Ein Sohn des Landkreises

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Die Bürgermeister der beiden „Lechhansl“-Gemeinden Erwin Karg und Dr. Albert Thurner freuten sich ebenso über eine Spende der Sparkasse, die Vorstand Roland Böck überreichte, wie Franziska Welz vom Arbeitskreis und Landrat Thomas Eichinger (v. links).

Landkreis – Trunkenbold und Lebemann ohne Ausbildung – ein solches Bild zeichnete Heimatdichter Peter Dörfler in seinem Werk „Die Wesso­brunner“ 1941 von Johann Baptist Baader. Das richtigzustellen hat sich der Arbeitskreis Kultur Seestall, die Kreisheimatpflege Landsberg und der Historische Verein Landsberg zur Aufgabe gemacht. Unter anderem soll dies durch viele verschiedene Veranstaltungen gelingen, die dieses Jahr zu Ehren des 300. Geburtstags des „Lechhansl“ stattfinden. Unter dem Motto „Johann Baptist Baader – Wiederentdeckung eines Künstlers“ geht es bereits am Sonntag, 22. Januar, los.

„Er war nicht der First-Class-Schüler“, sagt Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem über Baader. Jedoch hat er durchaus eine Ausbildung bei dem katholischen Direktor der Augsburger Kunstakademie Johann Georg Bergmüller genossen. Das Gerücht vom Trunkenbold, das sich seit der Darstellung Dörflers hartnäckig hält, will auch Dr. Albert Thurner aus dem Weg räumen: „Baader hat 20 Decken in 20 Jahren gemalt – das schafft ein Lebemann oder Trunkenbold nicht.“

Johann Baptist Baader wird 1717 als Müllerssohn in Lechmühlen geboren. Nach seiner Ausbildung bei Bergmüller hat er seine ersten Werke vor allem in der unmittelbaren Umgebung seiner Heimat geschaffen: Leeder, Seestall und Osterzell. Dann aber hat Baader offenbar eine Reise nach Italien unternommen, die seither seinen Stil beeinflusste, wie Weißhaar-Kiem erläutert. Vor allem für Klöster in der Region erhielt der „Lechhansl“ dann immer mehr Aufträge: Neben Landsberg und Augsburg finden sich seine Werke auch in Andechs, Rottenbuch, Wessobrunn und Polling wieder. 1780 stirbt Baader in Schlehdorf, wo er gerade dabei ist, die Stiftskirche auszuschmücken.

Schon einige Jahre spukte dem Arbeitskreis Kultur Seestall der Baader im Kopf herum, so Franziska Welz. „Doch wir aus Seestall sind alles Laien.“ Deshalb suchte sich der Arbeitskreis in dem Vilgertshofener Bürgermeister Dr. Albert Thurner und Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem professionelle Mitstreiter.

Am Ende dieser Arbeiten steht ein Programm, das bereits am Sonntag, 22. Januar, mit einer Auftaktveranstaltung im Landsberger Rathaus startet. Vorgesehen sind außerdem verschiedene Exkursionen – nicht nur nach Lechmühlen oder Osterzell, sondern auch nach Wessobrunn, Polling und Beuerberg. Vorträge beschäftigen sich vor allem mit dem Werk Baaders. Eine Johann-Baptist-Baader-Rallye am Tag des offenen Denkmals sowie eine mit dem ADFC geplante Fahrradtour vervollständigen das Programm.

Doch nicht nur jubilieren wolle man, so Weißhaar-Kiem, auch Nachhaltigkeit und Erinnern sollen eine Rolle in diesem Jahr spielen. An der Kapelle in Lechmühlen wird deshalb eine Gedenktafel entstehen, die am 28. Mai mit einem Feldgottesdienst eingeweiht wird.

Denn in Lechmühlen ist Johann Baptist als ältestes von fünf Kindern 1717 zur Welt gekommen. Wo genau, das ist aber immer noch unklar. Zwei Häuser kommen als Geburtsort in Frage, erklärt Dr. Albert Thurner, der hofft, die Frage aber irgendwann eindeutig klären zu können. Lechmühlen sei damals auch „halb schwäbisch, halb oberbayerisch“ gewesen, so Vilgertshofens Bürgermeister. Hierin liegt es auch begründet, dass zwei Gemeinden – Vilgertshofen und Fuchstal – den „Lechhansl“ für sich beanspruchen.

Für Landrat Thomas Eichinger ist Johann Baptist Baader damit nicht nur der „Sohn der beiden Gemeinden“, sondern eigentlich des ganzen Landkreises. Mit den Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr werde außerdem die „Kreisheimatpflege in ihrem Innersten“ deutlich. Und Eichinger betont: Ohne die gemeinsame Arbeit von Ehrenamtlichen und Professionellen wäre das alles nicht möglich. 

Astrid Neumann

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