Teststrategie an den Schulen

Bisher nur ausreichend Selbsttests für Lehrer und Erzieher in Landsberg

Corona-Schnelltest
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Schüler und Lehrer und auch Erzieher sollen sich mittels Schnelltests zweimal pro Woche selbst testen. Allerdings gibt es dafür viel zu wenige Selbsttests im Landkreis.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – Nahezu alle Apotheken im Landkreis und auch das Impfzentrum in Penzing bieten für jeden Landkreisbewohner pro Woche einen kostenlosen Schnelltest an. Und dann gibt es auch noch die Selbsttests, die unter anderen in den Schulen zum Einsatz kommen sollen. Aber wo liegt eigentlich der Unterschied?

Wer in letzter Zeit bei einer Apotheke einen Antigen-Schnelltest hat machen lassen, mag sich gewundert haben. Das teststäbchen wird nicht immer gefühlt bis ins Hirn gerammt. Oft reicht auch mehrmaliges Drehen im vorderen Nasenbereich. Genau dieses ‚leichtere‘ Verfahren wird bei den Selbsttests, auch Laientests genannt, angewandt. So soll garantiert werden, dass medizinisch nicht geschulte Personen den Test korrekt ausführen können. Die Tests der Apotheken – allein auf dem Hauptplatz sind es pro Tag rund 100 – verwenden diese Laientests auch. Denn die Technik, die hinter beiden steckt, ist oft die gleiche: Antigentests weisen bei einer Infektion bestimmte Eiweiße des Coronavirus in den Schleimhäuten der Atemwege nach. Der Antigen-Test ist dabei weniger sensitiv als ein PCR-Test, dessen Auswertung nur im Labor vorgenommen werden kann. Das bedeutet, dass eine größere Virusmenge notwendig ist, damit der Schnelltest ausschlägt. In der Ausführung muss das Sekret von der Schleimhaut abgenommen und in eine kleine Phiole zusammen mit einer Lösung getropft werden. Diese Mischung gibt man auf den Teststreifen, dessen Anzeige nach dem Prinzip eines Schwangerschaftstests mittels einem oder mehreren Streifen reagiert. Wo liegt also der Unterschied zwischen Schnell- und Selbsttest? Und warum muss der eine von geschultem Personal durchgeführt werden, während man sich mit dem anderen selbst die Nasenschleimhäute abtupfen darf?

Die gleiche Hardware: Oben die Schnelltests für Laien – mit blauem Aufkleber. Unten die für Profis.

„Die Hardware ist die gleiche“, sagt der Inhaber der Lech- und Marien­apotheke in Landsberg Marc Schmid. Allerdings unterscheiden sich die Gebrauchsanweisungen in den Packungen. Denn geschultes Personal benötige weitaus weniger konkrete Anweisungen als ein Laie. So sind in der Laien-Gebrauchsanweisung auch deutliche Bilder, wie tief das Stäbchen wo genau in die Nase und wie oft gedreht werden muss. Auch das Teststäbchen mit Watteende, das das Prinzip Wattestäbchen imitiert, ist für Laien ein bisschen anders, demonstriert der Assistent der Geschäftsführung der Lech-Apotheke Landsberg Stefan Hiller: Es ist breiter als das der Profis. Denn es muss mehr Sekret aufnehmen, da nur im vorderen Nasenbereich getupft wird. Das der Profi-Tests muss hingegen bis in den Nasenrachen. Der Hauptunterschied ist aber ein anderer: zahlreiche der Schnelltests sind noch nicht für Laien offiziell zugelassen, sagt Hiller.

