Abducken allein reicht nicht

Wie der Landkreis Landsberg dem Kiebitz auf die Sprünge helfen will

Kiebitz
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Den als „stark gefährdet“ eingestuften Kiebitz möchte der Landkreis Landsberg weiter schützen.

Landkreis – Das gab es bisher noch nie: Die Untere Naturschutzbehörde im Landrats­amt hat in diesem Jahr Landwirte finanziell entschädigt, die freiwillig Kiebitz-Gelege auf ihren Wiesen und Äckern bei der Bewirtschaftung aussparten. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser starkgefährdeten Art im Landkreis Landsberg.

Immerhin neun Landwirte beteiligten sich an dem Programm, wodurch 16 Gelege geschützt werden konnten. Laut Naturschutzbehörde schlüpften aus diesen Gelegen 26 Küken, wovon aber nur sechs Jungtiere flügge geworden seien. Grund hierfür ist der enorme Prädationsdruck durch die nachtaktiven Fressfeinde Fuchs und Dachs, aber auch Krähen und Greifvögel.

Hinzu kommen weitere 19 flügge Jungtiere von Flächen im Landkreis, die keiner landwirtschaftlichen Nutzung unterlagen oder die Landwirte ohne Inanspruchnahme der Förderung geschützt haben. Damit wurden im Landkreis Landsberg rund 25 Küken von über 30 Brutpaaren flügge, woraus sich ein Bruterfolg von 0,76 Flüggen/Brutpaar ergibt. Der Schwellenwert von 0,8 als Zielwert für eine überlebensfähige Population wurde somit ganz knapp verfehlt, stelle aber im Vergleich zum Vorjahr (0,53) einen „sichtbaren Erfolg“ dar.

Mit Hilfe von Bürgermeldungen und regelmäßiger Beobach­tung der bekannten Brutplätze des Kiebitzes aus vergangenen Jahren konnten die Wiesenbrüterberater Alex Klose, Klaus Janke und Uli Kreutzer die Gelege ausfindig machen und mit den Landwirten die Aussparung der Gelege bei der Bewirtschaftung vereinbaren.

Kaum auszumachen: ein Kibitz brütet auf einem beflaggten Acker im Landkreis Landsberg.

Die Biodiversitätsberaterin Rebecca Simmnacher erklärt, weshalb derartige Schutzbemühungen notwendig wurden: „Die ursprünglichen Brutplätze des Kiebitzes auf feuchten Wiesen gehen durch Trockenlegung und Intensivierung der Landwirtschaft verloren, weshalb er mittlerweile bevorzugt auf Äcker ausweicht.“ Dort lege der Kibitz als Bodenbrüter meist vier gut getarnte Eier in eine offene Nestmulde, wo sie vielen Gefahren ausgesetzt seien.

Bewirtschaftungsgänge wie die mechanische Bodenbearbeitung und das Ausbringen von Pflanzenschutzmittel und Dünger führen sehr häufig unbeabsichtigt zur Zerstörung der kaum erkennbaren Gelege oder zur Aufgabe des Nestes durch die Altvögel.

Mehr noch: Kiebitzküken sind Nestflüchter, verlassen also wenige Stunden nach dem Schlupf ihr Nest und folgen den Eltern bei der Nahrungssuche. „Bei drohender Gefahr ducken sich die gut getarnten Küken bewegungslos an den Boden und werden so häufig auch nach dem Schlupf noch Opfer von landwirtschaftlichen Maschinen; sind aber auch leichte Beute für Beute­greifer“, beschreibt Simmnacher.

Der Kiebitz gilt bei immer weiter abnehmenden Beständen bereits deutschlandweit als „stark gefährdet“. Deshalb solle es, wie Landratsamtssprecher Wolfgang Müller mitteilt, auch nächstes Jahr wieder im Landkreis Landsberg das Förderprogramm zum Schutz des Kiebitzes geben – sogar mit erweiterten Maßnahmen. Man wolle nicht nur die Gelege schützen, sondern auch den Lebensraum und die Nahrungsverfügbarkeit verbessern, kündigt die Untere Naturschutzbehörde an.

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