Verkauft die Stadt jetzt doch?

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Grundsätzlich besteht von Seiten des Landkreises Interesse daran, die Lechsporthalle zu erwerben. Jetzt müsse man aber erst einmal abwarten, wie die Stadt sich dazu positioniert, so Landrat Eichinger.

Landsberg – Wechselt die Lechsporthalle bald den Eigentümer? Bei der Beratung im Kreisausschuss wurde nun deutlich, dass durchaus Interesse am Kauf der städtischen Turnhalle und dem darum liegenden Außengelände von Seiten des Landkreises besteht. Jetzt müsse man aber erst einmal sehen, wie die Stadt sich dazu positioniert, erklärte Landrat Thomas Eichinger (CSU). In der SPD-Stadtratsfraktion regen sich jedoch mittlerweile Widerstände gegen den Verkauf.

Derzeit seien beide Hallenteile, die der Stadt gehören, sanierungsbedürftig, so Eichinger. Der dritte Hallenteil wurde vom Landkreis vor rund zehn Jahren gebaut. Im Wesentlichen sind die beiden städtischen Teile von einer „altersbedingten Abnutzung“ betroffen: Unter anderem ist der Boden der Halle teil- weise gebrochen und kein ausreichender Prallschutz vorhanden.

Das bestätigte auch Kreisrätin Gabriele Triebel (GAL): Der Sanierungsbedarf und auch die Verletzungsgefahr in den beiden Hallenteilen sei groß. Insbesondere auch der Sanitärbereich müsse dringend erneuert werden. Rund 70 Prozent der schulischen Nutzung entfallen auf das kreiseigene Ignaz-Kögler-Gymnasium, die restlichen 30 Prozent auf die Stadt. Außerdem wird die Halle auch nichtschulisch, sprich von verschiedenen Vereinen, genutzt. „Mit der Übernahme der Lechsporthalle besteht die Chance, das zur Deckung des schulsportlichen Bedarfs unzureichende Hallensportflächenangebot des Landkreises zu verbessern und damit den innerstädtischen Standort des IKG langfristig zu sichern“, so Kreiskämmerer Jürgen Felbinger. „Auf der Basis dieser Überlegungen scheint es der Landkreisverwaltung die sinnvollste Lösung zu sein, die Lechsporthalle vollständig zu übernehmen und Eigentümer der Anlage zu werden“, sagt Felbinger weiter. 

Außerdem könne der Landkreis aufgrund der schulischen Nutzung durch das IKG Fördermittel für die Sanierung erwarten. Die Stadt müsste dann bei weiterer Hallennutzung durch ihre Schulen entsprechende Nutzungsentgelte an den Landkreis bezahlen. Ein Kaufpreis für das denkmalgeschützte Gebäude liege im Moment noch nicht vor. Der Wert des Grundstückes soll nun von einem Gutachter ermittelt werden, so Landrat Thomas Eichinger. Außerdem müsse man dann eine Regelung für das Außengelände finden, das für den Breitensport genutzt werde. Auch wegen der darunter liegenden Tiefgarage müssten noch Vereinbarungen getroffen werden, genauso wie bei Wegfall der schulischen Nutzung durch das Ignaz-Kögler-Gymnasium eine Rückübertragungsklausel an die Stadt vereinbart werden müsste. 

Die Kosten für die Generalsanierung dürften bei rund 3,1 Millionen Euro liegen, so die Schätzungen. Die Stadt würde sich durch den Kauf durch den Landkreis die bereits beschlossenen Planungskosten von 230000 Euro sparen. Im Dezember hatte der Stadtrat den Verkauf der Halle noch mit 14:8 Stimmen abgelehnt. Nun werden neue Beratungen stattfinden müssen – sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag, der dann eine Grundsatzentscheidung fällt. Wenn diese für den Kauf der Halle entscheidet, wird dann ein Gutachter mit dem Auftrag betraut werden. 

Über den Erwerb und die Mittelbereitung für die Sanierung soll schließlich im Rahmen der Haushaltsberatungen 2015 im Herbst endgültig entschieden werden. Aus dem Gremium kam außerdem mehrfach der Vorschlag, das Gebäude vor einem endgültigen Beschluss erst einmal zu besichtigen, um sich einen besseren Eindruck vom Zustand der sanierungsbedürftigen Sporthalle an der Lechstraße machen zu können.

Erst noch die Fakten klären

Eine Entscheidung über den Verkauf der Lechturnhalle befindet die SPD-Fraktion im Stadtrat „auf Grund unzureichender Informationslage“ derzeit für nicht möglich, so heißt es in dem Antrag auf Vertagung des Tagesordnungspunktes der heutigen Ratssitzung. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Felix Bredschneijder möchte mit dem Antrag erreichen, dass „noch nachgearbeitet“ wird und der Grundsatzbeschluss über den Verkauf dann auf „vollständiger Faktengrundlage“ gefällt werden kann. 

Im Dezember hatte der Stadtrat sich gegen einen Verkauf der Halle entschieden. Außerdem sei die Verwaltung damit beauftragt worden, Verhandlungen mit dem Kreis über eine Kostenbeteiligung an der notwendigen Sanierung zu führen. Die Gründe für den Antrag auf Vertagung umfassen im Wesentlichen fünf Punkte. Der Markt Kaufering befinde sich derzeit mit seiner Dreifachturnhalle in nahezu der gleichen Situation wie die Stadt Landsberg. Hier wird momentan über Landkreis-Zuschüsse in Höhe von bis zu 3,5 Millionen Euro diskutiert. 

Offenbar würden bei dieser Lösung ebenfalls Fördergelder ausgeschüttet werden wie bei Eigentümerstellung des Kreises. „Eine solche Lösung, die dem ursprünglichen Ratsbeschluss entspräche, wurde bislang nicht vorgestellt“, heißt es in dem Antrag. Diese Informationen seien aber für eine Entscheidung von großer Be- deutung. Zudem wäre die „Kauferinger Lösung“ auch im Rahmen des bisherigen Stadtratsbeschlusses, so Bredschneijder. 

Filetstück behalten? 

Die SPD befürchtet außerdem, dass die Stadt „angesichts des Denkmalschutzes und des hochgerechneten Sanierungsaufwandes“ keinen Kaufpreis für die Halle zu erwarten habe. Auch der Finanzierung steht die SPD skeptisch gegenüber: Mit einem Verkauf sei es wahrscheinlich, dass die laufenden Kosten höher werden. „Es ist unklar, wie viel die Stadt an den Kreis für die Nutzung wird bezahlen müssen.“ Über die genaue Höhe der Sanierungskosten und den Anteil der Stadt bestehe außerdem Unklarheit. „Die Veräußerung eines Filetstückes im Herzen Landsbergs benötigt genaueste Betrachtung“, so Bredschneijder. Vor einem Entschluss soll deshalb nachgearbeitet werden.

Astrid Erhard

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