Statt Kammermusik in der Bibliothek

Kultur kommt wieder: Soirée im Landsberger Säulenhof

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Alter und neuer Konzertsaal: Der Säulenhof des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals.

Landsberg – „Die Kultur sieht eine sehr schwache Morgendämmerung heraufziehen“, beschreibt der Veranstalter der „Kammermusik im Bibliothekssaal“ Franz Lichtenstern: Seit dem 15. Juni dürfen wieder Konzerte stattfinden, mit maximal 100 Zuhörern. Und am besten im Freien. Weshalb Lichtenstern in die Vergangenheit blickt: als Konzerte im Säulenhof des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals stattfanden. Momentan plant er dort drei Sommer-Soiréen. Start ist am 22. Juni.

„Letzte Woche haben wir da testweise ein paar Stücke Bach gespielt, das klingt sehr gut“, erzählt Lichtenstern begeistert. Um die Konzerte veranstalten zu können, musste der Landsberger Musiker, der im Orchester des Gärtnerplatztheaters spielt, einige Genehmigungen einholen. Und das alles in kürzester Zeit, da in den Pfingstferien bei der Stadtverwaltung kaum jemand zu erreichen war. „Es hat dann zum Glück alles noch kurzfristig sehr gut geklappt“, freut er sich .

Cornelius Rinderle, Fagott, und Clemens Weigel, Violoncello, sind am 22. in Landsberg auch mit dabei.

Geplant sind vorerst drei Konzerte, Dauer jeweils 45 Minuten, „mehr ist nicht erlaubt“, begründet Lichtenstern die ungewohnte Kürze. Am kommenden Montag, 22. Juni, gibt es ab 20 Uhr das Nonett von Louis Spohr. Der Braunschweiger und Frühromantiker zählte im 19. Jahrhundert zu den größten Geigern, wurde gar Paganini gleichgestellt. Bis ihm Schubert, Mendelssohn-Bartholdy und Schumann den Rang abliefen, war er einer der damals bedeutendsten Komponisten Deutschlands. Sein Nonett in F-Dur entstand 1813 für den Wiener Geiger Johann Tost und orientiert sich, wie Spohrs Werke im Allgemeinen, an Mozart und Haydn. Neue, romantische Harmonien und Klangfarben klingen aber auch hier schon an.

„Nach Spohr sind noch zwei weitere Konzerte geplant“, sagt Lichtenstern. Wann genau, weiß er noch nicht. Das hänge auch vom Theater am Gärtnerplatz ab, da vor allem Musiker des Theaterorchesters spielen. „Und das Theater plant momentan nur wochenweise“. Fest steht, dass die Soiréen immer montags sein werden, immer um 20 Uhr. Sogar bei freiem Eintritt – aber nur, weil das den Einlass und die Umsetzung erleichtere. Personalisierte Karten, eine kontaktlose Kartenkontrolle und Zahlung seien nicht umsetzbar, sagt Lichtenstern. Die Konzerte sind aber nicht umsonst: „Spenden sind nicht nur willkommen, sondern notwendig. Das Geld geht nach Abzug der Unkosten an den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung.“

Dennoch muss Lichtenstern Auflagen erfüllen. Damit er die Kontaktdaten der Besucher sammeln kann, ist eine Voranmeldung unter karten@kammermusik-landsberg.de notwendig. Unangemeldete Besucher können sich am Konzertabend in eine Liste eintragen, werden aber nur eingelassen, wenn noch Platz ist – die Zuschauerzahl ist auf 100 begrenzt. Eingang ist von der Maltesterstraße aus über den Klosterhof, hinaus geht es über die Tür zum Stadtmuseum in die Helfensteingasse.

„Im Säulenhof wird es keine Bestuhlung geben“, mahnt Lichtenstern. Jeder darf aber Sitzgelegenheiten mitbringen oder eben stehen – an gekennzeichneten Punkten, um den Mindestabstand sicherzustellen. Beim Einlass und nach dem Konzert muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Der Konzertgenuss ist maskenlos.

Unterstützt wird Lichtenstern auch vom Kulturbüro der Stadt Landsberg. Und da es voraussichtlich nicht kühl wird, steht lauen Sommer-Soiréen mit bester Kammermusik nichts mehr im Weg. Nicht mal ein Regenschauer, denn der Lechstädter weiß: Der Säulenhof ist seitlich überdacht.
Susanne Greiner

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