Selbst ist die Gemeinde

Kurze Wege, niedrige Hemmschwelle: In Utting wird bald in der Kirche getestet

Florian Hoffmann beim Testen
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Mit gutem Beispiel voran gingen Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann (sitzend) und die Gemeinderäte. Den Abstrich nahm Michael Kuriat vor, im Hintergrund Helmut Schiller, der sich mit Erfolg für ein eigenes Testzentrum stark machte.
  • Dieter Roettig
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Utting – Während EU und Bundesregierung bei ihrer Test- und Impfstrategie von einer Blamage in die nächste schlittern, nimmt man am Ammersee mit der „Anti-Corona Initiative Utting“ das Ruder selbst in die Hand. Von engagierten Bürgern ins Leben gerufen, gab es jetzt den offiziellen Segen von Bürgermeister und Gemeinderat. Einstimmig votierten die Räte für eine umfassende Unterstützung sowie für eine Kostenübernahme von bis zu 3.000 Euro pro Monat.

Demonstrativ ließen sich Bürgermeister Florian Hoffmann, Geschäftsleiter Florian Zarbo und die 16 Gemeinderäte vor der letzten Sitzung im Mehrzweckraum der Grundschule auf Corona testen – ausgeführt von Michael Kuriat, der in Leipzig ein privates Testzentrum betreibt. Der Abstrich wurde umgehend ausgewertet, sodass nach 15 Minuten das Ergebnis vorlag. Der positive Befund: Alle negativ! Zur Freude von Kuriat, geborener Braunschweiger mit Wohnsitz in Utting. Er hat in Leipzig bis zum zweiten Staatsexamen Medizin studiert und wechselte dann in den Unternehmensbereich. Jetzt in der Corona-Pandemie konnte er dem schnecken-schnellen Handeln von Bund und Ländern nicht länger zusehen und gründete ein privates Testzentrum.

Bereits in der Februar-Sitzung des Gemeinderats hatte Helmut Schiller (SPD) für eine Anti-Corona-Initiative geworben und stichhaltige Argumente des Biologen Dr. Wolfram Riedel vorgetragen. Dem erkennbaren Scheitern vieler Maßnahmen und dem politischen Versagen müsse man auf kommunaler Ebene entgegentreten. Ziel sei es, Infektionen und Infektionsherde möglichst rasch zu erkennen und die Infektionsketten sofort zu unterbrechen. Im Hinblick auf erste Lockerungen in Verbindung mit steigenden Inzidenzzahlen sei ein sofortiges Hochfahren von Testungen dringend erforderlich.

Testen in der Kirche

Zu Sondierungsgesprächen für ein eigenes Uttinger Testzentrum hatten sich vor der aktuellen Sitzung Dr. Wolfram Riedel und Helmut Schiller mit den Gemeinderatskollegen Dr. Nikolaus Högenauer und Jakob Kettler (beide GAL) getroffen, nachdem sie schon diverse Mitstreiter für die Idee gewinnen konnten. So sehen die Ammersee-Apotheke und die Apotheke am Dorfbrunnen die Einrichtung eines Testzentrums positiv, da sie aktuell wegen fehlenden Räumlichkeiten eigene Tests nicht durchführen können.

Dafür springt die Evangelische Kirche ein und stellt ihre Räume mit getrennten Ein- und Ausgängen kostenfrei zur Verfügung. Da PCR-Tests nur von Ärzten durchgeführt und ausgewertet werden dürfen, stehen Dr. Albert Joas mit seinem Praxisteam und weitere Kollegen zur Verfügung.

Das Testzentrum wird je nach Inanspruchnahme an zwei bis drei Wochentagen für mehrere Stunden besetzt sein. Eine Anmeldung sei nur für PCR- und Schnelltests mit Befundung notwendig. Die begleitenden Maßnahmen wie Registrierung et cetera sollen ehrenamtlich ausgeführt werden. Selbstredend werden alle erforderlichen Hygienemaßnahmen eingehalten. Positive Ergebnisse der Schnelltests erfordern einen zusätzlichen PCR-Test und eine Meldung an das Gesundheitsamt.

Die Kosten für die Tests mit Befundung werden zum Teil von den Kassen übernommen, ansonsten müssen sie selbst bezahlt werden. Hier würde bei Bedarf auch die Gemeinde mit dem zugesagten Monatsetat von maximal 3.000 Euro einspringen.

Die Vorteile für das Uttinger Testzentrum mit der Aussicht auf Rückkehr zur Normalität liegen auf der Hand: zum Beispiel kurze Wege mit entsprechender Zeitersparnis und Herabsetzung der Hemmschelle, sich testen zu lassen. Schnelle Ergebnisse würden Besuche in Altersheimen oder beim Friseur kurzfristig möglich machen. Ortsansässige Firmen könnten hier ihr Personal regelmäßig testen lassen. Wichtig auch für den Personenkreis mit körpernahen Dienstleistungen wie Friseure, Pflegekräfte oder Physiotherapeuten.

Nach der Zustimmung des Gemeinderates wird jetzt unmittelbar die Umsetzung angegangen mit detaillierter Abstimmung aller Regularien. Mitinitiator Helmut Schiller: „Wir müssen die Einrichtung schnellstmöglich in Betrieb nehmen. Jeder Tag zählt aufgrund der wieder ansteigenden Infektionszahlen und der bereits aufgetretenen und noch zu erwartenden Mutationen des Corona-Virus.“ Uneigennützig ergänzt Schiller, dass man auch den Nachbarkommunen anbiete, vom Uttinger Testzentrum Gebrauch zu machen.
Dieter Roettig

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