Weg von der 1:1-Lösung:

Pool als Lösung des Schulbegleiter-Dilemmas

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Integrationshelfer können beeinträchtigten Kindern in der Schule helfen – vielleicht bald im Pool.

Landkreis – Fürstenfeldbruck und Bad Tölz versuchen es schon, das Problem ‚Schulbegleiter‘ mittels ‚Pool‘ zu lösen: statt ein Begleiter pro Kind ein Begleiter-Pool, dessen Mitglieder je nach Bedarf eingesetzt werden können. Die beiden Landkreise arbeiten mit dem Bezirk Oberbayern zusammen. Jetzt haben die Grünen im Kreisausschuss den Antrag gestellt, auch in Kooperation mit dem Bezirk eine ‚Versuchs­phase‘ anzustreben.

Integrationshelfer, so der offizielle Name der Schulbegleiter, sind ein Recht: jedes bedürftige Schulkind hat darauf Anspruch. Bestellt werden sie vom Bezirk für körperlich und geistig beeinträchtigte, vom Jugendamt für seelisch beeinträchtigte Kinder. Momentan seien knapp 60 Integrationshelfer im Landkreis tätig, berichtete Jugendamtsleiter Peter Rasch im Kreisausschuss. Dafür seien im Haushalt 2020 1,3 Millionen Euro angedacht.

Seit Kurzem ist der Anspruch auf Hilfe bei der Integration in der Schule kein individueller mehr. Die Pool-Idee greift das auf: Mehrere Helfer werden in das System Schule integriert und können je nach Bedarf agieren.

Man habe im Landkreis bereits überprüft, wie viele Integra­tionshelfer „poolfähig“ seien, so Rasch: Helfer, die bei Kindern eingesetzt sind, deren „Störungsbild“ keine 1:1-Betreuung fordert. Im Landkreis seien das rund 37 Prozent. Um die Versuchsphase in Kooperation mit dem Bezirk anzugehen, müsse man zuerst feststellen, welche Helfer der Bezirk wo einsetze: „Da ist Peter mit Autismus, der einen Helfer hat, und Lisa im Rollstuhl, die einen Helfer hat. Wir wissen aber nicht, ob sie an der selben Schule sind.“ Eine entsprechende Anfrage an den Bezirk habe man im September gestartet.

Ein zweiter Schritt sei die Frage an den Bezirk, ob denn überhaupt eine Kooperation gewünscht sei. Rasch: „Ich vermute, dass Landsberg nicht aufgenommen wird. Der Bezirk hat bewusst nur mit zwei Landkreisen angefangen.“ Weiterhin müsse man die Unterstützung der Schulleiter haben. Denn die müssten bei der Poollösung eine zusätzliche Aufgabe übernehmen: die Integrationshelfer-Koordination.

„Der Pool ist keine Allzweckwaffe“, warnte der Jugendamtsleiter. Positiv sei, dass die Stigmatisierung des einzelnen Schülers als ‚Sonderling‘ wegfalle. Zudem werde so das Problem „näher dorthin gerückt, wo es hingehört: in die Schule.“ Weshalb es eigentlich Sache des Kultusministeriums sei. Diesen Punkt vertraten auch die Grünen in ihrem Antrag und baten, auf eine entsprechende Gesetzes­änderung hinzuarbeiten. Auch der CSU-Bezirkstagsvorsitzende Josef Loy (CSU) griff diesen Aspekt auf. Mit dem Bezirk könne man immer reden, der Pool sei sinnvoll. Aber das Problem solle nicht auf den Schultern der „kommunalen Familie“ lasten.

Christoph Jell (UBV) äußerte die Befürchtung, dass langfristig die optimale Betreuung eines Kindes dem finanziellen Optimum zum Opfer falle. Worauf Rasch betonte, dass durch die Poollösung „keine spürbaren finanziellen Entlastungen“ möglich seien, dieser Punkt also nicht ins Gewicht falle.

Dem Antrag der Grünen, mit Oberbayern eine Versuchsphase im Schuljahr 2020/21 anzustreben, stimmte der Kreisausschuss einstimmig zu.
Susanne Greiner

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