Frauen aus aller Welt aufs Rad

Landkreis Landsberg: Fahrrad-Treff speziell für Frauen mit Migrationshintergrund

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Awa aus dem Senegal (rechts) und ihre sieben-jährige Tochter Mona freuen sich, dass das Radfahren schon so gut klappt.

Kaufering – Fahrrad fahren ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir lernen es schon als Kind, egal, ob Junge oder Mädchen. In anderen Ländern ist das nicht so. Zum Beispiel in Jordanien, Syrien, dem Irak, Senegal, Tunesien oder der Türkei. Aus diesen Ländern kommen die sieben Teilnehmerinnen des „Kick-Off“-Treffens „Fahrrad fahren – speziell für Frauen“, das vor Kurzem auf dem Verkehrs­übungsplatz bei der Grundschule Kaufering stattfand.

Es ist ein Projekt für Frauen mit Frauen aus aller Welt, das die Initiative der Diakonie Herzog­sägmühle „NeNaLaWei“ – Neue Nachbarinnen Landsberg Weilheim – gemeinsam mit der Verkehrswacht Landsberg und Weilheim-Schongau anbietet. Den Frauen soll es Mut machen, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Unterstützt wird es vom Deutschen Fahrrad-Club Landsberg, der helfend zur Seite steht.

„Wir haben den Eindruck, dass sich gerade Frauen mit Migrationshintergrund immer mehr zurück ziehen“, sagt Annette Kurth von NeNaLaWei. Das sei schnell verbunden mit sozialer Isolation und dem Verlust bisher erlernter Deutschkenntnisse. Es gebe zudem grundsätzlich viel mehr Kurse für geflüchtete Männer – die Frauen würden oft auf der Strecke bleiben.

Voraus ging eine Umfrage, die NeNaLaWei an mehr als 50 Frauen mit Migrationshintergrund gerichtet hatte – mit eindeutigem Ergebnis: „Für 98 Prozent der befragten Frauen ist es der größte Wunsch, Fahrradfahren zu lernen“, sagt Annette Kurth.

Sie sind zum Teil sehr gebildet, haben in ihrem Heimatland Universitätsabschlüsse, sind emanzipierte Frauen. Dennoch: Einige der Teilnehmerinnen von Anfang 20 bis Ende 40 haben noch nie auf einem Fahrrad gesessen. Andere sind mal als Kind gefahren, haben es aber wieder verlernt. Alle haben aber das gleiche Ziel: Sie möchten radeln können. Wie zum Beispiel Awa aus dem Senegal, die gerne mit ihrer Familie eine Fahrradtour machen möchte. Mann und Tochter können schon Radfahren. Das Baby ist noch zu klein.

Ein mutiger Schritt

Es sei mutig von ihnen, das Fahrradfahren in Angriff zu nehmen, betont Annette Kurth in ihrer Begrüßung. Die Angst zu verlieren, sei der erste und wichtigste Schritt. Am schwierigsten sei es zu Beginn, das Gleichgewicht zu halten, erklärt Georg Off von der Verkehrswacht Weilheim-Schongau. „Haltet daher die Füße möglichst hoch, lasst das Rad rollen und schaut, dass ihr nicht umfallt“, so seine erste Lektion, die für einige, die noch nicht so gut deutsch können, direkt übersetzt wird. „Wenn das klappt, habt Ihr schon viel erreicht!“ Und schon geht‘s los. Auf kleinen Klapprädern, die die Verkehrswacht Landsberg zur Verfügung gestellt hat, wird geübt. Besser geeignet seien sogar Laufräder – so würden ja heute die Kinder lernen, das Gleichgewicht zu halten, meint Georg Off, der auch beim Parallelkurs in Peißenberg dabei ist.

Dass Radfahren gar nicht mal so leicht ist, zeigen zwei kleine Stürze, viele Fast-Stürze und ein Beinahe-Zusammenstoß. Passiert ist zum Glück nichts. Und: Die Frauen haben sich nicht entmutigen lassen – schon bald drehen sie relativ sicher ihre Runden auf dem Platz. Vielleicht noch etwas wackelig in den Kurven – aber „das wird schon“, meint Georg Leutenstorfer von der Verkehrswacht Landsberg.

Alle Teilnehmerinnen hatten großen Spaß an dem Radltreff – und möchten dabeibleiben. Möglichst zeitnah weiter zu üben, sei wichtig, so Leutenstorfer. Daher wolle man sich schon bald wieder treffen. Dann geht es in die nächste Runde.

„Es ist schön, dass die Frauen die Möglichkeit bekommen, in einem solch sicheren Rahmen zu üben“, meint Elke Puskeppeleit von der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie Bayern. Das Projekt sei ein enormer Mobilitätszuwachs, stärke das Selbstwertgefühl der Frauen, fördere ihre Zugehörigkeit und reduziere auch sprachliche Barrieren. Ziel sei es, gemeinsame Radtouren zu machen, so Annette Kurth. Ein Miteinander zu haben – Frauen mit und auch ohne Migrationshintergrund zusammenzubringen. Ihre Vision ist eine „Sternfahrt“, ein gemeinsamer Ausflug mit einem Treffen an den Landkreisgrenzen. Wenn weiter so fleißig geübt wird, ist das sicher schon bald möglich. Mit dem Rad natürlich.
Andrea Schmelzle

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