Ein Konzertsaal am Papierbach?

Stadt und Investor sorgen sich ums Geld, die Künstler um die Akustik

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Kulturschaffende, Vertreter der Stadt und der Bauherr diskutieren über die Raumhöhe.

Landsberg – Es bleibt spannend. Wie geht es weiter mit dem Kultursaal auf dem Papierbach-Gelände? Vergangenen Donnerstag wurde in großer Runde ein weiteres Mal über die umstrittene Raumhöhe gesprochen. Wolfgang Hauck, Vorsitzender des Verbands Freie Darstellende Künste Bayern, und weitere Kulturschaffende aus der Lechstadt wollten die Vertreter der Stadt und den Investor ehret+klein davon überzeugen, dass der aktuell mit 4,4 Meter geplante Kultursaal nutzlos ist. Tatsächlich brauchte es gar nicht allzu viel Überzeugungskraft – vor allem die Vertreter des Stadtrats konnten die Forderung Haucks nachvollziehen. Trotzdem bleibt es weiterhin fraglich, ob der Bebauungsplan nochmal geändert wird. Das Problem: wie immer das liebe Geld.

+++ Aktuelle Infos vom 11.12.2018 ++++

Möglicherweise erreichen die Kulturschaffenden ihr Ziel doch noch. Investor ehret+klein will ein neues Konzept für den Kulturbau am Papierbach ausarbeiten – mit einer Raumhöhe von sieben bis acht Metern.

Bei dem Gespräch zwischen Investor, Vertretern der Stadt und Kulturschaffenden vergangene Woche war am Ende noch keine Einigung in Sicht. Im Anschluss an das Treffen scheinen die Ideen aber nachgehallt zu haben: Geschäftsführer Michael Ehret bestätigt: „Wir werden der Stadt einen Kompromissvorschlag unterbreiten.“ Der Investor hat das Architekturbüro, das den Wettbewerb gewonnen hat, beauftragt, das Konzept mit neuer Raumhöhe zu überarbeiten. Die von den Kulturschaffenden geforderten zehn Meter werden es wohl nicht. „Für einen zehn Meter reinen Musiksaal fehlt es an einer betriebswirtschaftlich fundierten Bedarfsplanung“, heißt es bei ehret+klein. Sieben bis acht Meter seien angedacht. Damit soll es „ein multifunktionaler Raum bleiben, der eine vielfältige Nutzung zulässt“.

Allerdings bedeute eine Änderung der Raumhöhe auch eine Änderung der Raumnutzung. Ein höherer Raum komme eher bei Konzerten als bei Kongresse oder Schulungen zum Einsatz. „Diese Konzerte und Kulturveranstaltungen werden zwangsläufig Effekte auf die Nachbarschaften haben“, so ehret+klein. Deshalb habe man das Architekturbüro beauftragt, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen und eine Lösung zu erarbeiten. Ende Januar 2019 will der Investor den Kompromissvorschlag dem Stadtrat vorstellen. Der muss dann auch die endgültige Entscheidung treffen, ob der Bebauungsplan geändert wird.

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Die Argumente, die von den Kulturschaffenden an dem Abend angebracht wurden, liefen alle auf das Gleiche hinaus: ‚Wir brauchen 10,5 Meter, weil der Raum ansonsten akustisch tot ist und vor allem Musikveranstaltungen dann nicht möglich sind.‘

Von städtischer Seite herrschte zwar Verständnis. So gab die zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) zu, dass es dem Stadtrat zuvor nicht klar war, dass die Raumhöhe von gut vier Metern nicht ausreichend für viele Veranstaltungen ist. Auch Claudia Flörke vom Kulturbüro meinte, ein Raum mit 10,5 Meter Deckenhöhe sei „der Himmel auf Erden für jeden Akustiker“. Und Stadtrat Felix Bretschneijder (SPD) sagte ganz klar: „Ich will 10,5 Meter Raumhöhe.“ Allerdings folgte auf jeden dieser Sätze ein großes ‚Aber‘.

