Unsicherheit ist überall zu spüren

Mitten in Corona eine Lehrstelle zu suchen, ist nicht einfach

Azubis mit Meister in einer Tischlerei.
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Technische oder handwerkliche Betriebe haben ausreichend Lehrstellen zu vergeben. Unsicherer ist es bei Betrieben, die stärker von Corona betroffen sind.
  • vonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Die Coronakrise erschwert das normale Leben – in allen Bereichen: Freizeit, Schule, Beruf, aber auch, wenn es darum geht, ins Berufsleben zu starten, sich eine Ausbildungsstelle zu suchen. Es ist noch schwerer, auf dem Ausbildungsmarkt Fuß zu fassen. Unsicherheiten seitens der Schüler, aber auch seitens der Unternehmen, die ausbilden (oder eben nicht ausbilden), hinterlassen Spuren. Und der Traumberuf? Der bleibt vielleicht auf der Strecke. 

Lockdown, Distanz-, dann wieder Präsenzunterricht, Lernen im Home-Schooling, Technik, die vielleicht nicht funktioniert: Die Situation ist nicht leicht für Schulkinder. Schulabgänger stellt sie vor zusätzliche Herausforderungen. Und wenn sie, wie Mittelschüler, erst 14 oder 15 Jahre alt sind, gilt das umso mehr. „In der eh schon schweren Lage müssen sie sich noch einen Ausbildungsplatz suchen und für die Abschlussprüfungen lernen“, meint Raphaela Huber, Lehrerin einer Abschlussklasse an der Mittelschule Landsberg.

Die Schüler seien verunsichert, hätten Angst, Stoff versäumt zu haben und nicht aufholen zu können. „Wir versuchen, ihnen gut zuzureden“, sagt Huber. Alles brauche eben gerade ein bisschen mehr Nachdruck und auch ein wenig mehr Mut. Man müsse sie bestärken, etwa darin,„einfach mal fünf Bewerbungen abzuschicken, statt nur eine“, so Huber.

Nur vier Schüler ihrer Klasse haben bisher einen Ausbildungsplatz in der Tasche. Zwei werden in die 9+2-Klasse der Mittelschule Kaufering wechseln (der KREISBOTE berichtete), drei eine Krankenpflegeschule besuchen. Bei ein paar anderen laufen aktuell noch Bewerbungsgespräche. „Tatsächlich sind viele Schüler aufgrund der aktuellen Ausbildungssituation noch nicht versorgt“, meint Anja Schweikert, kommissarische Leiterin der Mittelschule Landsberg. „Wer stellt schon jemanden ein, wenn man gar nicht weiß, wie es mit dem Betrieb weitergeht?“, fragt sie sich. In diesem Corona-Abschlussjahr sei auch die Wirtschaft verunsichert, das sei letztes Jahr noch nicht so gewesen. Dass Betriebe derzeit zurückhaltend und abwartend sind, meint auch Lorenz Häckl, Leiter der Beruflichen Schulen Landsberg. Die Online-Anmeldungen der auszubildenden Betriebe bei der Berufsschule seien bisher eher zögerlich.

„Wir beobachten, dass es in den von Corona-Schließungen direkt betroffenen Branchen wie Gastronomie, Hotellerie, Veranstaltungswirtschaft und teilweise im Einzelhandel stellenweise weniger Angebote gibt“, so Florian Kaiser, Leiter Referat Bildungsberatung an der IHK für München und Oberbayern. „Unser Eindruck ist aber auch, dass die Entwicklung am Ausbildungsmarkt in etlichen Branchen von fehlender Berufsorientierung – es gibt derzeit keine Infoveranstaltungen oder Ausbildungsmessen – und starker Unsicherheit geprägt ist“, sagt Kaiser. Und auch die Schulpraktika seien ausgefallen. Das würde viele Schüler in der aktiven Suche nach einem Ausbildungsverhältnis ausbremsen.

Aktuell gibt es im Landkreis laut Angabe der IHK München und Oberbayern mit 609 Stellen immer noch mehr Ausbildungsstellen als Azubis. Das seien zwar 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Aber auch nur 427 Bewerber seien gemeldet, also fast ein Drittel weniger als vergangenes Jahr. Das verdeutliche die aktuelle Verunsicherung.

Besonders schwer stellt sich die Situation für Mittelschüler ohne qualifizierten Abschluss dar. „Ausbildungsplätze, gerade in technischen Berufen oder im Handwerk, sind zwar vorhanden“, meint Huber. Aber die Schüler hätten zum Teil keinen Zugang zu ihnen. Das habe mehrere Gründe, meist seien sie aber einfach überfordert.

„Das alles mit 14 oder 15 Jahren selber zu organisieren, ist ein bisschen viel für manche“, meint auch Anja Schweikert. Hinzu komme der „Schwebezustand“, die „Lockdown-Trägheit“ und ein damit verbundener Motivationsverlust. Dennoch lassen sich manche nicht kleinkriegen: Der 15-jährige Engin hat schon 14 Bewerbungen geschrieben, erzählt er. Zehn davon für eine Ausbildungsstelle im Büro. Nun versucht er es mit dem Einzelhandel – und wartet noch auf Antwort. Auch Valerij hat 15 Bewerbungen geschrieben. Vorstellungsgespräche mussten zum Teil wegen Corona immer wieder abgesagt werden. Jetzt hat er aber eine Stelle als Industriemechaniker gefunden. Bei Lukas wurden alle fünf Bewerbungen abgelehnt. Wegen Corona, sagt er. Eigentlich wollte er Einzelhandelskaufmann werden, jetzt bewirbt er sich als Elek­troniker. Da müsse man derzeit flexibel sein.

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