Landsbergs Kulturförderpreisträger Philipp Altheimer im Porträt

Das Gute Licht sehen

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Erzählt als Fotograf Geschichten mit visuellen Mitteln: Philipp Altheimer.

Landsberg – „Ästhetik muss wahrhaft sein.“ Philipp Altheimers Fotografien bestechen durch Klarheit. Er fotografiert hauptsächlich schwarz-weiß. Seine wenigen Farbbilder sind oft monochrom, gedämpft. Ab und zu vielleicht ein Signalrot oder ein gelbes Licht. Altheimer schreibt seinen Arbeiten das Wort „Melancholie“ zu. Nicht traurig, aber auch nicht rosarot. Der Fotograf will mit seinen Bildern etwas sinnlich wahrnehmbar machen. Durch visuelle Sprache eine Geschichte erzählen. Und dabei geht es eben nicht um „schöne Fotos“: „Ästhetik ist nicht immer glamourös.“

Im Moment arbeitet er an einem Langzeitprojekt. Es geht um osteuropäische Architektur. Seine Objekte sind „Relikte des Brutalismus“, darunter Kolosse wie das Denkmal für die Gründer des bulgarischen Staates. Die Bilder dieses Monuments sind im Online-Magazin der Medienplattform Some/Things zu sehen, einer von Altheimers Kunden. Gesellschaftspolitik ist ihm wichtig, „aber ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger mahnen“. Ein Teil der ­Architekturserie wird ab Dezember im ehemaligen Mocca in Landsberg zu sehen sein. Und am Ende soll daraus ein Bildband entstehen. Denn da möchte Altheimer hin: weg vom Bildschirm, hin zum Papier.

„Als ich 15 war, habe ich angefangen, mit Photoshop zu spielen“, erzählt der inzwischen 26-Jährige. Irgendwann merkte er, dass das mit fremden Bildern nicht wirklich Spaß macht – und beschäftigte sich mit Fotografie. Seine erste Spiegelreflexkamera bekam er mit 18. „Da habe ich entdeckt, was man bildgestalterisch alles machen kann.“ Licht und der damit einhergehende Schatten ist – natürlich – ein wichtiges Element in Altheimers Bildern: „Man lernt, gutes Licht zu bauen, indem man lernt, gutes Licht zu sehen.“ Um das Sehen zu lernen, ging er nach dem Abi erst einmal fünf Wochen mit Rucksack und Kamera nach Afrika. In dieser ungewohnten Umgebung begann seine visuelle Suche. Porträtserien, Landschaftsbilder. Und nach und nach entdeckte er „die subjektive Qualität, den persönlichen Ausdruck in meinen Bildern“.

Schon direkt nach dem ­Abitur hatte Altheimer auch begonnen, in der Sonderbar in Landsberg zu arbeiten. Knapp acht Jahre lang. Dort lernte er auch seine jetzige Verlobte Manuela ­Sauter kennen. Vor drei Jahren kam ihre gemeinsame Tochter Zoe dazu. Die vierköpfige Familie – ­Manuela hat noch eine ältere Tochter, Laura – lebt in ­Landsberg. „Und da lebe ich auch sehr gern“, sagt ­Philipp Altheimer. Auch wenn er beruflich oft anderswo unterwegs ist. Und ­vielleicht sollte er ja „eine zweite Base in Paris oder Berlin haben. Um ein bisschen näher dran zu sein.“ Aber ganz aus Landsberg weggehen liegt ihm fern.

2012 begann er eine Art Praktikum als Mediengestalter – und brach es nach einem halben Jahr ab: „Es war rein technisch. Irgendwann habe ich nur noch Daten aktualisiert.“ Und das war Altheimer nicht genug. 2013 bewarb er sich deshalb an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München für Fotodesign – mit Erfolg. Seither studiert er, inklusive einem Jahr Elternzeit. „Wann ich fertig sein werde, ist noch nicht so ganz klar. Vielleicht in ein oder zwei Jahren.“ Seit diesem Jahr arbeitet er auch als selbstständiger Fotograf: „Alle paar Monate kommt etwas Neues auf mich zu“. Kürzlich zum Beispiel fotografierte er in einer alten Kirche in Bristol, zuvor in einer riesigen Fabrikhalle in Amsterdam. Neben Aufträgen im Mode- oder Architekturdesign-Bereich arbeitet er bei musikalischen Events – Altheimer liebt Raves und legt auch selbst auf, “da kommen dann Leidenschaften zusammen“.

Wichtig ist ihm, nichts ­nachzuahmen. Weshalb er kaum mit anderen Fotografen vernetzt ist und auch ungern die Arbeiten anderer anschaut. Selbst wenn seine Dozenten das für ­wichtig halten. „Inspiration ist gut, ­solange sie nichts mit Fotografie zu tun hat“, sagt ­Altheimer. Bei der Kulturpreisverleihung wird eine Installation von ihm zu ­sehen sein. Titel „DNA“ – Das, was Philipp Altheimer ausmacht.

Susanne Greiner

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