Die Not in der Kurzzeitpflege

Landrat Eichinger sieht Kommunen gefordert

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Auch in Vilgertshofen sind Pflegeplätze Mangelware. Eine Erweiterung des Heims steht vielleicht in Aussicht.

Landkreis – Die Kurzzeitpflege bleibt Thema. Besser gesagt: der Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen. Zwar gäbe es eine Förderung vom Freistaat. Die ist jedoch nicht ausreichend, verbietet aber eine gleichzeitige Parallelförderung durch den Landkreis. Wobei Landrat Thomas Eichinger (CSU) die Aufgabe als eine „gesamtgesellschaftliche“ sieht: „Der Landkreis kann einen Beitrag leisten, er kann es aber nicht alleine stemmen.“ Auch die Kommunen seien gefragt – worin ihm Pajam Rais-Parsi, Koordinator des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts des Landkreises, zustimmte.

Rais-Parsi hatte über den Stand der Dinge in Sachen Pflegeplätze im Landkreis bereits in anderen Gremien referiert (der KREISBOTE berichtete). Bei der Vorstellung im Kreistag am Dienstag stand die Problematik der Kurzzeitpflege im Mittelpunkt: Laut Rais-Parsi steigt der Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen bis 2030 von momentan 24 vorhandenen auf 65. Zudem gebe es bereits jetzt zu wenig Plätze.

„Die Kurzzeitpflege müsste von den Kassen besser gefördert werden“, betonte Andreas Graf, Leiter der Abteilung Gemeinden, Kreisentwicklung und Kreisseniorenheime. Zwar gebe es ein Förderprogramm des Freistaates. Der zahle 100 Euro pro Tag für jeden nicht belegten Kurzzeitpflegeplatz, maximal 10.000 Euro pro Jahr. Die Kosten für einen solchen Platz lägen jedoch weitaus höher, sodass kein Pflegeanbieter die staatliche Förderung in Anspruch nehmen wolle beziehungsweise könne. Zwar sei der Landkreis durchaus gewillt, finanziell zu unterstützen. „Aber das staatliche Förderprogramm lässt keine Parallelförderung zu.“

Der Landkreis unterhalte bereits zwei Kreisseniorenheime, betonte Eichinger. Ebenso bereits zwei Pflegeschulen – die im Klinikum Landsberg und die der Heimerer Schulen –, so Eichinger auf eine Äußerung Peter Nolls (GAL) hin, der weitere Pflegeschulen samt entsprechendem Wohnraum im Landkreis forderte. Zudem sei angedacht, die Pflegeschule des Klinikums zu erweitern (der KREISBOTE berichtete). Aber auch das Klinikum könne wegen der bestehenden Ausbildungsplatzanzahl nur begrenzt ausbilden. So berichtet auch Klinikumschef Marco Woedl von weitaus mehr Bewerbern als Plätzen. Deshalb, so Eichinger, „sind wir auf Fachzuwanderung angewiesen. Aber dafür ist der Gesetzgeber zuständig.“

Hannelore Baur (SPD) erkundigte sich, ob es bezüglich einer möglichen Erweiterung des Kreisseniorenheims in Vilgertshofen Fortschritte gebe. Der Landkreis hatte hier bei der Diözese Augsburg angefragt, ob eine Nutzung des ehemaligen Pilgerheims, das direkt ans das Seniorenheim angrenzt und im Moment leersteht, möglich wäre. Das Pilgerheim befindet sich in einem Gebäudekomplex, den die Pfarrgemeinde nutze, so Graf. Im Moment stehe der Landkreis in Verhandlung mit der Diözese. Die habe eine grundsätzliche Verkaufsbereitschaft geäußert: „Derzeit wird von Seiten der Diözese eine Planung für eine mögliche Räumliche Trennung und ein Brandschutzkonzept erstellt, die dann Grundlage für einen Verkauf wäre.“ Er habe die Hoffnung, dass die Verhandlungen noch dieses Jahr Erfolg hätten, betonte Graf.

Eine Erweiterung des Seniorenheims sei ohnehin notwendig, äußerte Albert Thurner (SPD). Denn auch die Dauerpflege gerate inzwischen an ihre Grenzen. Zudem gehe der Trend hin zum Einbettzimmer – was zu noch weniger Plätzen führe. Jeder dort eingerichtete Kurzzeitpflegeplatz gehe somit zu Lasten der Dauerpflege.

Erich Püttner (UBV) sieht eine Lösung eher auf Gemeindeebene: Um eine qualitativ gute Pflege zu gewährleisten, reichten die regulären Pflegesätze nicht. Zuwendungen seien nötig. Zudem solle man die Nachbarschaftshilfe aktivieren, „die Sorge und das Kümmern umeinander“. So sei mit ein oder zwei Personalstellen weitaus mehr geholfen als mit einem neuen Pflegeheim.

Norbert Kreuzer (CSU) sieht auch die Kommunen in der Pflicht: Die ambulante Pflege sei nicht mehr ausbaubar, auch weil es immer mehr Demenzfälle gebe (Rais-Parsdi rechnet für 2030 mit 5.000 im Vergleich zu jetzt 2.500) und die familiären Verhältnisse eine häusliche Pflege oft unmöglich machten. Man benötige eigenständige Unternehmen und müsse diese fördern, auch wenn sie defizitär seien. „Dann müssen wir eben woanders sparen.“ Er sehe hier vor allem eine Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsunternehmen.

Margarita Däubler (SPD) fragte Eichinger, wo er den Handlungsbedarf bei den Kommunen ansetze. Gemeinden sollten Flächen für mögliche Institutionen ausweisen, antwortete Eichinger, „auch für kleinere Unternehmen“. So sei im Fuchstal bereits ein Investor im Gespräch, der eine Pflegeinstitution anbieten wolle. Ebenso habe er bereits mit Woedl wegen einer geriatrischen Nachversorgung gesprochen. Denn viele Kurzzeitpflegeplätze würden benötigt, da sich ältere Patienten nach einem kurzen Klinikaufenthalt in der Zeit danach nicht versorgen könnten – und deshalb Kurzzeitpflege beanspruchten. Man sei noch in „laufenden Planungen“, sagt Woedl dazu. Konkretes gebe es noch nicht.

Renate Standfest (GAL) sprach sich wegen des drängenden Bedarfs – „Trotz Vereine wie ‚Füreinander‘ oder dem Bürgertreff ‚17 und Wir‘: Es reicht nicht!“ – für ein Handeln des Landkreises aus: Man solle die staatliche Förderung in Anspruch nehmen, auch wenn sie nicht ausreiche: „Nehmen wir das Defizit hin. Aber es wäre immerhin ein Anfang.“ Zudem regte sie „kreative Pilotprojekte“ wie beispielsweise das Modell der Demenz-WG an.

Alex Dorow (CSU) setzt auf die Politik: „Das Verbot der Parallelfinanzierung muss weg, das bindet dem Kreis die Hände.“ Zudem gebe es Interessenten, die Tagespflege anbieten wollten, jedoch auch im weiteren Umkreis keinen bezahlbaren Wohnraum fänden.

Susanne Greiner

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