200 Jahre Verfassungsstaat - 100 Jahre Freistaat

Bayerns Erfolgsgeschichte im Zeitraffer

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Persönlich und mit Blasmusik begrüßte Landrat Thomas Eichinger (4. v. links) die Gäste seiner Ammersee-Rundfahrt anläßlich des Doppeljubiläums „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.
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Der Landkreis Landsberg feierte auf der "Utting" das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.
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Der Landkreis Landsberg feierte auf der "Utting" das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.
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Der Landkreis Landsberg feierte auf der "Utting" das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.
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Der Landkreis Landsberg feierte auf der "Utting" das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.
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Der Landkreis Landsberg feierte auf der "Utting" das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.
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Der Landkreis Landsberg feierte auf der "Utting" das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.
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Der Landkreis Landsberg feierte auf der "Utting" das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.

Ammersee – Würde man Thomas Eichinger in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückbeamen, hieße seine Amtsbezeichnung nicht Landrat, sondern Landrichter mit Justiz- und Verwaltungsaufgaben. Er wäre ganz persönlich zuständig unter anderem für Hebammen, Viehmärkte, Leichenhäuser und sollte getrennte Badeplätze für Männlein und Weiblein anweisen. Unfähige Lehrer müsste er ent­lassen und „Kuppeley- und Hurenwirtschaft“ verhindern. Damals hätte er zur Unterstützung nur einen Assessor und einen Schreiber gehabt und nicht wie heute einen Verwaltungsapparat mit hunderten von Mitarbeitern. Diese und mehr historische Raritäten erfuhren Gastgeber Eichinger und die rund 200 Ehrengäste auf einer Ammersee-Dampferrundfahrt mit dem Motorschiff „Utting“ von Kreisarchivar Guido Treffler. Anlass war das Doppeljubiläum „200 Jahre Verfassungsstaat Bayern“ und „100 Jahre Freistaat Bayern“.

Der Termin für die schwimmende Feierstunde auf dem Ammersee fiel ausgerechnet auf den „Tag des Meeres“, wie Festredner Prof. Dr. Hermann Rumschöttel launisch anmerkte. Mit dem früheren Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayern sowie mit Kirchenhistoriker und Archivar Guido Treffler hatte Eichinger zwei hochkarätige Fachleute eingeladen, die „Bayerns Weg in die Moderne“ sowie „Das Bezirksamt Landsberg zwischen Monarchie und Weimarer Republik“ verständlich ausleuchteten.

Unter den Gästen des Land­rats­amtes, dem Nachfolger des einstigen Bezirksamtes, waren neben Vertretern von kommunalen und staatlichen Organen und Institutionen auch viele Kreistagsmitglieder sowie die Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießen), Josef Lutzenberger (Utting), Siegfried Luge (Eching) und Peter Ditsch (Prittriching). Landrat Eichinger betonte in seiner Begrüßung, dass der angestaubte Begriff Heimat jetzt immer mehr Zugkraft auch bei der Jugend bekäme. Und da sei ein Rückblick auf die Geschichte Bayerns und des Landkreises Landsberg für alle interessant.

Fundamental

Prof. Dr. Rumschöttel, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Verdienstorden und dem Bundes­verdienstkreuz, erinnerte an die 100. Wiederkehr des Übergangs Bayerns von der Monarchie zur Demokratie. Und an das 200. Jubiläum der Verfassungsurkunde von 1818, die 100 Jahre lang das Fundament der konstitutionellen Monarchie des Königreichs Bayern bildete und die erst nach dem Ersten Weltkrieg von der Bamberger Verfassung des demokratischen Freistaates Bayern abgelöst wurde.

Das heutige Bayern zeichne sich aus durch eine „monarchische Komponente“, nämlich die „fast staatspräsidentenhafte Stellung“ des Bayerischen Ministerpräsidenten, wie sie besonders von Alfons Goppel zwischen 1962 und 1978 praktiziert wurde. Auch Markus Söders Auftritte als Prinzregent beim Fasching in Veitshöchheim unterstreiche dies humorvoll. Weitere Komponenten im heutigen Bayern seien die Verfassungstradition und die selbstbewußte Stellung von Regierung und Regierungsapparat, die sich nicht auf die Rolle als Exekutive des Parlaments verstünden.

Prägend sei auch die Entstehung und Existenz einer „bayerischen Staatspartei“ mit großer Nähe zur Regierung. Rumschöttel mutmaßte, dass die Funktion dieser Partei als Klammer zwischen Gesellschaft und Staatsapparat einer der Gründe für den Erfolg Bayerns ist, wobei er selbst kein CSU-Mitglied sei, wie er betonte.

Die Trennung von Justiz und Verwaltung in Bayern erfolgte erst 1862, wie Kreisarchivar Guido Treffler ausführte. Als Vorläufer der heutigen Landratsämter wurden als Verwaltungsbehörden die Bezirksämter eingeführt. In Landsberg hieß der erste Bezirksamtmann Carl von Nagel. Für den Publikumsverkehr waren Montag und Samstag festgesetzt und der Mittwoch als „auswärtiger Amtstag“ in Dießen. Guido Treffler rief zum Schluss dazu auf, den geschichtlichen Schatz aus vergangenen Lebenswelten in den Gemeinden des Landkreises Landsberg zu sichten und aufzubereiten. Für den Aufbau eines Gemeindearchivs bot er seine Hilfe an.

Für die Lebenshilfe

Die beiden Referenten verzichteten übrigens auf ihr Honorar und spendeten so 1.500 Euro an die Lebenshilfe Landsberg, wofür ihnen Landrat Eichinger ausdrücklich dankte. Umrahmt von der Stadtjugendkapelle Landsberg unter der Leitung von Hans-Günther Schwanzer wurde zum Abschluss das Bayerische Buffet eröffnet. Vorher besuchte Landrat Thomas Eichinger auf der Kommandobrücke den „Utting“-Kapitän Helmut Trötensberger, der im kommenden Jahr sein 30-jähriges Dienstjubiläum auf dem Ammersee feiert. Über die moderne Technik im neuesten Ammersee-Dampfer informierten sich auch Dießens Polizeichef Alfred Ziegler und Landsbergs Dienststellenleiter Alfred Geyer. Sie und alle Gäste waren beeindruckt von der vierstündigen Schiffsrundfahrt und der aufgezeigten Erfolgsgeschichte Bayerns.

Dieter Roettig

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