Trauer um Altlandrat

Landkreis Landsberg: Walter Eichner ist gestorben. Ein Nachruf

Walter Eichner am Rednerpult
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Altlandrat Walter Eichner ist gestorben. Hier am Rednerpult bei einer Veranstaltung der Stadt Landsberg.

Landkreis - Gerade eben war er doch noch so präsent. Voller Mut und Zuversicht. Voller Dankbarkeit und Zuneigung. Voller Interesse, voller Bescheidenheit. Gerade eben hatten wir doch noch sein Buch gelesen, in dem er uns an seinem Weg von der Kindheit bis heute anschaulich teilhaben lässt. Und gerade eben hatten wir uns doch noch den weisen Satz gemerkt, den er ins Vorwort seiner Biographie schrieb: „Das Leben ist schon eine schwierige Übung und doch hängen wir alle so sehr an ihm.“ Und nun ist er überraschend am Freitagmorgen im Alter von 70 Jahren im Landsberger Klinikum von uns gegangen. Der Landkreis ringt um Fassung.

Mit Walter Eichner verliert er einen Altlandrat voller Empathie. Da war zum einen die Liebe zu seiner Landsberger Heimat; sie prägte ihn sein Leben lang. Zum zweiten mochte er diejenigen, die im Landkreis, in welcher Rolle auch immer, Verantwortung übernommen hatten. Besonders das Ehrenamt und die Arbeit der Vereine würdigte und unterstützte er unentwegt. Und zum dritten hatte Eichner eine Empathie für den Konsens.

Für Eichner war der Ausgleich und die Gemeinsamkeit Programm. „Um Lösungen ringen“ statt „mit Mehrheit entscheiden“. Herrschaftswissen war ihm unwichtig; er war an starken Mandatsträgern und Umgang auf Augenhöhe interessiert. Sein damaliger Stellvertreter Peter Ditsch hat es bei Eichners Ausscheiden aus dem Landratsamt im Jahr 2014 so ausgedrückt: „Landrat Walter Eichner hat immer Wert auf das Wir gelegt – zusammen haben wir viel erreicht, das waren immer seine Worte. Er hat sich stets als eine Art Mannschaftskapitän und nicht als Einzelkämpfer gesehen. Kreistag und Verwaltung und die vielen, vielen anderen Akteure im Landkreis, das war seine Mannschaft in den vergangenen zwölf Jahren.“

Eine Lokomotive

Das geschah freilich ohne Aufgabe des Anspruchs politischer Führung: „Everybody‘s Darling is everybody‘s Depp“, pflegte er zu sagen, „sonst tanzt man Ihnen auf der Nase herum“. Ähnlich äußerte sich auch Ditsch. „Dennoch war er für mich und viele andere schon etwas mehr als der Mannschaftskapitän. Er war Landrat mit Leib und Seele, ein Landrat, den man als Zugpferd, als Leitwolf oder auch als Lokomotive bezeichnen könnte, die ständig unter Volldampf stand“. Walter Eichner war, so Ditsch, „ein Mann mit Ecken und Kanten, kernig durchaus, einer der zupacken konnte, manchmal etwas hemdsärmelig, aber immer direkt und gradlinig, mit Rückgrat eben, dennoch immer bescheiden, niemals abgehoben - und wenn es auch nur irgendwie ging immer auf der Seite der Bürger, wenn Recht und Gesetz es zuließen.“ Eichner selbst hat es einmal so formuliert: „Das Landratsamt Landsberg am Lech ist eine Genehmigungs- und keine Verhinderungsbehörde.“ Das ist ein Statement, das wir uns über dem Eingang jedes Amtsgebäudes in Stadt und Kreis wünschen würden.

„Ich persönlich habe ihn immer erlebt als Landrat mit großer Leidenschaft, mit Begeisterungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein, nicht zuletzt auch mit oberbayerischer und schwäbischer Sparsamkeit“, sagte Ditsch weiter. Dazu habe er sich, und das ohne großes öffentliches Aufsehen, immer wieder um sozial schwache, um benachteiligte Menschen gekümmert und sein gewichtiges Wort für sie eingesetzt. Ebenso wie für die Belange ehrenamtlich tätiger Landkreisbürger. Und, so Ditsch, „als geselliger Mensch, warst du auch sehr gerne und teilweise auch sehr lange bei den unzähligen Veranstaltungen in der Stadt, in allen Dörfern und Gemeinden mit dabei“. Viele erinnern sich: Eichner war auch ein routinierter und engagierter Sitzungsleiter. Wann immer ein großer Verein einen neutralen Moderator brauchte, war Eichner zur Stelle. Ob abends oder am Wochenende spielte dabei keine Rolle.

