Flüchtlinge wieder in die Turnhalle

Ohne Notfallplan geht’s nicht mehr

+
Wie schon im Oktober vergangenen Jahres müssen wohl auch jetzt wieder Flüchtlinge in der Turnhalle an der Lechstraße (Foto) untergebracht werden.

Landsberg – Die Nachricht überraschte Landrat Thomas Eichinger am Donnerstag: Zusätzlich zu den regulären Zuweisungen erhält der Land- kreis Landsberg bis spätestens Ende Juli 180 bis 200 Asylbewerber und Flüchtlinge zugeteilt. Damit musste jetzt doch der „Notfallplan“ ausgerufen werden, jetzt werden in größerem Umfang Turnhallen zu Unterkünften umfunktioniert.

„Das ist schon ein bisschen frustierend“, sagt Eichinger auf Nachfrage des KREISBOTEN, „wir haben unsere Quote immer erfüllt und sind eigentlich davon ausgegangen, dass das reicht.“ Doch die Kapazitäten im Erstaufnahmelager in München seien inzwischen „völlig ausgeschöpft“, teilt sein Pressesprecher Wolfgang Müller jetzt mit.

An der Umnutzung von Turnhallen führt damit kein Weg vorbei. Ob und wann Flüchtlinge im Hochbauamt und in der Pfettenstraße untergebracht werden können, ist noch offen. Die Wohncontainer in der Iglinger Straße werden voraussichtlich Mitte August fertig, „sind aber schon anderweitig verplant“, erläutert Müller. So informierte das Landratsamt Landsbergs Oberbürgermeiser Mathias Neuner und IKG-Schulleiterin Ursula Triller, dass man die Lechturnhalle wieder braucht. Angesichts der hohen Zahl der Menschen wird diesmal auch der Anbau, der dem Landkreis gehört, komplett mit einbezogen.

Vermutlich wird das noch nicht einmal reichen. Eichinger: „Ich habe auch schon mit Bürgermeister Karg gesprochen. Wenn es wirklich 200 Personen werden, müssen wir auch die Fuchstal-Turnhalle dazu nehmen.“ Da im Moment keine Wohnungen oder Container zur Verfügung stehen, werden die Asylbewerber vermutlich länger in den Hallen bleiben müssen. Eichinger: „Mit acht Wochen wird es diesmal wohl nicht getan sein.“

Kaum darstellbar

Der Landrat sieht zudem schon ein weiteres Problem auf sich zukommen, „das fast noch größer ist“: Von August bis Oktober werden nach jüngsten Informationen aus der Regierung insgesamt weitere 60 „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ nach Landsberg kommen. Neben den Unterkünften stellt vor allem der Betreuungsschlüssel von 2:1 eine fast unlösbare Aufgabe dar. 30 Sozialpädagogen zu finden und einzustellen, sei „finanziell schwer darstellbar, abgesehen davon, dass es so viele gar nicht gibt.“ Die sich abzeichnende Situation umschreibt Eichinger daher als „schon eine sehr große Herausforderung.“

Mit dieser Lage im Gepäck konnten Eichinger und Neuner dann am Freitag auch einer Gruppe von Landsberger Gewerbetreibenden keine Aussichten machen. Die Unternehmer hatten sich zusammengeschlossen, um die Unterbringung von 90 Flüchtlingen in einem bisher als Spielwarengeschäft (Babyparadies Tauscher) genutzten Gebäude zu verhindern oder zumindest zu verschieben. Sie befürchten Sachbeschädigungen und Wertminderungen ihrer Betriebe.

Die Diskussion sei durchaus sachlich gewesen, so Eichinger. „Ich nehme die Bedenken natürlich wahr und bemühe mich nach Kräften, sie zu berücksichtigen. Allerdings wird das bei der aktuellen Entwicklung immer schwieriger.“

Den Vorschlag einiger Diskussionsteilnehmer, in den Sozialen Wohnungsbau einzusteigen und dort vorläufig Flüchtlinge unterzubringen, fand der Landrat zwar „prinzipiell nicht falsch“, dies sei aber in der Kürze der Zeit „unmöglich zu bewerkstelligen“ und könne nicht als Ersatzmaßnahme funktionieren. Selbst der Umbau des Spielwarengeschäfts sei voraussichtlich frühestens im Januar 2016 abgeschlossen.

Dem Wunsch, das Thema der Umnutzung im Gewerbegebiet aus der Stadtratssitzung am kommenden Mittoch, 15. Jul, zurückzuziehen, will der Landkreischef deshalb nicht nachkommen; auch der Oberbürgermeister signalisierte, dass er nicht dafür plädiert, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen.

Dass einige Gewerbetreibende daraufhin andeuteten, gegen eine Entscheidung „pro Umbau“ zu klagen, bringt Eichinger im Moment nicht aus der Fassung. „Das steht selbstverständlich jedem offen. Ich sehe nur ehrlich gesagt nicht viel Luft für eine andere Entscheidung.“

Für den Landkreis macht er sich inzwischen schon ganz andere Gedanken. „Wir müssen ja nicht nur schauen, dass wir die Leute irgendwie wieder aus den Turnhallen herausbringen. Wenn man die derzeitigen Zahlen linear fortschreibt, stehen wir im nächsten Jahr noch vor ganz anderen Problemen. Und wir wollen ja nicht jede Turnhalle im Landkreis in Beschlag nehmen müssen.“

Christoph Kruse

Meistgelesen

Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"Es war kein Betrug"
"Es war kein Betrug"
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Dobrindt soll helfen
Dobrindt soll helfen

Kommentare