Die Lage verschärft sich

Das Handwerk soll stolz auf seine Leistungen sein, soll sich lauter und einhelliger zu Wort melden, soll mit einer entsprechenden Lobby politische Forderungen umsetzen. Derart klare Worte fand Kreishandwerksmeister Ernst Höss in der vergangenen Woche bei der Mitgliederhauptversammlung der Kreishandwerkerschaft im Gasthof „Zur Brücke“ in Kaufering. „Sagt mir, was euch stinkt“, forderte Höss die anwesenden Obermeister auf. Man dürfe nicht nur „am Stammtisch schimpfen“, sondern müsse seine Wünsche nach außen tragen.

Das Handwerk habe mit zu­neh­mend schweren Rahmen­be­dingungen zu kämpfen, wäh­rend andere Branchen von Lobbypolitik profitieren, so der Kreishandwerksmeister. Schon lange werde ein reduzierter Mehrwertsteuersatz für Handwerksleistungen gefordert, bekommen hat ihn stattdessen die Hotelbranche. Höss forderte weiterhin ein schärferes Vorgehen gegen Schwarzarbeit und sprach sich entschieden gegen gewerk­übergreifende Leistungen aus, die leicht zu teuren Reparaturen führen können. Darüber hinaus beobachtet er mit Sorge, dass die Handwerksbetriebe immer kleiner werden. „Die Struktur verfällt.“ Auch die Bildungspolitik unterstütze das Handwerk nicht. „Die Mittelschule ist alter Wein in neuen Schläuchen, sie wird uns nichts bringen“, sagte Höss voraus. Dabei verlange das Handwerk von einem Bewerber nur, dass er rechnen, schreiben und lesen könne und belastbar sei. Friseurobermeister Karlheinz Dittler sorgt sich außerdem um die Zukunft der Landsberger Berufsschule. „Nur noch die Fachoberschule ist wichtig. Die Berufsschule wird langsam abgebaut.“ Einzelne Ausbildungszweige drohen zu verschwinden, wenn nicht genügend Schüler zur Bildung einer Klasse zusammenkommen. Höss forderte die Mitglieder der Kreishandwerkerschaft zum Engagement in der Kommunalpolitik auf, „auch wenn uns eigentlich die Energie fehlt, weil in den Betrieben zu viele Aufgaben und Probleme existieren“. Dennoch müsse in Gemeinden, Stadt und Land jeder mitarbeiten, um zum Beispiel zu erreichen, dass kommunale Auf­träge an regionale Betriebe vergeben werden. Keine Zusatzbeiträge Mit Sorge betrachtet Höss die Entwicklung bei den Krankenkassen. Zusatzbeiträge würden sich nicht vermeiden lassen, liefen aber Gefahr, durch den damit verbundenen Verwaltungsaufwand gleich wieder aufge­- fressen zu werden. Ehrlicher wäre eine Beitragserhöhung, so Höss, allerdings müssten die Beiträge bezahlbar bleiben. „Bei den Krankenkassen ist Sparen angesagt, zum Beispiel bei der Werbung.“

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