Dießens "Craftprotze" sind müde

Kult-Ausschankhalle Craft-Bräu in Dießen schließt

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Ihre Bierklassiker werden Dr. Martin Hug (links) und Claus Bakenecker vom Dießener Craft-Bräu weiterhin brauen. Die Ausschankhalle allerdings wird mit einem Abschlusskonzert am 12. Dezember erstmal dichtgemacht.

Dießen – Zuerst die gute Nachricht: Das naturtrübe Helle "Craftstoff", den hellen Bock "Craftprotz" oder das Pils "Hellmut" aus der Dießener Minibrauerei Craft-Bräu wird es auch weiterhin geben. Die schlechte Nachricht aber ist, dass die "Craftprotze" Claus Bakenecker und Dr. Martin Hug müde sind und am 12. Dezember ihre längst zur Kultkneipe gewordene "Verkaufs- und Verkostungshalle" direkt neben der Brauerei in der Mühlstraße 12 schließen.

Die Dreifach-Belastung Beruf, Bierbrauen als intensives Hobby sowie zwei- bis dreimal in der Woche "bis in die Puppen" Wirt spielen, wurde schlicht und einfach zuviel für Chemiker Dr. Martin Hug und Puzzle- und Spielentwickler Claus Bakenecker. Dazu kam, dass mit den wenigen Öffnungsabenden gerade mal die Kosten gedeckt werden konnten. Ausschlaggebend für das Ende war sicherlich dabei der "umsatzbremsende" Zwist mit Nachbarn, denen die beliebten Live-Konzerte und der damit verbundene Publikumsandrang zu laut waren. Sie zogen vor Gericht und trotz teurer Lärmschutzmaßnahmen durften die Craft-Bräu-Wirte fortan nur noch einmal im Monat Musiker aufspielen lassen.

Beim letzten "Zwonnerstag" - Donnerstag mit Live-Musik - brachte Claus Bakenecker den Stammgästen vorsichtig bei, dass am 12. Dezember mit einem letzten Konzert Schluss sei. "Die waren richtiggehend geschockt", verriet Claus dem KREISBOTEN. Spontan kam bei einigen Gästen die Idee auf, ihr Lieblingslokal selbst weiterzuführen, damit die Gaststättenerlaubnis bei einer Nutzungsänderung nicht erlischt. Laut Claus Bakenecker ist bereits ein Brainstorming terminiert, bei dem acht Stammgäste ein Konzept entwickeln wollen. Vielleicht steht es schon am Erlebnisabend "Dießen leuchtet" am 28. November, bei dem das Craft-Bräu natürlich geöffnet ist.

Vor gut vier Jahren erst ist aus der Leiden-schaft der Hobby-Brauer eine echte Berufung geworden. Die positive Resonanz auf ihr "handgemachtes Bier" machte Mut, die "Gassenschänke und Verkostungshalle" zu einem Kulttreffpunkt in der Marktgemeinde auszubauen. Da gaben sich Abholer mit einem frisch abgefüllten Sixpack, der Student mit großem Durst und der Manager mit Lust auf einen gepflegten Absacker die Klinke in die Hand. Und dann kamen noch die Kunden, die ganze Fässer für ihre Party oder Geburtstagsfeier abholten. Für den kleinen Hunger gab es feine Schmankerl und am Donners-tag meist Live-Musik bei freiem Eintritt. Vie-le neue Fans gewann die Minibrauerei beim letzten Dießener Töpfermarkt, wo ihr Ausschank stets dicht belagert war.

Flaschen- und Fassbier wird man weiterhin bei noch festzulegenden Öffnungszeiten in der Mühlstraße 12 abholen können. Ausgeschenkt wird das Craft-Bier in der CineBar und im Café Süßwahn in Dießen sowie bei "Lena's am See" in Utting. Weitere Verkaufs- und Ausschankstellen sollen dazukommen.

Einen prominenten Fan haben die Dießener Bierbrauer: Pater Anselm Bilgri, der Andechs einst zur Bierhochburg gemacht hat, schätzt das streng nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebraute Bier. "Bei einer Veranstaltung des KREISBOTEN mit unserem Bier war er voll des Lobes und hat uns ermuntert, die Brautradition in Dießen wieder aufleben zu lassen."

In der Marktgemeinde gab es im 19. Jahrhundert nämlich über zwanzig Braustätten. Anfang des 20. Jahrhunderts mußten fast alle aus Roh-stoffmangel wegen des ersten Weltkriegs dicht machen. Die letzten aktiven Brauereien waren der "Weilheimerbräu" an der Ecke Prinz-Ludwig-/Mühlstraße - jetziges Sparkassengebäude - und der "Unterbräu" am Untermüllerplatz. Und genau dazwischen hat sich das Craft-Bräu angesiedelt, das hoffentlich noch lange Bier braut.
 Dieter Roettig

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