Momentan haben 13 Selbsttest-Marken eine solche Sonderzulassung. Welche das sind, steht auf der Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte www.bfarm.de/DE/Medizinprodukte/Antigentests/_node.html). In einer Fußnote wird hier sogar auf die Selbsttests hingewiesen, die es auch als ‚Profi-Schnelltests‘ gibt. „Wir weisen darauf hin, dass der dort (also bei den Profis) gelistete Test eine andere Art der Probennahme beinhalten kann“, schreibt das Ministerium. Kann, muss aber nicht. Als Profi-Schnelltests können auch die Laien-Selbsttests verwendet werden. Aber in die andere Richtung wäre das doch eigentlich auch möglich? Sind keine zertifizierten Laien-Selbsttests vorhanden, könnte man die Profi-Schnelltests nehmen und – mit einem breiteren Teststäbchen samt Anleitung in schriftlicher oder personeller Form seitens der Lehrer versehen – den Schülern aushändigen.

Anstrengende Bürokratie

Das Landratsamt habe eindeutige Anweisung seitens des Bayerischen Staatsministeriums, dass die nicht als Selbsttests zugelassenen Profi-Schnelltests nicht zur Testung von Lehrern und Schülern verwendet werden dürfen, informiert Anna Diem von der Pressestelle des Landratsamtes Landsberg. Landrat Thomas Eichinger hatte auf der Kreistagssitzung von einer allgemein anstrengenden Bürokratie gesprochen und dabei beispielhaft Schnell- und Selbsttest genannt.

Momentan habe man ausreichend Laien-Selbsttests für Lehrer und Erzieher, sodass diese bis zu den Osterferien zwei Tests pro Woche machen könnten, so Diem. Mehr aber nicht. Wie viele von den Profi-Schnelltests vorhanden sind, kann Diem nicht mit einer Zahl beantworten. Aber die Anzahl sei „ausreichend, um alle, die die Tests von uns bekommen, zu beliefern“. Also beispielsweise das Klinikum oder das Testzentrum.

Ob und inwieweit Selbsttests aus Profi-Schnelltests „durch Austausch einzelner Bestandteile (z. B. Nasentupfer und/oder Gebrauchsanleitung) rechtlich zulässig ist, befindet sich derzeit in Klärung mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“, informiert allerdings das Gesundheitsministerium auf Anfrage des KREISBOTEN. Ganz unmöglich scheint es also nicht.

Eigenverantwortung gefragt

Dass der Profi-Schnelltest gegenüber dem für Laien in der Durchführung sicherer ist, leuchtet ein. Das geschulte Personal nimmt den Test unter ‚saubereren‘ Bedingungen ab und ist generell nicht so ‚fehleranfällig‘ wie ein Laie. Deshalb wird der Selbsttest nicht in gleichem Maß als Nachweis anerkannt – beispielsweise bei der Einreise aus einem Risikogebiet.

Aber vor allem: Bei einem positiven Selbsttest ist Eigenverantwortung gefragt. Denn bis zur Bestätigung durch einen PCR-Test sollte sich der Betreffende in Quarantäne. Die Meldung eines positiven Ergebnisses an das Gesundheitsamt ist bei den Profi-Tests für die ‚Test-Abnehmer‘ obligatorisch – eine ausgesprochene Meldepflicht gibt es bei einem positiven Selbsttest nicht – was auch schwer zu überprüfen wäre Und so ist es letztendlich auch nachvollziehbar, wenn sich die Lehrer, die laut Kultusministerium die Schüler beim Selbsttest anleiten und beaufsichtigen sollen, gegen diese ihnen ‚aufgebrummte‘ Verantwortung wehren.

Wäre es denn generell möglich, mobile Testteams vor die Schulen zu stellen? „Wir haben dem Gesundheitsamt Landsberg per E-Mail in Aussicht gestellt, das wir das machen könnten“, so Stefan Hiller von der Lechapotheke. Bisher habe aber noch keine Rückmeldung erhalten. Wo die Tests letztendlich durchgeführt werden, „entscheidet die jeweilige Schule in eigener Verantwortung“, informiert ein Sprecher des Bayerischen Kultusministeriums auf Anfrage des KREISBOTEN. Und bei der Einführung der Selbsttests könnten sich die Schulen Unterstützung von lokalen Hilfsorganisationen zu wenden. „Eine direkte Begleitung der Selbsttests durch die Hilfsorganisationen ist indes nicht möglich.“ Da werden die Lehrer weiter gefordert.

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