Wo Kunst für farbige Zeiten sorgt – Künstlergilde zeigt Jahresausstellung in den Beruflichen Schulen Landsberg

Mit ihrer traditionellen Jahresausstellung beendet derzeit die Künstlergilde Lands­berg-Lech-Ammer­- see ihr 75. Gründungsjubi­läum. 34 der 45 Gildemitglieder sowie 20 Gastkünstler stellen ihre Arbeiten in den Beruflichen Schulen in der Spitalfeldstraße vor.

Foyer, Treppenhaus und Gänge bieten eine erstaunliche Präsentation für die Bilder, Skulpturen und Montagen. „Es ist jedes Jahr aufs Neue spannend, ob genügend gute Arbeiten eingereicht werden. Wir glauben, dass es uns in diesem Jahr wiederum gelungen ist. Besonders stolz sind wir auf die Kontinuität der hohen künstlerischen Qualität“, sagt Künstlergildevorsitzender Gerhard Heitzer. „Die Ausstellung zeigt uns, dass in Zeiten, die nicht unbedingt fröhlich sind, Kunst dafür sorgt, dass es um uns herum farbig werden kann“, so Dr. Thomas Goppel auf der Vernissage. Der CSU-Landtagsabgeordnete begleitet die Jahresexpositionen der Künstlergilde seit nunmehr 31 Jahren. „Die Künstlervereinigung dokumentiert, dass sich zwischen Landsberg und Ammersee ein äußerst kreativer Kreis etabliert hat“, so Goppel, auch wenn die Vielfalt der Herkunft – die Wiegen der Gildemitglieder standen nicht nur in Oberbayern, sondern auch im französischen Lyon, im ostpreußischen Königsberg, in Wien und Konstanz, in Frankfurt am Main, in Berlin oder Bremerhafen – kaum zu übertreffen ist. „Die Ausstellung in ihrer künstlerischen Vielfalt macht sichtbar, dass die alte Dame Künstlergilde jung geblieben ist.“ Lebenswege Symbolisch für die Zukunft steht Martha Verweinens „Lebensweg“. Eine Frau und ein Mann – beide eng umschlungen – gehen ins Ungewisse, aber in die Helligkeit. Zwar ganz anders kommen die beiden Terrakotta-Figuren „Freundinnen“ von Thomas Wolf daher, gleichwohl auch hier Zusammenhalt und Gemeinsamkeit. Übermacht und Schönheit der Natur zugleich in weiß-blauem Öl und Acryl, auf Distanz betrachtet fotogleich, bringen Dietlind Sadowsky in Berg- und Wasserwelten sowie Kathleen Canady nahe. Mit Farben bestechen Aquarelle von Peter Achilles, Anita Braunschmidt, Christian Burkhardt, Katharina Rücker-Weininger und Anneliese Schmidt. Übrigens: Weit mehr als die Hälfte der Gildemitglieder und der ausstellenden Künstler sind Frauen sind. Märchen in bunter Naivität von Dagmar Kammerer, faszinierende Landschaften und Stadtansichten von Margarete Bartsch, Hans Dietrich, Manfred Engert und Gaby Hühn-Keller, Mystisches von Eva von Rossen, Kurt Kreuzer oder Joachim Giebelhausen bis hin zu Mahnendem, wie der in Eiche gehauene „Bettler“ von Erik Urbschat und einem von Stachel­- draht umwundenen Granitlaib als Symbol für „Brot für die Welt“ von Wolfgang Grimme, gehören zu der breiten The­men­palette. Wechselvolle Geschichte Das 75. Gründungsjubiläum der Künstlergilde wurde den gesamten Sommer über gefeiert. Das Neue Stadtmuseum Landsberg widmete ihr eine Sonderausstellung unter dem Titel „Eine Kunst-Geschichte“. Mit mehr als 120 Werken wurde die „atypische Entwicklung und Geschichte“, so Kunsthistoriker Prof. Dr. Thomas Raff, nachgezeichnet. Während sich 1934 Künstlervereinigungen in ganz Deutschland unter dem Druck der Nationalsozialisten auflösten oder verboten wurden, ist gerade die Künstlergilde sozusagen „von oben“ gegründet worden. Gleichwohl, das Ziel, mit angepasster Heimatkunst den „Kleinen Mann auf der Straße“ zu erreichen, hat er weit verfehlt. Nach dem 2. Weltkrieg setzten die Verbandsvorstände auf Erneuerung. So stand die abstrakte Malerei des Dessauer Bauhausschülers und längst international renommierten Fritz Winter, der schon 1946 Blätter aus seiner Serie „Triebkräfte der Erde“ im Landsberger Rathaus ausstellte und 1948 der Gilde beitrat, für den Neuanfang der Künstlervereinigung nach ’45. Gleichwohl blieben Spannungen zwischen Konservativen und Modernen bestehen, sodass eine Spaltung unvermeidbar war. Heute haben die Vertreter der Künstlergilde und die des Regionalverbandes Bildender Künstler längst ihren Frieden gemacht und leben nicht nur Künstlerfreundschaften. Nach etlichen Jahren Pause ist für den Jahrgang 2009 wieder ein Katalog erschienen – dank mehrerer Sponsoren. Er bietet eine gute Gelegenheit. sich mit den unterschiedlichen künstlerischen „Handschriften“ und Themen vertraut zu machen, sind doch eine Reihe der Werke zu moderaten Preisen zu erwerben. Den musikalischen Rahmen der Vernissage gestaltete das Gitarrenensemble „Capotaster“ mit Lothar Kirsch, dem Leiter der Musikschule Landsberg. Musik aus drei Jahrhunderten ent­führte nach Spanien. Die Ausstellung ist an den nächsten beiden Wochenenden jeweils von 14 bis 17.30 Uhr ge­öffnet.

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