Kulturförderpreis 2017 (Serie, 1)

Hollywood am Ammersee

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Manuela Bastian aus Utting ist preisgekrönte Regisseurin. Demnächst dreht sie ihren ersten Spielfilm.

Landsberg/Utting – Gerade mal 18 Jahre alt ist Manuela Bastian, als sie ihren ersten Film dreht. Das Thema: ein Waisenhaus in Kenia. Mit ihrem zweiten Film „Kampf in Pink“ bewirbt sie sich an der Filmakademie in Ludwigsburg – mit Erfolg. Es folgt „Papa Afrika“ über einen Jungen aus Simbabwe, der sich in einem bayerischen Dorf – es handelt sich um Schondorf – einleben muss. Ihr vierter Film „Where to, Miss?“ erhält den Hofer Dokumentarfilmpreis Granit, den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis, den Publikumspreis beim Filmfestival in Kitzbühel. Und kommt ins Kino. Auf der Berlinale 2017 wird schließlich das Konzept ihres fünften Films ausgezeichnet: ein Mystery-Drama, Bastians erster Spielfilm. Dass sie den Kulturförderpreis des Landkreises erhält, freut sie besonders. Denn gedreht wird wieder am Ammersee.

„Ich bin schon sehr heimatverbunden“, sagt Bastian. Was nicht bedeutet, dass sie ständig in Utting ist. „Die letzten Jahre war ich nie länger als drei Wochen an einem Ort.“ Aber die Abwechslung in ihrer Arbeit weiß Bastian zu schätzen. Ab und zu denkt die 30-Jährige an Sicherheit. Dass ein fester Job und ein geregeltes Einkommen nicht schlecht wären. „Aber länger als eine Woche das Gleiche, das kann ich nicht.“ Nach ihrem Abschluss an der Filmakademie wird sie wahrscheinlich gemeinsam mit ihrem Freund Jan David Günther, der bei „Where to, Miss?“ die Bildgestaltung gemacht hat, nach Berlin gehen. „Aber der Ammersee bleibt mein Rückzugsort. Meine Basis.“ Hier schreibt sie ihre Drehbücher.

„Kampf in Pink“ und „Where to, Miss?“ dokumentieren Frauenschicksale in Indien. Schon nach dem Abitur ist Bastian drei Monate mit ihrer Freundin Nora in Indien unterwegs. Nora studiert schließlich in Indien und versorgt Bastian mit Informationen. 2010 besucht Bastian ihre Freundin und dreht in nur zwei Wochen das Material für „Kampf in Pink“. Der Film handelt von der Gulabi Gang, einem Zusammenschluss indischer Frauen, die sich für ihre Rechte einsetzen. Währenddessen studiert Bastian noch Malerei an der Kunsthochschule München. „Gleich nach dem Abitur nehmen einen die Filmhochschulen meistens nicht auf“, sagt sie. „Man muss ja auch was erzählen können.“

Die erste Idee zu „Where to, Miss?“ setzt sich schon früh bei Bastian fest. Auch hier ist Gleichberechtigung das Grundthema: Die Organisation Sakha Consulting Wings in Delhi bildet Frauen zu Taxifahrerinnen aus, die speziell in der Nacht Frauen sicher von einem Ort zum anderen bringen. Bastian will eine dieser Frauen auf ihrem ungewöhnlichen Weg begleiten. „Es gibt ein indisches Sprichwort, das sagt, erst gehört die Frau dem Vater, dann dem Mann und schließlich dem Sohn.“ Die Taxi-­Frauen hingegen lernen Englisch, Selbstverteidigung, lernen ihre Rechte kennen. „Das gibt den Frauen Selbstvertrauen. Sie werden selbstständiger, weil sie finanziell nicht mehr von der Familie abhängig sind.“ Nach ihrer Aufnahme 2012 an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg beginnt Bastian mit den Dreharbeiten.

Insgesamt drei Jahre arbeitet sie daran. Jedes Jahr geht es während der Semesterferien nach Indien zu ihrer Protagonistin: „Devki war immer zur Stelle.“ Schwierigkeiten machen Stau und Chaos: „Wenn wir auf der Straße gedreht haben, waren gleich 100 Menschen um uns rum.“ Einmal wird das ganze Filmteam fast verhaftet, in einem Jahr werden alle krank.

Auch die Finanzierung der Reisen ist nicht einfach. Im ersten Jahr unterstützen noch Akademie und Bastians Eltern. Im zweiten hilft Crowdfunding, im dritten die Norbert-Janssen-Stiftung. Devki hat inzwischen geheiratet, ein Kind bekommen. Die Hälfte der Zeit ist sie im Dorf der Schwiegereltern, die andere Hälfte arbeitet sie. „Manchmal ist das schwierig, von seinen Protagonisten Abschied zu nehmen“, erzählt Bastian. Gerne würde sie Devki unterstützen. „Ich hoffe, dass mein Film ihr irgendwie helfen kann.“

Als „Where to, Miss?“ 2015 fertig ist, nimmt Bastian erst einmal ein Jahr Urlaub. Sie arbeitet als Kellnerin in der „Bayerischen Brandung“ in Herrsching. Oder hilft ihrem Bruder in München am Crêpe-Stand. Eine künstlerische Pause, in der Zeit zur Recherche ist. Die Pause hat sich gelohnt. Denn am Crêpe-Stand lernt Manuela Bastian Zwillinge kennen: zwei 15-jährige Mädchen, die sie zu ihrem Abschlussfilm an der Akademie inspirieren. Dem Mystery-­Drama am Ammersee. 

Susanne Greiner

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