Neue Geflüchtete im Forsthaus

Landkreis quartiert weitere Asylbewerber in Dießen ein

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Ins Forsthaus Riederau werden vier nigerianische Familien mit schlechter Bleibeperspektive einziehen. Eine sehr sensible Aufgabe für den engagierten Helferkreis Riederau.

Dießen/Riederau – Ihren letzten Report über die aktuelle Flüchtlingssituation im Ortsgebiet Dießen referierte AWO-Asylberaterin Eva Avilés vor dem Marktgemeinderat. Da sie Ende Oktober in Mutterschutz geht und ihren Wohnort wechselt, wird sie ihren Posten „schweren Herzens“ aufgeben. Bürgermeister Herbert Kirsch dankte Avilés und dem Helferkreis für ihr außergewöhnliches Engagement. Ab sofort wird eine Nachfolgerin oder auch Nachfolger gesucht.

110 anerkannte Asylbewerber sind derzeit im Ortsgebiet von Dießen registriert. Darunter sind zwölf Familien mit 48 Angehörigen, die bereits in eigenen Wohnungen leben. Von den übrigen Personen, vorwiegend alleinstehende Männer, konnten 26 ein eigenes Zimmer oder eine Wohnung beziehen. 70 Prozent aller Asylberechtigten leben in privaten Unterkünften, der Rest in gemeindeeigenen oder von der Gemeinde angemieteten Wohnungen.

Ebenfalls 70 Prozent der Berechtigten arbeiten laut der Statistik von Avilés in Voll- oder Teilzeit und in Minijobs, vornehmlich in der Gastronomie und im Baugewerbe. Die übrigen absolvieren Maßnahmen des Jobcenters oder Integrationskurse. Vier Personen befinden sich in Ausbildung.

Nach diesem positiven Zwischenbericht folgte prompt die Ernüchterung. Das Landratsamt wird in den nächsten Wochen 30 Personen, vorwiegend aus afrikanischen Staaten, im Ortsgebiet von Riederau unterbringen. Darunter viele mit „schlechter Bleibeperspektive“. Sie sind von einem Beschäftigungsverbot betroffen und dürfen auch keine Integrationskurse besuchen. Grund für den Umzug nach Riederau ist die Schließung der Halle in Kaufering sowie die Schließung von Bischofsried.

Im Gegenzug wird das Landratsamt das Forsthaus in Riederau vom Freistaat Bayern anmieten. Dort werden vier nigerianische Familien mit ebenfalls schlechter Bleibeperspektive wohnen. Avilés: „Das stellt für den Helferkreis Riederau eine neue und extrem herausfordernde Situation dar.“ In diesem Zusammenhang forderte Avilés auch eine zusätzliche Betreuung der Asylanten-Familien, die in den neuen Sozialbau in der Von-Eichendorff-Straße ziehen. Denn „das kann eine normale Hausverwaltung nicht leisten.“

Ein Marktgemeinderat äußerte sich über den erneuten Zuzug nicht gerade erfreut: „Nur weil es bei uns so gut läuft mit der Asylbetreuung, schiebt uns das Landratsamt immer neue Bewerber zu.“

Wie Avilés ausführte, haben sich ihre Herausforderungen und die des Helferkreises geändert. Waren 2016 die Asylberechtigten in erster Linie alleinstehende Männer, so sind es jetzt durch Zuzug und Familiennachzug fast die Hälfte Familien mit Kindern. Darum müsse es jetzt Ansprechpartner und Hilfe geben für Kindergärten, Schulen, Verwaltung et cetera. Seit April führt die AWO Deutschkurse für Frauen mit Kindern durch und in Zusammenarbeit mit der Bildungslotsin der Herzogsägmühle gebe es jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat ein „Elterncafé“.

Eine Umfrage bei 13 Arbeitgebern und Ausbildungsbetrieben in der Region Dießen habe laut Avilés ergeben, dass die Arbeitsverhältnisse mit den Geflüchteten „eher unkompliziert“ verlaufen. Die meisten seien „kultursensibel, einsatz- und lernbereit und fleißig“. Leider würden Ausbildungen aber oft schnell abgebrochen. Gründe seien die Überforderung in der Berufsschule, geringer Verdienst oder „die Verarbeitung von Schweinefleisch in der Gastronomie“. Ein Großteil derer, die die Lehre noch nicht abgebrochen haben, besuchen mittlerweile die Berufsschule der Herzogsägmühle mit dem Förderungsschwerpunkt Lernen.

Die Arbeitgeber wünschen sich eine Verbesserung der Sprachkenntnisse, so Avilés, sowie Vermittlung „von Dingen, die in der Arbeitswelt wichtig sind und eine Reflexion des eigenen Verhaltens, um die Motivation zu erhalten“.

Dieter Roettig

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