Stattliche Bilanz

Walter Eichner lässt in seinem Buch die Schwerpunkte seiner Tätigkeit selbst Revue passieren. Besonders wichtig waren ihm die Schulbauten; in Eichners Amtszeit entstanden das Ammersee-Gymnasium und die Realschule Kaufering. Der Landkreis sanierte und erweiterte das Ignaz-Köhler-Gymnasium. Er sanierte das Schulzentrum mit Dominikus-Zimmermann-Gymnasium und der Johann-Winklhofer-Realschule. Er realisierte zwei große Anbauten und die LKW-Mechatronikerhalle bei den beruflichen Schulen. Er erweiterte die Realschulen in Landsberg und in Schondorf. Er sanierte das Sonderpädagogische Förderzentrum. „Wir haben mit den Schulbauten für unsere Kinder, aber auch für die Wirtschaft, über 90 Millionen Euro investiert“. Weitere 30 Millionen Euro seien geplant, erklärte Eichner im Jahr seines Ausscheidens.

Der Straßenbau und -ausbau mit vielen Kilometern Radwegen hatten für Eichner ebenfalls Priorität. Die Ortsdurchfahrten in Weil, Kaufering, Geltendorf, Prittriching, Hurlach und Fuchstal sowie Straßen von Beuerbach nach Weil, von Rott nach Reichling, von Scheuring nach Unterbergen sowie von der Staatsstraße nach Osten an Hofstetten vorbei zum Ammersee wurden in seiner Amtszeit gebaut oder ausgebaut. Investitionen in den Pflegeheimen Greifenberg und Vilgertshofen, in den Bädern Kaufering und Thaining einschließlich des Erhalts des Warmbades in Greifenberg waren weitere Bestandteile von Eichners Politik.

„Unter seiner Leitung wurde in den vergangenen zwölf Jahren gemeinsam überaus viel geschaffen, insbesondere zur Verbesserung der Verkehrs- und Infrastruktur, Maßnahmen in den Landkreisliegenschaften und natürlich ganz besonders die immensen Investitionen im Schulbereich als das zentrale Thema der Landkreispolitik in den vergangenen Jahren“, resümierte Ditsch bei Eichners Ausscheiden aus dem Amt.

Ditsch erinnerte auch daran, dass Eichner einen großen Teil seiner Arbeitszeit dem staatlichen Landratsamt zu widmen hatte, zu dem unter anderem das Bauwesen, der Immissionsschutz, der Naturschutz, das Straßenverkehrswesen, der Verbraucherschutz sowie die Gesundheits- und Veterinärämter gehören. „Ein kompetenter und entscheidungsfreudiger Landrat war und ist auch hier tagtäglich gefragt“.

Walter Eichner verstarb in dem Krankenhaus, das man fast als „sein Klinikum“ bezeichnen kann. Dass es heute noch unabhängig ist und nun sogar über eine Diversifizierung nachdenken kann, ist Eichners Verdienst. Er rettete das Klinikum gleich zweimal vor dem Verlust der Eigenständigkeit, zum ersten Mal als Verwaltungsleiter im Dienst der Stadt, später dann als Geschäftsführer im Dienst des Landkreises. Beide Missionen waren, so Ditsch 2014, „überaus erfolgreich“.

Toleranz und Fortschritt

Diese lange und effektive Arbeit für den Landkreis und für das Klinikum veranlassten den Kreistag, ihm 2014 einstimmig den Ehrenring in Gold des Landkreises zu verleihen. Ihn erhalten der Satzung zufolge nur „Persönlichkeiten, die allgemeines Ansehen genießen und sich um den Landkreis durch langjährige und besonders hervorragende Tätigkeit auf politischem, kulturellem, sozialem oder wirtschaftlichem Gebiet besondere Verdienste erworben haben“. Der Landkreis kann insgesamt maximal fünf solcher Ehrenringe gleichzeitig vergeben. Eichner erhielt auch den Ehrentitel „Altlandrat“; beides ist keine Selbstverständlichkeit und spiegelt das besondere Ansehen wieder, das Eichner genoss.

