krieg und Freiden im Frauenwald

"Kunst hält Wache" kann am 18. Juni eröffnen – auch analog

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"Kunst hält Wache – 75 Jahre Frieden im eigenen Land" kann am 18. Juni in der "Alten Wache" im Frauenwald eröffnen
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"Kunst hält Wache – 75 Jahre Frieden im eigenen Land" kann am 18. Juni in der "Alten Wache" im Frauenwald eröffnen

Landsberg – An der Einfahrt im Frauenwald flattert inzwischen das blau-weiße Banner: „Kunst hält Wache“. Als Logo grüßt das Schutzzeichen des Kriegsvölkerrechts auf dem Alte-Wache-Dachfirst: die weiße Flagge. Dank der Lockerungen in der Corona­krise kann das Projekt zu 75 Jahren Frieden in Deutschland nun doch analog starten: Am 18. Juni öffnet sich die Tür zu dem Gebäude, in dem über 30 Künstler, darunter auch Schulklassen, ihre Arbeiten zeigen. „Bei ‚Kunst geht Baden‘ hatten wir nur ein Wochenende‘, sagt der künstlerische Leiter Franz Hartmann. „Und viele fanden das zu kurz.“ Deshalb haben die Gäste bei „Kunst hält Wache“ mehr Zeit. Und können die Ausstellung sogar betrachten, wenn‘s draußen schon dunkel ist, was der ‚Alten Wache‘ eine ganz besondere Stimmung geben wird: Geöffnet ist bis zum 28. Juni, von Donnerstag bis Sonntag und von 10 bis 22 Uhr.

Momentan ist Hartmann mit Janos Fischer und Harry Sternberg dabei, die Voraussetzungen für die Ausstellung zu generieren. Die drei Künstler haben „aufgeräumt, abgesichert, zugeschraubt, Zwischenwände eingebaut, Holzdecken ausgebaut, Teppichböden rausgerissen – eigentlich eine Luxussanierung“, sagt Fischer mit einem leichten Grinsen. Der Strom musste geregelt werden – jetzt sind die alten Sicherungen lahmgelegt, neue eingebaut, alte Neonröhren gegen neue getauscht.

In den Räumen wurden Tapeten, manche rosa-gelb, abgezogen. Unter einer versteckte sich ein besonderer Fund: ein Reichsadler als Wandbild.

„Natürlich werden wir nur begrenzt Menschen einlassen dürfen“, sagt Hartmann. Wie viele das genau sein werden, steht noch nicht fest. „Das Einbahnstraßensystem können wir aber ganz einfach umsetzen.“ Für Zuschauer, die außen auf den Einlass warten müssen, sind fünf Bildschirme im Außenbereich installiert. Auf ihnen werden virtuelle Führungen durch die Ausstellung und durch das Frauenwald-Gelände abgespielt. Auch die Flyer mit Informationen zu den einzelnen Künstlern hat der Gast da schon in der Hand. Und kann sich beispielsweise die Ergebnisse eines Jugend-Comicwettbewerbs der Friedrich-Naumann-Stiftung ‚open air‘ betrachten.

Inzwischen sind auch die Künstler am Gestalten. Und verwandeln die Räume in andere Welten. Drei Zimmer belegen die elfte und zwölfte Klasse der Waldorfschule Landsberg. Sie wollen den Gegensatz ‚Krieg – Frieden‘ sichtbar machen. Jetzt schon spürt man beim Betreten eine Änderung: Sand weicht den Tritt auf. „Die Schüler wollten hier einen Gegensatz zu dem Betonboden in der ‚Alten Wache‘ bilden“, sagt Sabine Barth, Kunstlehrerin an der Waldorfschule. „Und hier dem Betrachter den sicheren Boden unter den Füßen rauben.“ Dieser Gegensatz solle auch die Atmosphäre im ganzen Gebiet der ehemaligen Zellulosefabrik wiedergeben: Alltag versus Kriegsschrecken, die im Frauenwald ihre Spuren hinterlassen haben.

