"Die Tür ist zu"

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Warten vor der Tür auf ein kleines Wunder: Uwe Fischer, Marion Bordat, im Hintergrund die „Tür“ Valerie Oberhof.

Landsberg - „They don’t give a shit about you“ ist auf dem Shirt der „Tür“ zu lesen. Doch genau das einzusehen fällt Anneliz schwer und so versucht sie, mit allen Tricks, eine geschlossene Tür zu öffnen – in der Inszenierung von Ingrid Lausunds Tragikomödie „Tür auf, Tür zu“.

Da die Adaption des Hauffschen Märchens "Endlich Eiszeit" wegen Krankheit des Protagonisten ausfallen musste, war Theaterleiter Florian Werner froh, dem Publikum einen kurzfristigen Ersatz des Landestheaters Tübingen bieten zu können, ein Stück der Erfolgsregisseurin Ingrid Lausund, deren „Benefiz- Jeder rettet einen Afrikaner“ ebenfalls schon im Stadttheater zu sehen war. Und Eiszeit herrscht ebenfalls auf der Bühne, jedenfalls für die Hauptfigur Anneliz (Marion Bordat). 

Einmal schnell hinausgegangen, eine kleine Pause vom anstrengenden Smalltalk, schon bleibt die Tür (zur Party, zum beruflichen Erfolg, zu den Schönen und Reichen) zu – jedenfalls für sie. Eine bunte Menge strömt hindurch, erzählt vom Ein-Mann-Chor (Uwe Fischer), nur ihr ist die Tür verschlossen. Und so entwickelt sich, streng nach der klassisch-antiken Form des fünfaktigen Dramas, eine psychologische Wandlung, inclusive Hybris, Fall der Heldin und Deus-ex-machina. Erst der feste Glauben an ein Missverständnis („Ich bin viel zu wichtig, die brauchen mich!“), dann das Grübeln über eventuelle Intrigen („Das waren die Flach-Dings und der Über-Dings“), dann Verzweiflung. 

Die Tür ist zu, es hilft keine Bestechung, keine Verführung, keine Gewalt. Immer kommentiert und geleitet vom Chor, der den Job nur aushilfsweise übernommen hat und es eilig hat, zu seinem Zweit-Job im Call-Center zu kommen und die Schauspieler immer wieder antreibt. Denn auch das gehört dazu, das Fallen aus der Rolle, der Einbau von Verfremdungen und dem Verknüpfen verschiedener Erzählebenen. 

Die wahre Macht liegt bei der Tür, einer scheinbar netten, unverbindlichen Tür (Valerie Oberhof), die aber, knallhart, die Welt in Gewinner und Verlierer trennt. Eine schwere Aufgabe, eine komplexe Rolle darzustellen, wenn sich der Text nur auf die Worte „Die Tür ist auf, die Tür ist zu“ beschränkt, aber Oberhof ist äußerst präsent, quasi der Rhythmusgeber der Inszenierung, in der die drei Schauspieler bravourös agieren. Ein Puzzle von Klischees, die gekonnt und mit viel Komik eingesetzt, ein beklemmendes Bild zeichnen von Arbeit, Angst, Leistungsdruck, vom Leben „draußen vor der Tür“.

Patricia Eckstein

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