Kunst wirkt, auch auf engem Raum

Landsberg: Teil III der RBK-Jubiläumsausstellung "Kunststück!" 

+
Ganz schön bunt: Kunst im engem, aber öffentlichem Raum. Erste Vorsitzende des RBK Silvia Großkopf bei der Vernissage zu Teil III der „Kunststück!“-Ausstellung im Stadtverwaltungsgebäude mit OB Mathias Neuner (links) und Kunsthistoriker Hartfrid Neunzert.

Landsberg – „Bis vor Kurzem war noch alles weiß und trist in unserer Amtsstube.“ Jetzt nicht mehr: Direkt neben Oberbürgermeister Mathias Neuners Büro ist links ein großformatiger Zweiteiler zu sehen – eine Art rote Brücke. Rechts neben der Tür hängt die kleine Collage aus Foto und Gemälde der Ersten Vorsitzenden des Regionalverbands Bildender Künstler Oberbayern-West (RBK) Silvia Großkopf. Und noch viel mehr Kunst umgibt Neuner und Co: Teil III der RBK-Jubiläumsausstellung „Kunststück!“ zum 30-Jährigen ist seit vergangenen Donnerstag im Stadtverwaltungsgebäude in der Katharinenstraße zu bestaunen.

Gegenüber dem Eingang weisen Bert Praxenthalers X-Stern und Tristern den Weg zur Kunst: großformatige Skulpturen in kupferrot und grünspangrau. Ansonsten überwiegt im Erdgeschoss dennoch die Verwaltung, auch wenn zur Vernissage die ansonsten dort zu findenden Stellwände und Stühle weichen müssen. Nur wenige Kunstwerke zieren die linke Wand. Darunter Gertrud von Wincklers „Verschwendung“, ein Öl-Druck von einer Plastiktüte abgenommen – der Druckstock ist vor dem Wandbild auf einem Bodenpodest ebenfalls ausgestellt. Eine Zweiteiligkeit, die dafür sorgt, dass das Werk zwischen Büroschild und Flyerregal nicht untergeht.

Dass der RBK im Stadtverwaltungsgebäude ausstellt, hat zwei Gründe. Die gute Nachricht zuerst: Ins Verwaltungsgebäude der Stadt kommen eben auch Menschen, die sonst nicht unbedingt in Kunstausstellungen zu sehen sind. Eine Begegnung mit Kunst somit auch für Nichtkunstinteressierte. Auf jeden Fall spannend.

Die RBK-Ausstellung im Stadtverwaltungsgebäude

Die schlechte Nachricht: Hätte Landsberg ein in allen Stockwerken bestückbares Stadtmuseum, hätte der RBK vielleicht dort auch Platz gefunden. Immerhin fand er dort – lange vor der Schließung der oberen Stockwerke – für zehn Jahre nach seiner Gründung 1988 regelmäßig Unterschlupf unter dem damaligen Museumsleiter Hartfrid Neunzert. Damals, als noch Äpfel im Lehmbauofen von Roger Kroetz im dritten Stock schmorten. Der Rauch wurde einfach per Ofenrohr zum geöffneten Fenster ausgeleitet. Brandschutz? War damals noch kein Thema.

In seiner Einführungsrede zu Teil III der Kunststück-Ausstellung erinnerte Kunsthistoriker Neunzert auch an die erste Ausstellung des RBK im Stadtmuseum. Damals, als der Verein noch aus 17 Mitgliedern bestand – heute sind es 58. Dennoch, auch die 17 Mitglieder hätten nach Ankunft im Museum „um die Plätze gefeilscht“. Weshalb sie Neunzert in die Pizzeria schickte und selbst die Hängung bestimmte. Die Künstler seien, bis auf eine Ausnahme, zufrieden gewesen.

Im Verwaltungsgebäude ist die Hängung der Bilder eine Herausforderung. „Das Tryptichon des Gründungsmitglieds Gerhard Stachora sollte eigentlich neben Neuners Büro“, beschreibt Großkopf. Aber es musste wegen festgeschraubter Möbel im Bürgermeisterstockwerk eine Etage tiefer wandern. Dennoch ist es den Kuratoren gelungen, eine Einheit zu gestalten – auch wenn die Ausstellung „ohne jegliche Vorgaben alle möglichen Stile“ beinhaltet, betont Großkopf.

Ganz oben sind unterschiedlichste Formate zu finden: Barbara Manns Druck-Gemälde-Kombi „Wir lieben Hunde“: eine alte Fotografie mit zwei Herrchen und einem Hund, zusätzlich ein geifernder Hundekopf und ein Hund mit Maulkorb dazu gemalt. Und Manns hat den beiden Hundehaltern auch noch Basecaps verpasst. Oben grüßt auch Gislinde Schröters „Einsamer Alter“, eine Materialmontage aus Sackleinen und Stoff, die Assoziationen an einen Geistlichen ganz in weiß weckt ... Der Papst?

Eine Hängung, die die Werke wirken lässt, ist trotzdem nicht immer machbar. Die engen Galeriegänge verhindern, dass Großformatiges aus Distanz betrachtbar wäre. So haben die zwei Werke Fred Jürgen Rogners und Mika Knorr-Boroccos zwar Thema (Pferde) und Format (groß) gemeinsam. Ob die Bilder aus einem halben Meter Entfernung wirken, ist fraglich. Und versucht man, vom Gang gegenüber einen idealen Blickwinkel zu erhaschen, ist leider das Geländer im Weg.

Auf der einen Seite Kunst in einem Raum, „der allen offensteht, unser Rathaus, das uns allen gehört“, wie OB Neuner betont. Andererseits Kunst in einem Raum, der die von Neunzert geforderten „für alle Menschen verständlichen Schwingungen“ nicht immer freisetzen kann. Dass das Stadtmuseum fehlt: unbestritten. Aber deswegen nicht ausstellen? Eine mögliche Konfrontation von Kunst und Betrachter verpassen? Besser nicht. Denn Kunst, die ihren Elfenbeinturm verlässt und mit der Welt kommuniziert, hat mehr Wirkung. Auch auf engem Raum.

Teil III der RBK-Ausstellung „Kunststück!“ ist bis zum 6. Juli zu den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung zu sehen. Hingehen, schauen und die Werke ganz wörtlich ohne Distanz auf sich wirken lassen. Lohnt sich immer.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr Kaufering 
Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr Kaufering 
2.000 Mann kämpfen gegen den Terror
2.000 Mann kämpfen gegen den Terror
Polizei verabschiedet Inspektionschef Walter Müller
Polizei verabschiedet Inspektionschef Walter Müller
Kompetenter Partner mit Technologievorsprung
Kompetenter Partner mit Technologievorsprung

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.