Faszinierende Facetten der Kunst

Kunstraum Stoffen: »Das kleine Format – große Kunst auf kleiner Fläche«

Werk von Vesna Kovacic
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Vesna Kovacic spielt mit dem Blickwinkel: Linien, die je nach Standpunkt des Betrachters wirr oder ganz gerade scheinen.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Stoffen – „Das kleine Format“ steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung im Kunstraum Stoffen. Der Untertitel „ Große Kunst auf kleiner Fläche“ trifft den Nagel auf den Kopf – 18 Künstler aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen hier auf maximal 40 mal 40 Zentimetern, dass man für clevere Ideen und künstlerische Raffinesse keine raumgreifenden Formate benötigt.

Es sind nicht nur Bilder, die Galerist und Künstler Otto Scherer an den Wänden seiner Ausstellungsräume aufgehängt hat. Werke aus Holz, aus geknickten Aluplatten oder aus Plexiglas zeigen, wie vielfältig Konkrete Kunst ausgestaltet werden kann. Karl Heinz Kappl – nicht nur im Landkreis ein bekannter Name – zeigt faszinierende Arbeiten aus Edelstahl. Seit 2019 befasst sich der in Hechenwang lebende Künstler wieder intensiv mit Metall. Gelernt hat er den Umgang damit in langen Jahren in einer Schlosserei, inzwischen bezeichnet er sich als „metallerisch autark“ – was seine aktuellen Werke im Kunstraum beweisen.

Die Münchner Künstlerin Erica Heisinger arbeitet gern mit Dia­gläsern, die sie weltweit aufkauft, aus den Rahmen entfernt und auf verschiedenste Art beklebt. Sie betrachtet ihre Werke nicht als erstarrte Endprodukte, sondern als Zwischenstationen, die erst in der persönlichen Wahrnehmung des Betrachters Vollendung finden. Gefesselt steht man auch vor Christiane Grimms schwebenden Flächen aus Licht – so zumindest wirken ihre Arbeiten. Tatsächlich sind sie aber aus höchst greifbaren Materialien, nämlich farbigem Karton und Kunststoff in Kästen aus fein gewelltem Plexiglas – allein dadurch entsteht der körperlose Eindruck.

Das Spiel mit Standpunkten treibt die in Ulm lebende Vesna Kovacic auf einen Höhepunkt der Perfektion. Ihre Schwarz-Weiß-Arbeiten wirken ungeordnet und chaotisch, wenn man ihnen frontal gegenübersteht. Man sieht ein Wirrwarr gebogener Linien unterschiedlicher Breite, die sich in viele Richtungen erstrecken. Betrachtet man die Bilder aber von der Seite, verwandeln sich die Linien auf wundersame Weise in gerade Streifen. Die Künstlerin will das als Metapher auf alltägliche Bewusstseinsprozesse verstanden wissen. „Ständig konfrontiert mit unbeschreiblich Vielem, was uns umgibt, und eingebettet in eine Fülle innerer Strömungen, produziert unser Geist einzelne, uns verständliche Muster“, schreibt sie in einem ihrer Kataloge.

Der einzige nicht mehr lebende unter den ausgestellten Künstlern ist Ludwig Wilding, bekannter Vertreter der Konkreten Kunst und der Op Art, einer Kunstrichtung, die mit der optischen Wahrnehmung des Betrachters spielt. Wilding erreicht durch die Kombination von Linien zu sich überlagernden Netzen und Rasterstrukturen einen dreidimensionalen Effekt. Alles im Bild scheint sich zu bewegen und zu verschieben. Erklärtes Ziel des Künstlers war es, beim Betrachter eine Veränderung und Aktivierung von Wahrnehmung zu erreichen.

Otto Scherer wollte die Ausstellung eigentlich schon im vergangenen November zeigen, doch der Lockdown kam dazwischen. Nun ist er froh, dass endlich wieder Besucher kommen dürfen. Möglich ist das immer am Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Die Ausstellung im Kunstraum Stoffen läuft noch bis 11. Juli.

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