Stadträtin Petra Ruffing (CSU) gibt zum Beispiel die Parkplatzsituation zu bedenken. Das sei jetzt schon ein Problem und würde sich durch die vielen Konzertbesucher nicht verbessern. Außerdem sieht sie auch ein Problem mit den Anwohnern. Damit sich so ein großer Saal lohne, müsse dort auch jedes Wochenende etwas stattfinden. „Ich glaube nicht, dass die Anwohner ständig bis zu 600 Leute da haben wollen.“

Geschäftsführer von ehret+klein Michael Ehret weis noch auf etwas anderes hin. Für Musikkonzerte mögen 10,5 Meter zwar gut sein, aber es gebe zahlreiche andere Veranstaltungen, die dann dort nicht mehr stattfinden könnten. „Wer möchte denn eine Ausstellung oder Firmenfeier in so einem riesigen Raum feiern? Da müssen Sie aber viele Lampions aufhängen, damit der Raum etwas runterkommt.“ Auf diesen Punkt gingen die Kulturschaffenden nicht weiter ein.

Von Seiten der Stadt gibt es aber einen Kompromissvorschlag: 7,5 Meter Raumhöhe seien eventuell realisierbar. Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte): „ Ich könnte mir vorstellen, dass wir dafür im Stadtrat die Mehrheit bekommen.“

Damit ist aber der wohl größte Knackpunkt immer noch nicht beseitigt: die Finanzierung. „Die Umplanung ist nicht das Problem“, meint Ehret. Aber so ein Raum muss dann ja auch betrieben werden. Die Befürchtung der Stadt: Wenn sich der Veranstaltungsraum wirtschaftlich nicht rechnet, dann wird sich auch kein privater Betreiber finden. Und letztlich müsse dann wieder die Stadt für die Kosten aufkommen.

Dritter Bürgermeister Axel Flörke (Landsberger Mitte) macht deutlich: „Die Stadt kann sich nichts mehr aufbürden.“ Auch Schulmeister betont, dass der Haushalt sehr knapp sei. Claudia Flörke pflichtet dem bei: „Ich bin für viel Kultur, aber wir müssen es uns leisten können.“

Kulturschaffender Hauck wendete sich deshalb an den Geschäftsführer Michael Ehret. Sein Vorschlag: Der Bauherr garantiert, dass bei einem Verlustausgleich „die Stadt nicht in die Kosten miteingebunden wird“. Das heißt, findet sich kein privater Betreiber und bringt der Konzertsaal nicht genug Geld ein, müsste die Stadt nicht für die laufenden Betriebskosten aufkommen. Ehret schlägt das nicht grundsätzlich aus. Er wäre auch für eine Änderung des Bebauungsplans bereit. Er stellt dafür aber eine ganz klare Forderung an Hauck und die anderen Kulturschaffenden: „Kommt mit einem Nutzungskonzept!“ Ehret müsse wissen, wer an wie vielen Tagen den Kultursaal nutzen möchte und wie viel Miete sie bereit wären zu zahlen. Wenn sich daraus die Wirtschaftlichkeit eines höheren Raumes ergebe, wäre dieser realisierbar, signalisiert der Geschäftsführer. Hauck lehnt das aber ab. Es sei nicht seine Aufgabe. Das müsse der zukünftige Betreiber machen.

Der Investor ist im Übrigen nicht der Einzige, der solch ein Konzept fordert. Oberbürgermeister Mathias Neuner, der bei dem Gespräch nicht anwesend war, sagte im Vorfeld: „Bis heute liegen weder die Wirtschaftlichkeitsberechnungen, noch ein Nutzungskonzept vor. Ein potentieller oder zumindest interessierter Betreiber wurde ebenfalls bislang nicht vorgestellt.“

Zum Ende der Diskussion war immer noch keine konkrete Lösung in Sicht. Die Stadt gibt sich offen gegenüber einem Kompromiss von 7,5 Meter Raumhöhe, ehret+klein stellt dafür eine klare Forderung und Hauck wiegelt ab. Damit scheint die Situation festgefahren.

Stephanie Novy

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