Kein Mindestabstand möglich

Landkreis Landsberg: Mangelware Schulbusse

Schüler, die am Landsberger Hauptplatz aus dem Bus steigen
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Die Schulbusse nach Landsberg sind meistens voll besetzt. Da der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, ist Maske Pflicht. Gut, wer mit dem Fahrrad kommen kann.

Landkreis – Morgens halb acht in Landsberg. Am Hauptplatz kippen Busse Schülerschwärme aus. Alle tragen Nasen-Mund-Maske. Die ist im Bus Pflicht, denn dort den Mindestabstand einzuhalten, ist illusorisch. ÖPNV-Beauftragter des Landratsamtes Dietmar Winkler konkretisiert im Kreisausschuss das Problem: Er bekomme von vielen Eltern die Rückmeldung, dass es trotz Verstärkerbusse noch zu eng sei. Der Landkreis und auch die Busunternehmen könnten aber nicht mehr Busse aufbringen, als momentan schon unterwegs seien. Auch Landrat Thomas Eichinger (CSU) wusste keine Lösung. Außer: „Vielleicht läuft es ja über die private Anreise.“

Der Landkreis ist für die Beförderung der Schüler der weiterführenden Schulen zuständig, für Grund- und Mittelschulen-Schüler muss die jeweilige Gemeinde sorgen. Was beispielsweise die Schulgemeinde Geltendorf tut, wie Philip Schnappinger, Geschäftsführer des gleichnamigen Busunternehmens aus Utting, berichtet: „Wir haben momentan vier Verstärkerbusse im Einsatz: drei für den Landkreis und einen für den Schulverband Geltendorf.“ Schnappinger bestätigt Winkler: Mehr Busse habe man nicht. „Vor allem das Fahrpersonal ist knapp“, fügt er hinzu. Das sei bereits vorher schon ein Problem gewesen. Durch Corona habe es sich aber verstärkt. Die Probleme hätten alle Busunternehmen im Landkreis: „Ich bin mit mehreren in Kontakt.“ So meldet auch Wilfried Venerius, Geschäftsführer von WaibelBus aus Landsberg und zuständig für den Stadtbus, volle Auslastung: „Wir hätten noch den ein oder anderen Bus, aber keinen Fahrer mehr. Das ist ausgereizt bis unter die Halskrause.“ Er habe vier Verstärkerbusse im Einsatz.

Obwohl die Schülerbeförderung weitestgehend über Linienbusse laufe – für die die Gemeinden zuständig sind –, habe der Landkreis freiwillig zehn Verstärker akquiriert, so Winkler. Aufgrund der Linien-Konzession der Busunternehmen seien diese dazu verpflichtet, Busse zu stellen. „Wir versuchen das möglichst partnerschaftlich zu lösen“, betont der ÖPNV-Beauftragte. Aber mehr Busse könne man nicht bekommen, auch nicht aus den Nachbarlandkreisen. „Wir sind am Ende der Fahnenstange.“

Die Schulbusse seien auch vorher schon recht voll gewesen. In Zeiten der Pandemie „müssten sie eigentlich leerer sein. Wenn sie zu zwei Dritteln voll sind, geht das gerade noch“, sagt Winkler. Um den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten zu können, bräuchte man aber mindestens zehn Busse mehr als jetzt. Ein Brennpunkt sei Dießen, da dort rund 200 Schüler aus dem Umkreis zur Carl-Orff-Mittelschule transportiert werden müssen – also Aufgabe der Gemeinde.

Ein Überblick über die Situation sei nicht möglich, da die Busunternehmen kein Feedback gäben. „Wir wissen die Zahl der mitfahrenden Schüler pro Bus nicht“, so Winkler. Es gebe zwar Meldezahlen pro Linie, diese würden aber regelmäßig überschritten. Beispielsweise in Eresing, wo statt 16 gemeldeten Schülern 30 zustiegen. Hinzu komme, dass Schüler der Berufsschulen, für die es keine Beförderungspflicht seitens des Landkreises gibt, Blockunterricht haben – und man nicht wisse, wie viele Schüler wann die Busse benutzen. Eine konkrete Zahl für die die Zahlen der Schüler in den Bussen zu melden, sei eben auch schwierig, sagt Wilfried Venerius. „Wir haben selbst keine verlässlichen Werte, die wir ans Landratsamt weitergeben könnten.“ Mal seien zehn Schüler im Verstärker, mal sei er „komplett überfüllt“.

Noch ein Problem: Die Verstärkerbusse sind teuer. Winkler rechnet mit 400 Euro pro Tag und Bus und mit rund 220.000 Euro bis Jahresende für alle zehn Verstärker. Dabei seien die Busse pro Tag nur äußerst wenig im Einsatz. Das bestätigt auch Schnappinger: „Die Busse brauchen wir nur für die Stoßzeiten morgens und abends.“ Auch in der Zukunft sieht Winkler Probleme: Was passiere, wenn die Verstärkerbusse im Lauf der Zeit wegfallen sollten, wisse er nicht. „Corona geht ja weiter“.

Bayern hilft

Der Freistaat unterstütze die Kommunen bereits „umfassend im Rahmen der Leistungen im Bayerischen Finanzausgleich“, antwortet Wolfgang Rupp, der Pressesprecher der Regierung von Oberbayern. Außerdem habe der Freistaat bereits Ende August eine zusätzliche Förderung der Verstärkerbusse bewilligt: bis zu vier Euro pro Kilometer oder einen Tagessatz von 300 Euro pro Verstärkerbus. Auch ohne diese Förderung seien es die Kommunen, die die Schülerbeförderung sicherstellen müssen. „Der Freistaat hat für Bayern 15 Millionen bewilligt“, weiß auch Winkler. „Schauen wir mal, ob‘s reicht.“

„Wo nichts ist, da hat der Kaiser sein recht verloren“, fasste Eichinger zusammen. Man habe auch keine Kontrolle, wer in den Schulbussen mitfahre. Wenn an einer Haltestelle eine Reisegruppe einsteige, so sei die eben „mit drin“. Auch die Haltestellen seien nicht für die Nutzung mehrerer Busse gleichzeitig ausgerichtet. Und ob die Maskenpflicht in Schulbussen den Mindestabstand ersetze, darüber könne man streiten. Aber „wir können auch nicht in den Lachbarlandkreisen wildern“, betonte der Landrat. Die Busknappheit sei überall ein Problem.

Eventuell müsse man die Zeiten des Schulbeginns an den einzelnen Schulen versetzen, um die Schülerzahl in den Bussen zu entzerren, sagt Eichinger. Ein Aspekt, den auch Waibel-Geschäftsführer Venerius als Lösung sieht: „Mit einem Schulstart zur ersten beziehungsweise dritten Stunde könnte man die Kapazitäten verdoppeln.“ Die Schulen hätten das vor den Ferien gemacht, seien jetzt aber wohl nicht dazu bereit.

Wer wegen der Enge nicht im Bus mitfahren wolle, dem bleibe letztendlich wohl nur die „private Anreise“, gab Eichinger als letzte Möglichkeit an. Die Kosten für eine private Anreise, das ‚Elterntaxi‘, werde der Landkreis sicher nicht übernehmen, betont Winkler: „Die Schüler haben ja bereits eine Fahrkarte vom Landkreis erhalten.“

Susanne Greiner

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