Zu wenig Impfstoff vorhanden

Landkreis Landsberg: Dringend schneller impfen

Corona-Impfung mit Händen
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Der Impfstoff von BionTech eignet sich nicht für Einzelimpfungen: In jedem Fläschchen sind laut Hersteller sechs Impfdosen enthalten. Einmal angestochen, verbietet sich der Transport.

Landkreis – „Bis jetzt haben wir circa zehn Prozent der ersten Prioriätengruppe geimpft.“ Der Leiter des Landsberger Impfzentrums am Fliegerhorst Peter Rasch ist mit der Zahl absolut unzufrieden: „Das ist desaströs.“ Es sei einfach zu wenig Impfstoff vorhanden. Alle Impfdosen, die man erhalte, verimpfe man sofort.

Momentan stünden immer noch Bewohner und Mitarbeiter von Senioren- und Pflegeeinrichtungen an erster Stelle, zudem wurde auch angefangen, Mitarbeiter des Klinikums Landsberg zu impfen. Im Heilig-Geist-Spital habe man letzte Woche 120 Personen geimpft, am Samstag im Seniorenheim Theresienbad in Greifenberg rund 150 Personen. Möglich sei das gewesen, da man am Freitag 425 Impfdosen erhalten habe. „Heute geht‘s weiter“, sagte Rasch am Montag.

Zudem seien letzte Woche zwei mobile Impfteams in kleineren Seniorenheimen unterwegs gewesen. „Insgesamt liegen wir jetzt bei rund 1.000 Impfungen“, rechnet Rasch. Gehe man davon aus, dass in der Priorisierungsgruppe 1 (Personen in Heimen über 80 Jahren sowie Klinik- und Pflegepersonal) rund 10.000 Personen geimpft werden sollten, seien das eben gerade mal zehn Prozent. Wäre mehr Impfstoff da, „könnten wir pro Woche zwischen 1.500 und 1.800 Personen impfen“, so Rasch. Nach seinem aktuellen Kenntnisstand – „und der ändert sich täglich“ – bekomme Bayern ab jetzt wöchentlich mindestens 107.000 Impfdosen, die gemäß dem Bevölkerungsschlüssel auf die Landkreise aufgeteilt würden. Für Landsberg bedeute das rechnerisch 990 Impfdosen pro Woche, „aber das wird auf die 975 Dosen pro Packeinheit hinauslaufen“. Sobald der Impfstoff geliefert werde, versorge man ihn so schnell wie möglich: „Wir horten ganz sicher keinen Impfstoff.“ Das gehe schon allein aufgrund der Empfindlichkeit des Stoffes bei der Lagerung nicht.

Geduld ist nötig

„Um bei der Hotline des Impfzentrums durchzukommen, brauchen Sie etwas Geduld“, warnt Rasch. Nehme man pro Telefonat rund fünf Minuten Dauer an, komme man auf gute drei 40-Stunden-Wochen. „Das heißt, dass unsere vier Mitarbeiter am Telefon fast eine Woche lang jeden Tag nur telefoniert haben“, rechnet Rasch. Denn fünf Minuten pro Telefonat sei niedrig gerechnet: „Manchmal dauert ein Telefonat auch eine Stunde.“

Man könne jetzt aber auch nicht so einfach fünf weitere Personen einstellen, die an den Telefonen die Termine vereinbarten, ist Rasch überzeugt. „Bis wir die haben, sind drei Wochen um.“ Man müsse da jetzt eben durch. Er erhalte aber regelmäßig Rückmeldungen, dass die meisten Anrufer nur zwei bis vier Minuten in der Warteschleife hingen.

Kritik gibt es auch über Termine, die jetzt vergeben werden – aber erst im April stattfinden können. Man müsse gemäß den verlässlich vorhandenen Impfdosen planen, gibt Rasch zu bedenken. „Sind diese bis Ende März schon verplant, dann müssen wir einen Termin im April machen.“ Man habe aber ja die Daten der impfwilligen Personen. Sollten also doch mehr Impfdosen kommen, könne man diese Personen kontaktieren und einen früheren Termin vereinbaren. „Ich beschreibe die momentane Situation immer so“, sagt Rasch: „Ich soll Menschen zum Essen einladen, weiß aber nicht, wie viele Schnitzel ich im Kühlschrank habe.“ Sie alle sollten „koordinieren und machen“, wüssten aber nicht, was zur Verfügung stehe. „Wir würden gerne mehr machen, aber niemand kann es momentan.“

Nur sechs Personen pro Fläschchen

Dass erst nur Heime versorgt werden, hat einen organisatorischen Grund: In einem der Durchstechfläschchen, in denen der Impfstoff geliefert wird, sind mindestens fünf Impfdosen enthalten – laut Biontech/Pfizer ist in den Fläschchen sogar ausreichend Impfstoff für sechs Personen. Ist der Behälter ‚angestochen‘, darf er nicht mehr transportiert werden. Deshalb müssen mindestens fünf Impfkandidaten ‚auf einem Fleck‘ vorhanden sein. „Für Einzelimpfungen warten wir auf den Impfstoff AstraZeneca“, sagt Rasch. Das Vakzin aus Großbritannien ist allerdings in der EU noch nicht zugelassen. Ob diese Zulassung noch diesen Monat kommt, sei allerdings fraglich, meldet der WDR. Der nächste Impfkandidat ist der des US-Pharmakonzerns Moderna, der jetzt auch in der EU zugelassen wurde. Bieten Moderna und BionTech nahezu 95-prozentigen Schutz, komme AstraZeneca laut Studien nur auf rund 70 Prozent. Dafür sei AstraZeneca weitaus leichter zu handhaben.
Susanne Greiner

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