"Kuh-Kathedrale" und der Klostermarkt in St. Ottilien

Zelebrierten gemeinsam das Pontifikalamt in der Klosterkirche St. Ottilien: Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset (Mitte) und die Priester Florian Prinz von Bayern (links) und Christian Temu (rechts). Foto: Wind

„Milch macht gute Knochen, und gute Knochen machen gute Reliquien“: Humorvolle Worte vom päpstlichen Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset, der am Sonntag die feierliche Einweihung des hochmodernen neuen Milchviehstalls in St. Ottilien übernahm. Der eigentliche Anlass für Périssets Besuch aber war ein Pontifikalamt zum Weltmissionssonntag, den die Mönche aus diesem Anlass zwei Wochen vor dem eigentlichen Termin begingen.

Tausende von Besuchern kamen an diesem Wochenende zur Erzabtei, rollten Stoßstange an Stoßstange über eigens ausgewiesene Einbahnstraßen. Anlass war neben dem Besuch des Papst-Vertreters und dem Tag der offenen Tür im Kuhstall vor allem der Klostermarkt, der heuer zum dritten Mal stattfand. Mehr als 25 Klöster, Stifte und Priorate aus Deutschland und dem benachbarten Ausland boten ihre Produkte an – Backwaren und Käse, Liköre und Wein, Senf und Essig, aber auch Handarbeiten und Devotionalien, Schmiede- und Töpferwaren. Viele der Besucher nutzten die Gelegenheit, auch den Fortschritt in der klösterlichen Landwirtschaft in Augenschein zu nehmen. Das neue Stallgebäude, dessen Dimensionen ihm bereits den Spitznamen „Kuh-Kathedrale“ eingebracht haben, bietet rund 180 Kühen artgerechte Lebensbedingungen – viel Licht und Luft, kühle Temperaturen, einen klauenfreundlichen Bodenbelag. Die klösterliche Ökonomie ist seit jeher ein Herzstück des Abteibetriebs. „Der Kuhstall ist neben der Abteikirche unser zweiter Lungenflügel“, erklärte Erzabt Jeremias Schröder. Statt sich wie viele andere Klöster aus der Landwirtschaft zurückzuziehen, geht man deshalb in St. Ottilien den Weg der konsequenten Modernisierung. Dazu passt das Energiekonzept, das parallel verwirklicht wird. Die neue Biogasanlage direkt neben dem Stallgebäude wurde ebenfalls am Sonntag eingeweiht. Hier wird künftig die Gülle der Rinder zusammen mit Gras- und Maissilage zu Biogas verarbeitet. Das Kloster wolle sich mit umweltfreundlicher Energie nicht nur selbst versorgen, sondern künftig auch Energielieferant werden, betonte der Erzabt. Zahlreiche prominente Gäste beglückwünschten die Mönche zu ihren neuen Errungenschaften, darunter der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Goppel und seine SPD-Kollegin Kathrin Sonnenholzner. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bescheinigte dem Kloster Vorbildfunktion im Bereich der Landwirtschaft und Energieversorgung. Einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte gaben Pater Tassilo Lengger, Chef der Ökonomie, und Verwaltungsleiter Bruder Josef Götz. Was vor fünf Jahren ganz klein mit der Sanierung der Schwimmbadtechnik anfing, wuchs sich im Laufe umfangreicher Planungen zum neuen Energiekonzept aus, ohne das man in den kommenden zehn Jahren für das gesamte Klosterdorf zehn Millionen Euro buchstäblich verheizt hätte, so Götz. Heute wird von den 700000 Litern Heizöl, die noch bis 2008 Jahr für Jahr benötigt wurden, der größte Teil eingespart. Nur bei Temperaturen von unter minus fünf Grad muss die Wärmeversorung noch mit Heizöl unterstützt werden, und auch das soll ein Ende haben, wenn die Klostergebäude im kommenden Jahr effektiv isoliert werden.

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