Kunst ist Kommunikation

Künstlergilde Landsberg lädt zur 84. Jahresausstellung

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Vorsitzende der Künstlergilde Petra Ruffing (Mitte) bei der Vernissage zur Jahresausstellung. Im Hintergrund Arnold Suiters „Im Wandel der Zeit“.

Landsberg – Der Herbst ist pink. Zumindest, wenn es nach der Künstlergilde Landsberg geht. Denn deren 84. Jahresausstellung in den Beruflichen Schulen macht durch pinkfarbene Plakate auf sich aufmerksam. Und natürlich mit den Werken von 51 Künstlern: 28 Gildemitglieder, 14 Gäste und neun, die noch am Anfang stehen: Schüler des Ignaz Kögler Gymnasiums mit Arbeiten, die in einem Projekt entstanden sind. Und nicht zu vergessen die bereits liebgewonnenen Gäste der Fotogruppe Landsberg. Insgesamt eine vielseitige Ausstellung mit erfrischend neuen Akzenten.

„Kopfgefühl und Bauchgeburt“ – ein verdrehter Titel ziert das Projekt der IKG-Schüler unter der Leitung des Kunstlehrers Christian Stichler. „Kunst als rationaler oder irrationaler Prozess“ erklärt der Untertitel. Die Arbeiten der neun Schüler hängen in einem der Gänge zur Aula. Eine Nackte in Grün-Gelb von Lucy Doppl, schwungvoller Strich, der den Körper gestaltet. Klassische Aktstudien von Sophie Marie Britzger mit ausdrucksstarkem Kohlestrich gezeichnet. Cornelia Madleners flächige Porträts mit exaltierten Gesichtsformen oder auch Saran Hingerls düstere Dalí-Version von „Gesicht des Krieges“: ein Totenkopf, in dessen Augen und Mund wieder ein Totenkopf steht, in dessen Augen und Mund wieder … mise en abyme, bis ins Bodenlose. Beeindruckend auch Hingerls schwarz-oranges Bild zweier Köpfe, die in Bewegung scheinen, Schlieren ziehen. Eindeutig neue Talente. Vielleicht ja Nachwuchs für die Gilde.

Bei den Großen ist Barbara Bayer dabei. Ihre „verlorene Stadt“ zeigt Venedig im Verfall – auch das Papier, auf dem sie mit dünnen Linien und verwaschenem Sepiaton Gebäude skizziert, scheint an manchen Stellen zu rosten. Oder hat bereits Lücken. Im Gegensatz dazu ihre Illustrationen wie aus einem Kinderbuch. Elisabeth Unglert alias Ulissa löst einen Frosch in ein Band auf, nur noch der Kopf springt in gelb-schwarz-weiß über die Leinwand. Dreidimensionale Kunst ist kaum zu finden. „Wir haben leider dieses Jahr wenige Skulpturen“, gibt die Vorsitzende der Künstlergilde Petra Ruffing zu. „Aber wir haben viele Gäste, das kann man auch als Erfolg unserer Arbeit verbuchen.“ Aufgrund der Ausstellungen in der Säulenhalle und der Präsenz in der Langen Kunstnacht sei die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit prägnanter geworden. „Wir sind als Verein attraktiver.“

Gäste kommen aus Augsburg wie Inge Lemmerz, deren schwarz-weiß-Banderolen, mit feinen Linien versehen, an Spinnweben denken lassen – und der Fantasie Raum zur Interpretation geben. Oder Gabriele Gruss-Sangl mit „Sichtflug“, eiförmigen Flecken, die sich auf schwarzem Hintergrund im unteren Bildteil zu Fallschirmspringern wandeln. Oder lange Striche, die sich beim Betrachten des großen Ganzen zu dahineilenden Menschen formen. Glitzernde Werke stellt Ute Kirchhof aus Seefeld mittels Computer her: bunt schillernde Großstadtwelten samt Strasssteinchen. Oder eben Arnold Suiter aus Meitingen, dessen „Im Wandel der Zeit“, Wolkenquader und Regenbälle vor Wüstenhintergrund, das Foyer beherrschen. Veränderung ist auch das Zentrum der Fotogruppe von Bernd Kittlinger, die Arbeiten zu „Auf den Feldern einst und jetzt“ zeigt.

„Panta, rei, alles fließt“ greift Ex-MdL Dr. Thomas Goppel den „Wandel“ in seiner Einführungsrede auf. Genau da wirke der Künstler: Indem er den Wandel durch seinen momentanen Eindruck festhalte. „Beim Betrachten macht man Halt vor den Gedanken, die sich jemand gemacht hat“. Dabei sei jedoch eine Distanz zum Werk zu spüren. Um die zu überwinden, bedürfe es des Gesprächs, „ohne Konversation hat Kreativität keinen Sinn.“ Wobei das Gespräch mit dem Werk selbst einseitig ist: „Die Antwort des Künstlers ist statisch“. Für eine bewegende Kommunikation solle man deshalb die anderen Ausstellungsbesucher heranziehen. Ins Gespräch kommen. „Und wenn ich die Kommunikation mit dem Werk erhalten will, muss ich es kaufen“.

Zu sehen ist die Ausstellung der Künstlergilde Landsberg in den Beruflichen Schulen Landsberg noch bis zum 18. November. Öffnungszeiten sind immer samstags und sonntags von 14 bis 17.30 Uhr.

Susanne Greiner

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