Auftakt der Reichlinger Festwoche:

Wenn der Minister dirigiert

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Auftakt zu der Reichlinger Festwoche: Da hat’s gespritzt, als Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler das erste Fass anzapfte. Rechts Minister Markus Söder und Bundestagskandidat Michael Kießling.

Reichling – Walter Socher, der zweite Dirigent bei der Blaskapelle Reichling, hat die 40 Musiker den Marsch „Mein Heimatland“ auflegen lassen und dem Minister nach der Rede im Bierzelt den Taktstock in die Hand gedrückt. Dieses Stück sei stimmig, dachte sich Socher. Denn Markus Söder ist nicht nur bayerischer Finanzminister, sondern auch Heimatminister. Um Entwicklungschancen im ländlichen Raum und ums Heimatgefühl ging es an diesem politischen Abend, der den Auftakt zu der Reichlinger Festwoche bildete. Zuvor übergab Söder im Rathaus einen Förderbescheid über 96.000 Euro für schnelles Internet in der Gemeinde Reichling.

Johannes Leis, der junge CSU-Ortsvorsitzende, erwähnte vor 500 Besuchern im Festzelt, dass schon politische Größen wie Franz-Josef-Strauß oder Horst Seehofer zum politischen Aschermittwoch nach Reichling gekommen waren. Mit Blick zum politisch ambitionierten Minister Söder witzelte Leis: „Die letzte Hürde wäre geschafft, möchte man da sagen“.

Zum zweiten Mal

Auf den Satz des CSU-Ortsvorsitzenden kam Minister Söder in seiner Rede gleich zurück. Wenn Auftritte in Reichling für den Aufstieg so förderlich seien, dann käme er gern wieder. Gut drei Monate nach dem Josefitag in Denklingen war Minister Markus Söder erneut Hauptredner bei einer Kundgebung im südlichen Landkreis Landsberg, diesmal beim politischen Abend in Reichling.

Übergabe des Förderbescheides im Rathaus. Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler und Heimatminister Markus Söder.

Seine Schwerpunkte waren dabei die Finanzen, der ländliche Raum und die innere Sicherheit. Deutschland sei „der Stabilitätsanker Nummer eins“ in der Welt, und Bayern sei es innerhalb der Bundesrepublik. Die Zukunft Bayerns liege aber nicht nur in den Metropolen („München ist schön, aber am Münchener Marienplatz sehen Sie selten einen Bayern“), sondern ebenso im ländlichen Raum. Darum sei der Ausbau des schnellen Internets (Stichwort Glasfaser bis zum letzten Hof) so notwendig für Gewerbebetriebe ebenso wie für private Haushalte.

Söder plädierte in Reichling für Steuersenkungen und sogar für eine Abschaffung. „Ich möchte, dass wir in der Steuerpolitik Geschichte schreiben“. 2019 ende das langfristig angelegte Programm Aufbau Ost. Das bedeute auch: Es sei höchste Zeit, „dass der Soli fällt“. Mit Soli meinte er den Solidaritätszuschlag für die neuen Bundesländer.

Söder bezog auch zur Innenpolitik Position. In Deutschland gebe es in manchen Metropolen Stadtteile, wo Banden das Zepter übernähmen und Frauen sich nicht mehr allein auf die Straße trauen. Die Antwort könne da nur lauten: mehr Polizei und schärfere Gesetze. Die Politiker und die Menschen müssten freilich auch hinter der Polizei stehen – also „hinter den Menschen, die für uns den Kopf hinhalten“.

Bundestagskandidat Michael Kießling (Denklingen) bekam von Söder mit auf den Weg, er soll im Fall des Einzugs ins Berliner Parlament dort den bayerischen Kampf gegen den Länderfinanzausgleich unterstützen. Kießling sagte in Reichling, die Digitalisierung sei ein Schwerpunktthema in den Städten und Gemeinden, im Land und im Bund. Dem dürfe man sich nicht verschließen; man müsse sie vielmehr gestalten. „Wir ham da noch Hausaufgaben zu machen.“

Breitbandausbau

Mit den Worten „Jetzt läuft es“ drückte Reichlings Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler ihre Freude darüber aus, dass der Breitbandausbau in der Gemeinde vorankommt. Sie nahm vo n Minister Markus Söder im Sitzungszimmer des Rathauses den Förderbescheid in Höhe von 96.500 Euro entgegen. Am Anfang sei sie sich beim Thema schnelles Internet wie eine Einzelkämpferin vorgekommen, die auch die Mühlen der Bürokratie deutlich zu spüren bekommen habe. Dass sich die Gemeinden dann landkreisweit zusammengetan haben, sei ein entscheidender Schritt gewesen, um dieses Thema zu forcieren.

Auch in Reichling kostet der Breitband-Ausbau – es gibt auch Unterstützung vom Bund – mehrere hunderttausend Euro. Minister Söder sagte im Rathaus, dass ein Großteil der Fördermittel von 365 Millionen Euro für Oberbayern in einem weiteren Verfahren offen sei. Da könne Reichling nochmals einen Nutzen daraus ziehen. 

Johannes Jais

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