Shaffers "Komödie im Dunkeln"

Nix zu lachen: LTT zeigt lauwarme Komödie im Stadttheater Landsberg

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Rolf Kindermann als Colonel Melkett (links) mit Gilbert Mieroph als möbelspendender Nachbar Harold Gorringe.

Landsberg – Ist Altherrenhumor witzig? Nun ja, vielleicht für alte Herren. Manch eine Komödie aus den 60ern bedient sich dieser pseudoerregenden Frivolitäten wie dem lasterhaften Playboyheftchen unterm Bett. Auch Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln“ ist da ganz groß. Um so ein Stück heute zu spielen, müsste man rausstreichen, neu ordnen. Etwas, das das Landestheater Tübingen leider nicht ausreichend tut. Vielleicht auch, weil eine zu gestrenge Agentur jegliche Modernisierung untersagt.

Denn das Gerüst ist eigentlich gar nicht schlecht: Eine Künstlerwohnung, in der wegen eines alten Plattenspielers der Strom ausfällt. Dumm nur, dass gerade an diesem Abend der Mäzen die Arbeiten sichten will. Um jenen Mäzen zu beeindrucken, hat der Künstler gar die edlen Möbel seines verreisten Nachbarn geklaut. Doch als der unvorhergesehender Dinge zurückkommt, ist dem Möbelklauer die Dunkelheit eigentlich ganz recht. Dazu kommt der Regieeinfall Shaffers, die Lichtverhältnisse umzudrehen: Ist es eigentlich dunkel, gleißt das Bühnenlicht. Macht jemand ein Feuerzeug an, geht das Bühnenlicht aus.

Der Zuschauer darf also den Rüpeleien, Verwechslungen, Stolper- und Tatschattacken der Protagonisten zusehen –und all jenen Dingen, die Menschen nur dann tun, wenn sie sich ungesehen wissen. Was könnte man da Herrliches draus machen! Shaffer setzte aber auf verklemmten Sex samt abgedroschener Schwulenwitzchen. Andere Zeiten, anderer Humor.

Das LTT-Ensemble und Regisseur Jan Jochymski bemühen sich, dem Ganzen doch noch Lacher abzufordern. Schön die Szene, in der sich Florenze Schüssler alias Künstlergeliebte im Telefonkabel verheddert (ja, damals gab es das noch, also das Kabel). Schön auch die Idee, dass der Künstler in der Tarnung der Dunkelheit versucht, unter den Augen seines Nachbars dessen Möbel wieder zurückzutransportieren. Wirklich schön ist die Rolle des Technikers (Andreas Guglielmetti), der in der Tübinger Inszenierung sämtliche Slapstick-Akrobatereien à la Stummfilm mit Comic-Geräuschen begleiten darf.

Der Rest bliebe lieber ungesehen. Was nicht an der Leistung der Schauspieler, sondern am Stück selbst liegt. Shaffer hatte die Farce aus Not 1965 für das Londoner National Theatre geschrieben. Und schrieb selbst: „Der Grundeinfall war zwar komisch, schien aber nur für einen Revuesketch auszureichen.“ Exakt: Die Idee trägt nicht durch rund eineinhalb Stunden. Zumindest nicht mehr. Der anfänglich gute Wille des Zuschauers verwandelt sich in Langeweile. Und teilweise peinliche Berührtheit ob der platten Witze. Da helfen auch Möbeltransporte im Dunklen nicht mehr.

Bleibt nur zu fragen, warum sich das LTT für Shaffers Farce entschieden hat. Mit dem Wissen, dass die englische Agentur und damit auch der deutsche Rechteinhaber keine Änderungen zulassen. Es hätte doch so viele gute Alternativen gegeben. Und man hätte doch so gerne gelacht! So gab‘s nur Höflichkeitsapplaus.
Susanne Greiner

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