Ganztagsbetreuung grundschule und Integrationshelfer

Landkreis Landsberg: Probleme mit der Schul-Betreuung

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Nicht nur für die Grundschullehrerinnen und -lehrer könnte die Ganztagsbetreuung an Grundschulen zum Problem werden. Auch das Jugendamt äußert Bedenken.

Landkreis – Für jedes Kind, dessen Eltern es wünschen, muss ab 2025 eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule zur Verfügung stehen. So zumindest steht es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Laut Bundesfamilienministerin Franziska Giffey wären dann rund eine Million Betreuungsplätze bundesweit zusätzlich einzurichten. Nicht so einfach, wie Jugendamtsleiter Peter Rasch jetzt im Jugendhilfeausschuss berichtete.

„Es soll ein Rechtsanspruch sein, das heißt, die Schulen müssen es anbieten“, betont er im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Aber das sei sowohl finanziell als auch personell eine Herausforderung, „insbesondere für kleine Schulen“. Gebe es beispielsweise nur zwei Schüler, deren Eltern eine Betreuung wünschten, werde es finanziell schwierig: „Die Kinder benötigen ein Mittagessen und eine pädagogische Fachkraft. Wie soll man das mit vertretbaren Kosten stemmen?“

Zwar zahlt der Bund zu. Doch wird das vom Kabinett aufgebaute ‚Sondervermögen‘ von bisher zwei Milliarden Euro für die ganze Republik – und damit für rund drei Millionen Grundschüler – eher ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Diese Meinung habe auch im Jugendhilfeausschuss vorgeherrscht, erzählt Rasch.

Eine weitere Schwierigkeit ist das fehlende Personal. Um den anstehenden Grundschullehrermangel aufzufangen, fordert der Bund ja bereits eine Stunde Mehrarbeit seitens der Lehrer (der KREISBOTE berichtete). Für die Ganztagsbetreuung rechnet der Verband „Bildung und Erziehung“ deutschlandweit mit einem weiteren Bedarf von 100.000 pädagogischen Fachkräften. Zwar seien bis zur Einführung des Rechtsanspruchs noch fünf Jahre Zeit, sagt Rasch, „aber Lösungen müssen jetzt gefunden werden“.

Bisher gebe es teilweise die Möglichkeit, Grundschüler zur Betreuung im Gemeindekindergarten unterzubringen, berichtet der Jugendamtsleiter. „Aber das ist kein schulisches Angebot, entspricht somit nicht dem Rechtsanspruch.“ Um Lösungen zu finden, sollen nun die Bürger­meister der einzelnen Kommunen im Herbst die jeweilige Situation schildern.

Integrationshelfer

Zum Thema Integrationshelfer, auch Schulbegleiter genannt, lieferte der Jugendhilfeauschuss keine wirklichen Neuigkeiten. Geplant war, zusammen mit dem Bezirk Oberbayern die ‚Pool-Lösung‘ zu testen: An jeder Schule soll es eine gewisse Anzahl von Integrationshelfern geben, die je nach Bedarf eingesetzt werden können – auch für mehrere Schüler.

Die Bezirke Bad Tölz/Wolfratshausen und Fürstenfeldbruck haben den Versuch mit dem Bezirk bereits gestartet. „Aber Gespräche haben gezeigt, dass auch dort das Projekt stagniert“, informiert Rasch. Denn bisher gebe es sowohl in diesen beiden Landkreisen als auch im Landkreis Landsberg keine Schule, an der ausreichend Integrationshelfer zur Verfügung stehen würden, um das Projekt ‚Pool-Lösung‘ anzugehen. „Eventuell könnten wir es im ‚Magnusheim‘ Holzhausen versuchen“, stellt Rasch in Aussicht. Dort habe der Bezirk 16 Integrationshelfer eingesetzt, der Landkreis vier. „Mit 20 kann man arbeiten.“

In rund fünf Monaten wolle der Bezirk alle Daten zur Verfügung stellen, stellt Rasch in Aussicht. Also welche Schüler wo begleitet werden und welche Schüler davon überhaupt in eine Pool-Lösung integriert werden können. Der Landkreis Landsberg hatte diese Arbeit bereits geleistet. Mit dem Ergebnis, dass in den Landkreisschulen 37 Prozent der durch Integrationshelfer betreuten Schüler keine 1:1-Betreuung unbedingt benötigen. Die Anfrage der Daten wurde bereits im September letzten Jahres an den Bezirk gestellt.
Susanne Greiner

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