Hitze, Hagel, Borkenkäfer

Landkreis Landsberg: Gefahr für die Wälder

+
Die Revierleiter Friedrich Wendorff (links) und Erwin Schmid (rechts) unterstützen gemeinsam mit Martin Mall (WBV Landsberg) Waldbesitzer bei der Borkenkäferbekämpfung.

Landkreis – Mit seiner Vorstellung von einem Traumsommer dürfte Erwin Schmid ziemlich allein dastehen. „Am besten wären Schnürlregen und 15 Grad, und zwar von Mai bis September“, sagt der Leiter des Forstreviers Ammersee. Doch Schmid denkt bei diesem Wetterwunsch nicht an Freizeitgestaltung, sondern an die Waldbestände der Region. Sie leiden unter Trockenheit und steigenden Temperaturen, haben sich vom Hagelschlag im letzten Juni und den Stürmen im Februar noch lange nicht erholt. Und nun rückt auch noch der Borkenkäfer an.

Klein und gefräßig: der Borkenkäfer - hier der Buchdrucker

Aufgrund des Klimawandels beginnt die Schwarmzeit der wenige Millimeter kleinen Insekten jedes Jahr früher. „Waldbesitzer sollten ab Mitte April mindestens vierzehntägig, aber besser noch jede Woche ihre Wälder auf frischen Befall hin kontrollieren“, sagt Schmids Kollege Friedrich Wendorff vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck. Besonderes Augenmerk müsse auf Südränder von Wäldern gerichtet werden – und auf Stellen, die in den Vorjahren bereits befallen waren. „Das ist eine Verpflichtung, die Waldbesitzer auch in Zeiten von Corona wahrnehmen müssen.“

Gefährdet sind vor allem Fichten. Beim Pressetermin in einem Privatwald bei Ramsach müssen Schmid, Wendorff und Martin Mall, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Landsberg, nach betroffenen Stämmen nicht lange suchen. Am Boden liegendes Sturmholz weist die verräterischen Spuren auf: kleine Häufchen braunes Bohrmehl, das an Schnupftabak erinnert. Als Wendorff die Rinde mit einem Zieheisen abschabt, wird der Gang sichtbar, den der Käfer in den Stamm gefressen hat. Weil das Fraßbild aussieht wie ein aufgeschlagenes Buch, trägt eine Borkenkäferart den Namen Buchdrucker. Eine andere heißt Kupferstecher, weil ihre Fraßspuren an fein ziselierte Kupferstiche erinnern.

Trotz der sympathischen Namen ist der Käfer eine Bedrohung – und zwar eine mit enormer Vermehrungsgeschwindigkeit. Ein Borkenkäferweibchen legt 60 Eier. Innerhalb von sechs Wochen ist die neue Generation herangewachsen. Ist rechnerisch die Hälfte der Insekten weiblich, legt nun jedes der 30 neuen Weibchen wiederum 60 Eier.

Wird dem Befall kein Einhalt geboten, steigt mit der Zahl der Käfer auch die Zerstörung der Bäume exponentiell. So kann, ausgehend von einer einzigen befallenen Fichte, ein ganzer Hektar Wald innerhalb eines Jahres absterben. „Wenn die Fläche erstmal kahl ist, bildet sich Graswüste“, sagt Erwin Schmid. „Bis dort auf natürlichem Wege wieder etwas wächst, dauert es Jahrzehnte.“

Um dieses Szenario zu vermeiden, müssen Bäume mit Borkenkäferbefall so schnell wie möglich gefällt und abtransportiert werden – und zwar mindestens 500 Meter vom Waldrand weg. „Das ist eine Entfernung, die der Käfer nicht mehr fliegen kann“, sagt Friedrich Wendorff. Bei der Aufarbeitung des Schadholzes erhalten Waldbesitzer auch Unterstützung von der WBV. „Zwar stockt coronabedingt die Holzabfuhr, aber wir organisieren ausreichend Trockenlagerplätze“, betont Martin Mall von der WBV Landsberg.

Doch das Problem für Waldbesitzer ist an dieser Stelle noch nicht zu Ende – es nimmt lediglich eine andere Gestalt an. Die Nachfrage nach Holz ist im Keller, die Preise „hundsmiserabel“, wie die Forstleute einhellig seufzen. Ohne Aussicht auf Gewinn sei die Motivation zur Käferbekämpfung für den privaten Waldbesitzer gering. „Man darf es nicht als Geldverdienen sehen, sondern als Schadensabwehr“, sagt Wendorff. Außerdem zahle der Freistaat für insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung neuerdings eine Prämie von bis zu zwölf Euro pro Festmeter.

Waldbesitzer, die ihre befallenen Bäume ignorieren, riskieren Zwangsmaßnahmen – sprich, die Ersatzvornahme von Fällung und Abtransport mit entsprechenden Kosten.

Der Waldbestand, der dem Borkenkäfer theoretisch zum Opfer fallen könnte, ist enorm. „Allein im Landkreis stehen rund zwei Millionen Festmeter befallsfähige Fichten“, warnt Wendorff. Bei der Wiederaufforstung der Schadensflächen gelte deshalb die Devise: „Mischen, mischen, mischen.“ Wer mit Mischwald aufforstet, erhält staatliche Unterstützung aus dem Waldförderprogramm.
Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Eindrucksvolle Hilfe-Bilanz des Vereins GemEinsam aus Schondorf
Eindrucksvolle Hilfe-Bilanz des Vereins GemEinsam aus Schondorf
Uttings Bürgermeister Hoffmann ist Vorsitzender von "VHS Ammersee West"
Uttings Bürgermeister Hoffmann ist Vorsitzender von "VHS Ammersee West"
Neubau des evangelischen Kindergartens Landsberg 
Neubau des evangelischen Kindergartens Landsberg 

Kommentare