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Shakespeare zum Vergnügen

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Von: Susanne Greiner

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Wie es euch gefällt Memmingen in Landsberg
Klaus Philipp (rechts) in seiner Rolle als Schäfer Corin mit tiefstem Allgäuerisch und sein Kollege, der hoffnungslos in Phoebe verliebte Silvius (Michael Naroditski, Mitte), werden vom Narr Zündstein (Tom C. Büning, links) beobachtet. Im Hintergrund Almut Kohnle als Rosalind/Ganymed. © Greiner

Landsberg – Ein Schäferspiel, das sind Prosa, lyrische Musik und kunstvolle Verse. Vor allem Letztere kommen bei Shakespeares „Wie es euch gefällt“ zum Tragen. Wortspiele mit derb-erotischen, ulkigen oder auch politischen Konnotationen schenken der Komödie Lacher, aber auch Tiefe. Wenn man die denn will. Das Landestheater Schwaben setzt in seiner Inszenierung auf die Lacher. Dabei geht einiges verloren. Aber dennoch verschaffte das junge Ensemble dem Publikum im ausverkauften Stadttheater einen ungemein unterhaltsamen und kurzweiligen Theaterabend. 

Die Handlung ... vielleicht nur kurz, wirklich wichtig ist sie nicht: Ein Herzog verbannt seinen Bruder und dessen Angehörige sowie Sympathisanten in den Wald von Arden, wo sich diverse Personen kreuz und quer ineinander verlieben, ohne zu wissen, wer der andere ist. Vor allem Rosalind (Almut Kohnle) und ihre Freundin Celia (Milena Weber) geraten ins Identitäts-Wirrwarr, tarnen sie sich doch als Ganymed (Rosalind) und als schüchterne Aliena (Celia). Wenn der von Rosalind geliebte Orlando Ganymed – in diesem Moment für Orlando eine Art ‚Pappfigur für Rosalind‘ – seine Liebe gesteht, fragt Ganymed – in diesem Moment wieder Rosalind – zurecht: „Zu wem sagst du das?“ Denn wen liebt Orlando nun wirklich: die Rosalind seiner Vorstellung, Ganymed oder die ‚echte‘ Rosalind dahinter?

Regisseurin Johanna Schall, eine Brecht-Enkelin, verschärft das Wirrrwarr durch Doppelbesetzungen. Bis auf Rosalind haben alle acht Schauspielenden mindestens eine weitere Rolle. Und wenn beim Schlussbild die acht zwischen ihren Rollen springen, muss das eben auf offener Bühne geschehen: Sebastian Egger als Orlando bindet sich die Audrey-Schürze um und stülpt den Gartenhut über, Thorsten Hamer wird vom Mitspieler korrigiert, weil er den Oliver-Hut aufhat, aber eigentlich gerade den Jaques spricht. Und wenn Klaus Philipp zwischen seinen vier Rollen springt, steht schonmal nur ein Hut für die Figur. Ein Freudenfest für den Zuschauer. Und eine gelungener Trick, um Shakespeares Ebenen-Spiel, begleitet von Musiker Elias Weber, noch deutlicher zu machen.

Wortfeuerwerk

Was in Schalls Inszenierung ein wenig untergeht, ist der Text. Der ist dank grandioser Wortspiele rein akustisch ein Genuss, beinhaltet aber auch einige nicht ganz so komische Themen. Da geht es um Macht, um Brutalität, um Staat und Volk. In Schalls Inszenierung fällt das unter den Tisch: Ein wenig gekürzter Text füllt den ohnehin schon üppigen zweieinhalbstündigen Theaterabend bis an die Kante. Worte, die das absolut überzeugende und erfreulich junge Ensemble im Schnellfeuerwerk von sich gibt – so schnell, dass man den Sinn erst versteht, wenn schon drei Anschlusssätze gefallen sind. Textlich am Ball bleiben ist aber schwierig: Die stark karikierten Nebenrollen – Corin spricht tiefstes Allgäuerisch, Phoebe lispelt und Silvius schwelgt schmachtend übertrieben – zwingen einen nahezu zum Lachen. Weniger Ulk hätte mehr Inhalt gegeben. Aber:

Was auf die Bühne kommt, ist nicht wenig: ein Ensemble, dass erst seit September zusammenspielt, aber bereits wunderbar harmoniert und ungemein textsicher ist. Ein Bühnenbild (Nicolaus-Johannes Heyse), das optisch durch einen futuristischen Metallbaum punktet, an den Orlando seine bunten Poesie-Post-its hängen kann und das mit einem weißen Vorhang vor dem magischen Arden-Wald problemlos zwei Spielorte, Stimmungen – oder eben Welten – ohne Umbau möglich macht. Kostüme (Jenny Schall) in ruhigem Grau für das ‚ernste‘ Personal , kontrastiert von schrillem Bunt für die hier gleich zuhauf auftretenden Narren. Und zweieinhalb Stunden, die wie im Flug vergehen.

Am Ende des Stückes empfiehlt Rosalind: „Nehmt soviel aus diesem Spiel, soviel es euch gefällt.“ Kein Problem fürs Publikum, bei dieser – positiv gemeint – gefällig inszenierten Shakespeare-Komödie.

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