Zum politischen Wirken Eichners gehört auch seine Mitgliedschaft im Landsberger Stadtrat (1990 bis 1996) und seine über 20-jährige Mitgliedschaft im Kreisvorstand der CSU. Ob er dort immer das erlebt hat, was er als Beitrag zu einem Kurzportrait im Jahr 2014 formulierte, darf man bezweifeln. „ Ein ehrliches, offenes Gespräch, Aufrichtigkeit, Fairness, Toleranz und Fortschritt“, hatte er in der Spalte „Was er mag“ notiert. Unter „Was er nicht mag“ trug Eichner ein, es sei die „Arroganz, sich auf dem Erreichten auszuruhen“. Ob er damit auch den Landtagsabgeordneten Thomas Goppel ermahnen wollte, sei dahingestellt. Jedenfalls kam es Ende 2013 zu einem Konflikt zwischen den beiden, die in einer „Ehrenerklärung“ zugunsten Eichners durch den Kreisvorsitzenden Alex Dorow und Landrats-Kandidat Thomas Eichinger mündete.

Für viele war Walter Eichner ein Mann, der Kompetenz und Engagement auf ideale Weise verband. Beides baute bei ihm immer wieder aufeinander auf; hörte er von einem Problem, ließ er sich zunächst über den Sachverhalt unterrichten. War er überzeugt, handelte er schnell und entschlossen. Nebenwirkung dieses Vorgehens war, dass Eichner ein Verwaltungschef war, der von seinen Mitarbeitern viel forderte. Der Fußballer, Tennisspieler und Rettungsschwimmer Walter Eichner erreichte immer wieder das Ziel - und hatte dennoch permanent den nächsten Startblock im Blick.

Vielleicht war das auch der Grund, warum er Ende 2012 ohne zu zögern seine Unterstützung zur „Initiative Guter Rat“ zusagte. Dem Verfasser dieses Nachrufs und dem KREISBOTEN ging es damals darum, Kandidaten für den Stadtrat überparteilich auf ihr Amt vorzubereiten. Insgesamt 42 Personen nahmen an der monatelangen ehrenamtlichen Schulung teil, die auch von der Bayerischen Verwaltungsschule unterstützt wurde. Ziel der Bildungsmaßnahme war, das Gefälle zwischen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren in der Kommunalpolitik zu reduzieren. Zuvor waren Mandatsträger meist auf Informationen durch die jeweilige Stadt- oder Gemeindeverwaltung angewiesen. Eichner zögerte damals nicht, Mitarbeiter zu Referaten zu entsenden, Räume zur Verfügung zu stellen und auch persönlich beim Start des Projekts teilzunehmen.

Politische Weggefährten Eichners sind sich darin einig: Dieser Landrat hat den Landkreis nicht nur in Sachen Schulen, Einrichtungen, Straßen und Gebäude modernisiert. Er führte auch eine ganz andere, viel kollegialere Zusammenarbeit ein als je zuvor. Er verstand den Landkreis stärker als exzellenten Dienstleister. Er nahm viel weniger Amtsbonus in Anspruch. Er empfand es als Auftrag, Landrat zu sein, nicht als Auszeichnung. Ob seine Partei, die CSU, die Mehrheit im Kreistag hatte oder nicht, war ihm im Grunde egal; er wollte ohnehin Konsens. Deswegen jonglierte er auch nicht mit Stellvertretern, vergab keine Pöstchen nach Nützlichkeit und bastelte nicht an Mehrheiten - Eichner war der Mann des Sachbezugs.Voller Mut und Zuversicht. Voller Dankbarkeit und Zuneigung. Voller Interesse, voller Bescheidenheit. So war Walter Eichner in seinen Ämtern in der Stadt und im Kreis. So mutig, zuversichtlich, dankbar, zugeneigt, interessiert und bescheiden ist er auch danach geblieben. Er war ein Landrat, wie er sein muss. Ein Mensch mit enormer Lebensleistung. Und ein Vorbild, vor dem man sich nun respektvoll verneigt.
Werner Lauff

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