Totschlag und Störung der Totenruhe

29-jähriger Landsberger zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

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Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Henner Garth vor der Urteilsverkündung im Landgericht Göttingen

Landsberg/Göttingen – Knapp zehn Monate nach dem Auffinden einer Leiche in Katlenburg-Lindau hat das Landgericht Göttingen am Mittwoch einen 29-jährigen Mann aus Landsberg am Lech zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.

Der 29-Jährige hatte gestanden, im Dezember 2017 an seinem damaligen Wohnort Lindau einen 37-jährigen Hausnachbarn im Verlaufe eines Streits mit einer Schnur erdrosselt zu haben. Später habe er die Leiche zerteilt und in der Nähe des Wohnhauses in der Feldmark vergraben. Der Angeklagte habe sich damit des Totschlags und der Störung der Totenruhe schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Das Gericht ordnete zudem die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, da der 29-Jährige aufgrund einer bislang unbehandelten kombinierten Persönlichkeitsstörung eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine neunjährige Gesamtfreiheitsstrafe plädiert hatte. Die Verteidigung hatte die Tat dagegen als Körperverletzung mit Todesfolge eingestuft und eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren beantragt.

In seiner Urteilsbegründung verwies der Vorsitzende Richter auf die Besonderheit des Falles: „Ohne Ihr Geständnis würden wir hier nicht sitzen“, sagte er. Das Tötungsdelikt war monatelang unentdeckt geblieben und erst durch den Angeklagten selbst als Licht gekommen. Der 29-Jährige hatte im August in seinem Heimatort Landsberg einen Suizidversuch unternommen und anschließend in einer psychiatrischen Fachklinik die Tat gebeichtet. Bis zu dem Zeitpunkt hatte es keine Hinweise darauf gegeben, wo sein einstiger Wohnungsnachbar geblieben war.

Die Staatsanwaltschaft war zunächst davon ausgegangen, dass die Tat einen okkultistischen Hintergrund hatte, und hatte den 29-Jährigen wegen Mordes angeklagt. Am Ende der umfangreichen Beweisaufnahme war sie davon abgerückt. Auch das Gericht sah keine belastbaren Hinweise darauf, dass es sich um einen Ritualmord oder ähnliches gehandelt hatte. Der Angeklagte habe sich zwar bereits frühzeitig für Esoterik und Okkultes interessiert und sei so auch in Kontakt zu einer Vereinigung namens Deutscher Hüterorden (DHO) gekommen, die der damalige Besitzer des Wohnhauses in Lindau initiiert hatte. Dieser habe es geschafft, Personen aus ganz Deutschland als Mieter zu gewinnen, sagte der Richter.

Bei den Treffen der Hausbewohner sei es zum Teil um den DHO gegangen, zum Teil aber auch nur um Alkohol. So auch am mutmaßlichen Tatabend: Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Angeklagte gemeinsam mit dem 37-Jährigen, der nichts mit dem DHO zu tun hatte, in dessen Wohnung Alkohol getrunken. Als im Laufe des Abends ihre Diskussion immer hitziger wurde und eskalierte, habe der 29-Jährige seinem auf dem Bett liegenden Nachbarn mindestens zweimal mit der Faust auf das rechte Auge geschlagen. Der aufgrund seiner langjährigen Alkohol- und Drogensucht schwer gezeichnete 37-Jährige habe daraufhin nicht aufgehört zu schreien. Daraufhin habe der Angeklagte eine Schnur genommen, ihm diese um den Hals gelegt und drei Minuten lang so fest zugezogen, dass die Schnur ihm in den Finger geschnitten habe.

Nach Ansicht des Gerichts war der Angeklagte zum Tatzeitpunkt in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen. Der 29-Jährige sei „von Wut und Aggression förmlich überrollt worden“, sagte Richter Jakubetz. Dabei habe er mit mindestens bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt. Am nächsten Tag sei er mit einem Ersatzschlüssel in die Wohnung zurückgekommen, habe sich aus der Küche des 37-Jährigen ein großes Fleischermesser genommen und damit den Leichnam zerlegt. Später habe er gemeinsam mit einem anderen Wohnungsnachbarn die Leichenteile vergraben.

Der Vorsitzende Richter verwies darauf, dass der 29-Jährige mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraft sei und in bestimmten Situationen „überschießend aggressiv“ reagiere. Deshalb müsse er in der Psychiatrie untergebracht werden. „Sie sind zwar kein Monster, Sie sind aber trotzdem gefährlich“, sagte Jakubetz. „Wenn Sie nicht behandelt werden, droht so etwas noch mal.“

pid/Heidi Niemann

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