Kulturförderpreisträger Markus Philipper im Porträt:

Hochbegabt und ganz normal

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Erst in der vierten Klasse begann Markus Philipper mit dem Klavierspielen. Sein großes Talent wurde bereits vielfach erkannt: Nicht nur bei Jugend Musiziert gewann der 18-Jährige heuer, auch der Kulturförderpreis wird ihm verliehen.

Landsberg – Beim Erzählen macht Markus Philipper Dehnübungen mit der Hand. Er spreizt den Daumen, was bei ihm fast zu einer Art Handspagat führt, so weit ist die Spanne zwischen Zeigefinger und Daumen. Greifen kann er eine Duodezime, zwölf Tonstufen – die perfekte Hand zum Klavierspielen. „Darum beneiden mich einige“, sagt er lachend. Der gerade mal 18-Jährige lebt für die Musik. Zuhause in Untermühlhausen steht ein Boston-Flügel, sozusagen ein kleiner Steinway. Neben Schule und Üben bleibt nicht viel Zeit. „Ich les dann manchmal was. Thomas Mann oder gerne auch mal Hesse.“

Auch was Musikhören angeht, ist Philipper fokussiert. Schon in der Fünften schaut er Klassikvideos über Youtube. „Das ging los mit Rachmaninow, Chopin. Es hat mich beeindruckt, was man am Klavier alles machen kann.“ Pop findet er, wie seichte Literatur, langweilig. Ab und zu zieht ihn moderne E-Musik in Bann: „Eine Zeitlang habe ich nur György Ligeti gehört, der hat die genialsten Klavieretüden geschrieben.“ Hochkomplexe Stücke mit Namen wie „Teufelstreppe“. Abgeklärt oder gar überheblich ist Markus Philipper absolut nicht: „Ich bin ein ganz normaler Jugendlicher, schlafe lang oder mach was mit dem Handy.“ Wenn er Zeit hat.

Mit dem Klavierspielen hat Philipper relativ spät angefangen. Als in der vierten Klasse der Grundschule Penzing seine Cousine und auch einige Mitschüler ein E-Piano bekamen, wollte er das auch. Erst hatte er Unterricht bei Johanna Winter, deren Sohn bei ihm in der Klasse war. Schon damals hat er gerne täglich geübt. Ein halbes Jahr später begannen die Klavierstunden bei Dr. Maximilian Hofbauer an der Musikschule Landsberg. „Ich habe Dr. Hofbauer die Fantasie in d-Moll von Mozart vorgespielt und er hat mich sofort aufgenommen.“

Der Traumberuf stand früh fest: Pianist. „Eventuell noch Dirigent oder Korrepetitor.“ Drei Jahre ging Philipper in St. Ottilien aufs Internat, dann war keine Zeit mehr für das getaktete Internatsleben. „Das Fußballspielen hab ich gleich am Anfang sein lassen. Gefreut habe ich mich nur auf den Klavierunterricht am Montagabend.“ Jetzt geht er morgens ins Rhabanus-­Maurus-Gymnasium. Mittags beginnt die Musik. Den reichen Input seitens Hofbauer weiß er zu schätzen. Und auch, dass er durch ihn die an der Musikhochschule in Hannover unterrichtende Pianistin Vassilia Efstathiadou ­kennengelernt hat. „Ich durfte 2013 bei ihrem Meisterkurs in der Villa Pinswang zuhören. Und dann saß ich da mit großen ­Augen. Wie man so spielen kann!“

2014 hat er selbst teilgenommen. Und dann lud ­Efstathiadou Philipper zur Internationalen Sommerakademie am ­Salzburger Mozarteum ein. Zwei Wochen lang Klavierspielen, jeden Abend ein Vorspiel. Nach dem ­Abschlusskonzert fragte ­Efstathiadou, wie oft Markus denn jetzt zum Unterricht nach Hannover komme.

Im ersten Jahr kam Philipper jedes zweite Wochenende. 2015 bestand er die Aufnahmeprüfung am IFF, dem Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter in Hannover. Seither ist er jedes Wochenende da. Immer mit dem Zug, pro Fahrt fünfeinhalb Stunden. 2019 wird er seinen Abschluss machen und danach studieren. Voraussichtlich weiterhin in Hannover, denn da gehen die Pianisten hin. Pro Jahr bewerben sich 300 bis 400 Studenten. „Genommen werden circa 15 bis 20“, sagt Philipper und lächelt. Man sieht ihm an, dass er das unbedingt möchte. Aber noch geerdet genug ist, um ein bisschen Muffensausen davor zu haben.

Dass er auf einem guten Weg ist, zeigt sein Erfolg bei Jugend Musiziert: 2017 hat er beim Bundeswettbewerb den ersten Platz geholt, mit Höchstpunktzahl. Dazu gab’s den mit 1.500 Euro dotierten Diethard-Wucher-Preis, eine Auszeichnung des Hauses Steinway und einen Sonderpreis der Deutschen Stiftung Musikleben.

Wenn Markus Philipper nicht musiziert und auch den Hesse zur Seite legt, schaut er sich gerne Kunst an („ich kann nicht zeichnen“) und isst gerne gut („ich kann nicht kochen“). Vielleicht macht er ein bisschen Sport, „um den Kopf ­freizukriegen“. Aber eigentlich ist das alles unwichtig. Nebensache: „Seit Musik in mein Leben gekommen ist, steht sie im Mittelpunkt.“

Susanne Greiner

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