheint in Licht und Farbe getaucht. Viele der Exponate sind leuchtende Gemälde, von fotorealistisch bis hin zu abstrakt. An den Fenstern stehen Skulpturen von Eva Radek: Sitzende, Liegende aber auch Abstraktionen aus Bronze und Keramik.

Farblich stechen besonders die Arbeiten Ulla Schweizers ins Auge: Klare Töne zeichnen aufgelöste Formen. „Ulla war mit bei unserem Vereins­ausflug nach Frankfurt, wo gerade Daniel Richter gezeigt wird.“ Die leuchtenden Farben des bekannten Malers hätten sie zu diesen Arbeiten inspiriert. Dagegen zeichnen Lisa Wehrmann eher sanfte Töne aus: Ihr Gemälde „Kinderzeit“ zeigt nebeneinander gehende Kinder, realistisch gemalt und nur leicht durch Farbabstufungen gebrochen.

Im wahrsten Sinne des Wortes „schreiend“ sind zwei bestechende Arbeiten von Ursula Daum: Inspiriert von Sportlerinnen zeigen „Crossfit I und II“ expressive Frauengesichter mit weit geöffnetem Mund. Ein klarer Gegensatz dazu sind die fotorealistischen Gemälde Rudolf Billes, dessen Gegenstände oftmals verwittert, abgeblätterte Objekte sind. Ebenso sind die Geschichten erzählenden Monotypien von Ulrike Brysch wie auch die in Brauntönen gehaltenen Monotypien von Andrea Reiners farblich eher zurückhaltend. Brysch arbeitet mit Collagen, während Reiners mit Wachs spezielle Effekte erzielt.

Nasse Farbe

Abstrakte, kubistisch angehauchte Werke sind sowohl Monika Neubauers „Wall“ als auch Claus Nikolaus „Der alte Fritz“. Ganz ins Abstrakte gehen Tanja Popp und auch Vereinsgründer Rainer Walch. Letzterer stellt ein Triptychon zum Thema „Flüchtlinge“ aus: „So aktuell, dass die Farbe noch nicht trocken war, als wir es hier aufgehängt haben“, lacht Daum. Der Kunstverein Landsberg existiert seit 2012. Zwei Ausstellungen pro Jahr werden angestrebt, „eine vorzugsweise in der Langen Kunstnacht“, die andere nach Möglichkeit außerhalb des Landkreises, betont Daum: „Wir wollen natürlich viele neue Kontakte knüpfen und unsere Werke einem breiterem Publikum vorstellen“.

Für die Ausstellung in der Orangerie habe sich der Verein bereits vor zwei Jahren angemeldet, in 2016 sei zudem eine Ausstellung in der Residenz in Kempten geplant. Ein weiteres Projekt schwebt dem Verein für 2016 vor: „Wir wollen Flüchtlingen einmal pro Woche die Möglichkeit geben, zusammen mit uns zu arbeiten“, berichtet die Künstlerin. Insgesamt sei der Kunstverein eine sehr homogene Gruppe, urteilt Daum: „Bei uns hat keiner Starallüren.“ Um Ausstellungen objektiv zu kuratieren, habe man meistens eine externe Jury aus Fachleuten. In der Orangerie kuratierte der Verein selbst – mit Erfolg: Die Künstler zeigen unterschiedlichste Arbeiten, die zusammen ein lebendiges, ausdrucksstarkes Ganzes ergeben.

Susanne Greiner

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