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Mal richtig auf die Pauke hauen

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Hat mit seinen (Musik-)Lehrern immer „viel Glück“ gehabt: Schlagzeuger Korbinian Fichtl.

Landsberg – Korbinian Fichtl zu erreichen, ist im Moment nicht einfach. Gerade noch in Wien, geht es am nächsten Tag zurück nach Maastricht. Dort studiert Fichtl im dritten Semester Schlagwerk an der Zuyd University of Applied Sciences, dem Conservatorium Maastricht. Ein Fulltimejob: morgens Musiktheorie, danach Üben bis tief in den Abend. „Meistens wird das so zehn, elf Uhr“, erzählt der in Erpfting geborene Musiker. Ab und zu hat er vormittags frei. Dann geht’s raus zum Joggen. „Es ist wichtig, dass man noch was anderes nebenher hat“, sagt der 20-Jährige. „Einfach mal den Kopf durchpusten.“

In Wien war Fichtl, um vorzuspielen. Beim Gustav-Mahler-Jugendorchester, das heuer bereits in der Elbphilharmonie oder in der Scala in Mailand gespielt hat. Oder vergangenes Jahr bei der Eröffnung des Louvre Abu Dhabi. Jedes Jahr bewerben sich über 2.000 Musiker aus ganz Europa, aufgenommen werden nur wenige. Ob Korbinian dabei sein wird, entscheidet sich erst im Januar. Daumen drücken ist also sicher nicht verkehrt.

In das im Süden der Niederlande liegende Maastricht hat Fichtl ein Lehrer gelockt: Prof. Raymond Curfs, unter anderem Solo-Pauker beim Sinfonie­orchester des Bayerischen Rundfunks. Curfs unterrichtet in München oder eben Maastricht. „Als ich Curfs vor zwei Jahren vorgespielt habe, gab es in München keinen Platz.“ Aber weil Korbinian letztes Jahr sein Abi­tur am DZG gemacht hat, ist Maastricht jetzt kein Problem mehr. Das Conservatorium gefällt ihm sehr, vor allem die Internationalität: „Ich studiere hier mit Italienern, Spaniern, Leuten aus ganz Europa.“ Der Theo­rie­unterricht findet auf Englisch statt, Musikunterricht gibt’s dank polyglotter Lehrer auch auf Deutsch.

Auf Kochtöpfen

Mit sieben Jahren stand Korbinian Fichtl das erste Mal bei Stefan Schmid in der Musikschule Landsberg. „Aber ich war vorher schon in der musikalischen Früherziehung.“ Dass Schlagzeug sein Trauminstrument ist, liegt wohl auch an den Trommlern des Ruethenfestes. Die fand Korbinian als kleiner Junge toll. „Zuhause hab ich auch immer auf den Kochtöpfen Schlagzeug gespielt. Es war mir irgendwie schon immer klar, dass ich nur das machen will.“

Stefan Schmid habe ihn „gefordert und gefördert“. Viele Konzerte. Unter anderem mit „Licca Percussiva“, das Schlagzeugensemble Schmids. Am Anfang hat Fichtl da nur die Rassel gespielt, aber im Laufe der Zeit wurde es immer mehr: „Man ist da so reingewachsen.“ Natürlich stand zudem Jugend Musiziert auf dem Programm, bei dem Korbinian erste Preise auf Bundesebene erzielte. Sein Talent erkannte man auch im Bayerischen Landes- und im Bundesjugendorchester: „Die Mitgliedschaft in beiden Orchestern hat mir sehr viel bedeutet.“

Auch die Vielseitigkeit des Instruments Schlagzeug hat Fichtl bei Schmid kennengelernt. Wollte er am Anfang nur das Drum-Set, kamen bei Schmid auch die klassischen Aspekte des Schlagwerks an die Reihe. Zum Beispiel Marimba- und Xylophon oder auch Pauke. „Das habe ich erst im Nachhinein so richtig begriffen, was Stefan Schmid alles Gutes gemacht hat.“ Insgesamt habe er sehr viel Glück mit seinen Lehrern: Mit 16 Jahren ging Korbinian zu Stefan Blum ans Leopold-Mozart-Zentrum der Uni Augsburg, zwei Jahre später fing er als Jungstudent bei Franz Bach an der Hochschule für Musik und Theater München an – Bach ist Solo-Schlagzeuger beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. Seit vergangenem Jahr ist er nun in Maastricht bei Curfs.

Ob Drum-Set, kleine Trommel oder eben Instrumente wie Vibraphon und Conga, das unter dem Sammelbegriff Schlagzeug zusammengefasste Feld ist vielseitig. Ob er ein Lieblingsinstrument habe? „Früher war das tatsächlich die kleine Trommel, die ich eben auf dem Ruethenfest gesehen hatte“, meint Fichtl. Als Schlagzeuger habe man aber ein anderes Verhältnis zum Instrument als zum Beispiel ein Geiger zu seiner Geige. „Man hat ja meistens keine eigene Pauke, kein eigenes Marimba.“ Und gerade das schätzt Korbinian: „Die Auswahl an unterschiedlichen Techniken und Klängen, die mir das Schlagzeug bietet, das ist sehr, sehr gut!“ 

Susanne Greiner

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