Eine Fensterwand bietet den Blick in die Natur – Idylle versus Stacheldraht und Kunstblut, das im Inneren den Krieg symbolisiert. „Ein anderer Bereich stellt die bürgerliche Scheinidylle dar“, sagt Barth. „Mit Rollrasen und Mähroboter.“ An der gegenüberliegenden Wand dann das Zerstörungsszenario. Sie habe die Schüler nur organisatorisch unterstützt, betont die Kunstlehrerin. „In der künstlerischen Gestaltung waren sie vollkommen frei.“

Auch Arbeiten einer achten Klasse der Mittelschule Landsberg und der Q11 des Dominikus Zimmermann Gymnasiums sind in der ‚Alten Wache‘ vertreten. Und auch Emily Mester und Anna Münkel vom Ignaz Kögler Gymnasium. Letztere mit 75 Origami-Friedenstauben , die die Besucher durch eigenes Falten vermehren können – für weitere Friedensjahre.

Zu sehen ist beispielsweise auch ein Projekt von Nana Dix, Enkelin von Otto Dix, die ebenso wie ihr Großvater „genau hinsehen“ will. Dessen Triptychon „Der Krieg“, das Dix von 1929 bis 1932 malte, schaut hin und zeigt im Gegensatz zu anderen Arbeiten dieser Zeit den Schrecken des Krieges: Leichen, Menschen mit Gasmasken, zerstörte Landschaften. Seine Enkelin will „in der Erde wühlen“, um die Wahrheit dahinter zu zeigen. Dabei arbeitet Nana Dix mit einem Video und auch alten Schwarz-weiß-Fotografien, die in der Alten Wache gelagert wurden.

Konstantin Wecker zitiert sein Konzert in Bagdad 2003, kurz vor der erwarteten Bombardierung, die den dritten Golfkrieg einleitete. Sein Tagebucheintrag zu diesem Konzert ist zu hören. Während Sternberg, Fischer und Hartmann den Raum drumherum – ein Bad – gestaltet haben. Mit Explosionen in der Badewanne, Saddam-Hussein-Bild und rotem Wandgraffiti. Und Wenzel Ziersch widmet seine Arbeit den Menschenrechten. Er werde sie „in winziger Schrift im Gang auf die Wand schreiben, ein Exerzitium, manisch“ sagt Hartmann.

Hartmann wird mit einer Skulptur vertreten sein. Fischer arbeitet in der Dusche – mit der Audio-Installation „Vorladung“: „Ich stelle eine bedrohliche Situation her. Und frage: ‚Bist du Opfer, Angeklagter oder Komplize?“. Sternberg setzt die „missbrauchte Jugend“ in den Mittelpunkt: Jugendliche und Kinder, die zu Kriegern erzogen und ‚verheizt‘ wurden. „Es gibt ein Video, in dem ein jetzt 19-jährige Enkel über seinen Großvater spricht – der mit 17 eingezogen wurde.“ Axel Wagner, ebenfalls Mitorganisator, arbeitet mit Streichhölzern: das Gelb des Holzes, das Rot der Köpfe. Und schließlich das Schwarz, wenn sie verbrannt sind. Die Farben der deutschen Flagge.

„Auch das Begleitprogramm wird wie geplant stattfinden können“, freut sich Hartmann. Andreas Kloker mit seinen vergänglichen Tafelbildern aus Wasser und dessen Verschwinden. Mit einer Lesung von Kristine Milz aus deren Buch „Todesursache Flucht“, bei der auch Schüler mitwirken. Es gibt kleine Konzerte, Filme werden gezeigt. „Wir streamen dabei auch nach Außen, da in dem Veranstaltungsraum ja nur eine begrenzte Anzahl von Zuschauern sein darf“, verspricht Hartmann.

Die Situation, ob und, wenn ja, wie die Ausstellung stattfinden würde, zeigte sich für die Organisatoren als Test – den sie mit Flexibilität, Optimismus und Ruhe gemeistert haben. Für die Künstlerin Claudia Starkloff war es indessen ideal. Sie arbeitet mit historischen Kultur- und Nutzpflanzen. „Der ursprüngliche Termin war etwas knapp für sie“, erzählt Hartmann. Denn ihre Pflanzen zieht Starkloff selbst. „Jetzt haben sie aber die richtige Größe.“ Was auch gut für die Besucher ist. Denn die Pflanzen werden am Ende der Ausstellung verschenkt.
Susanne Greiner

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