Kunst trifft Verwaltung

Ausstellung "Wasser" der Künstlergilde lockt in die Verwaltung

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"Wasser" ist das Thema, dem sich die Mitglieder der Künstlergilde in der aktuellen Ausstellung in der Stadtverwaltung Landsberg widmen. Auch Silvia Großkopf, Vorsitzende des RBK, kam zur Vernissage.

Landsberg – Wasser ist in aller Munde. Weil es zu wenig gibt und es immer weniger wird. Aber auch sprachlich: in Sprichwörtern wie „Stille Wasser gründen tief“ oder eben das Wasser, das einem bis zum Hals steht. Der Mensch besteht zu einem Großteil aus Wasser. Und ohne Wasser gibt es kein Leben. Kein Wunder, dass sich die Künstlergilde Landsberg-Lech-Ammersee für ihre Ausstellung auch dem nassen Element zuwendet. Und das in unterschiedlichster Weise – und auch Qualität. Was die Künstler in Auseinandersetzung mit dieser durchsichtigen, weitgehend farb-, geruch- und geschmacklosen Flüssigkeit kreiert haben, ist noch bis zum 4. Mai im Gebäude der Stadtverwaltung zu besichtigen.

Seit Donnerstag läuft die Künstlergilde-Ausstellung „Wasser“ in der Stadtverwaltung.

Natürlich ist da viel Blau, von milchig bis dunkel, mit grünen Einsprengseln, sanften Türkis, gelben Spritzern. Zahlreiche Werke der ausstellenden Künstler beschäftigen sich mit dem Wasser selbst. Zum Beispiel das in Grüntönen gehaltene, klassische ‚Meerbild‘ von Kathleen Canady, bei dem Himmel und Wasser am Horizont verschwimmen. Oder in Fotografien von Dagmar Stefanie Menke, die sich dem Innenleben der Wellen widmen, in denen sich das Licht bricht und dem Wasser erstaunliche Struktur verleiht. Teilweise scheint das Wasser in seine Bestandteile zu zerfließen. Zum Beispiel in Christel Proppa-Lechners „Kykladen“, samt ockerfarbenen Pigmenten für den Sand, an denen sich Wirbel aus Türkis und Blau brechen. Vollkommen zerrissen wird das Element Wasser in Gernot Kragls „Reflections“: pastos aufgetragene Farbe, vorwiegend in Blau und Weiß, wobei Rot- und Gelbtöne wohl die Reflektionen der Welt sein mögen. Die Kraft des Wassers ist am deutlichsten in Katinka Schneweis‘ großformatigen „Aqua Pura“ zu spüren: Die Farbe wird selbst zu Wasser, läuft über die Leinwand, auf die Fläche geschüttet, gespritzt, im Bogen gesprüht; unten schäumt Gischt, ein schwarzer ‚Einwurf‘ bricht sich Bahn – Wasser in all seiner Gewalt.

Andere Werke greifen Wasser-Themen auf. Das Segeln, kraftvoll, energisch: Man meint, das Flattern des Segels in Ute B. Reinhardts „Hart am Wind“ zu hören. Ruhig dagegen Ute Rossows detaillierte Bleistiftzeichnung „und wir träumen vom Frühling“, eine karge Schilflandschaft. Nachdenklich erscheint die Fotografie Heide Gerhardingers eines Frauengesichts hinter einem verregneten Fenster. Wobei die Schatten der Tropfen die Haut der Frau direkt berühren – und fast zum Leopardenfell verwandeln.

Skulptur gibt es wenig: „Panta rhei“, ‚alles fließt‘, heißt die Meerjungfrau-Skulptur aus Plastik von Meike von Arndt. Daneben zwei Meeresschnecken von Barbara Wagner-Schwill – eine aus Wolle. Gislinde Schröters Assemblage „Wo ist Wasser?“ zeigt eine Figur im Putzlappengewand. Das durch seine Wicklung an Nomaden erinnert. Für Sonnenschutz ist gesorgt: mit den die Bügeln einer Sonnenbrille als Arm und Bein.

„Ob den Museen wohl das Wasser bis zum Hals steht?“, fragt sich Leiterin der Stadtmuseen Sonia Fischer in ihrer Einführungsrede. Der Auslöser: Jutta Mosers Bild, in dem der Museumsbesucher bis zum Bauch im Wasser steht, „während ihm das Beinkleid davonschwimmt“, die detailverliebten Porträts des Museums im Spiegelbild des Wassers verschwimmen. Insgesamt sei das Thema Wasser „sehr ergiebig“. Weshalb auch der Feind der Meere, das Plastik, in der Ausstellung zitiert wird. „Stündlich gelangen 650 Tonnen Müll ins Meer, es gibt sechsmal mehr Plastik als Plankton“, zählt Fischer auf. Und der Mensch schaut zu. Obwohl Wasser das Symbol des Werdens sei, der „Urstoff des Lebens“. Diesen politischen Aspekt sieht auch Ruffing, was zum „politischen Ausstellungsort“ passe, der „Kunst in der Verwaltung“.

Dass wieder Kunst in die Verwaltung komme, merke er daran, dass alle Wände erst einmal leergeräumt würden, sagt Oberbürgermeister Mathias Neuner. Er schätze es, beim Gang zum anderen Büroraum auch mal vor einem Bild stehenzubleiben, eventuell mit einem anderen Passanten über das Bild zu sprechen, es gar „kontrovers zu diskutieren“. Denn das gehöre zum Wesen der Kunst.

Das ein oder andere Werk klaue er schonmal – um es bei sich im Büro aufzuhängen. Der Öffentlichkeit (fast) entzogen. Wobei man alle ausgestellten Werke auch kaufen kann. Vielleicht sollten die Künstler aber auch Leasing-Gebühren ins Auge fassen.

Susanne Greiner

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