Mobile Kinderbetreuung

Landkreis richtet mobile Ersatzbetreuung ein

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Wer übernimmt, wenn die Tagesmutter krank wird? Der Landkreis will die mobile Ersatzbetreuung einführen.

Landkreis – Sie heißen Tagesmütter oder Tagesväter: Pflegepersonen, die Kinder betreuen. Oft bei sich zuhause, eingebunden in die Familienstruktur. Damit der Freistaat diese Betreuung refinanziert, ist gesetzlich festgelegt, dass Tagespflegepersonen eine Vertretung haben – und zwar eine, die funktioniert. Sonst ist die Refinanzierung passé. Weshalb der Jugendhilfeausschuss einem zusätzlichen Vertretungsmodell ab dem 1. Januar 2020 zustimmte: der mobilen Ersatzbetreuung.

Im Moment erhalte der Landkreis eine Förderung von rund 100.000 Euro monatlich für die Tagesbetreuung, teilte Jugendamtsleiter Peter Rasch im Jugendhilfeausschuss mit: 34 Prozent der Gesamtkosten. 41 Prozent zahlt der Landkreis, der Rest liegt bei den Eltern. Werde die Ersatzbetreuung nicht gemäß den gesetzlichen Forderungen eingerichtet, „könnte der Staat das Geld, 2018 immerhin 108.000 Euro, zurückverlangen.“ Zudem könne bis zu fünf Jahre rückwirkend geprüft und somit auch rückgefordert werden. Also rund eine halbe Million Euro.

Momentan gebe es im Landkreis 22 Tagespflegepersonen, die jeweils maximal fünf Kinder gleichzeitig betreuen dürfen, berichtete Patricia Heberle vom Jugendamt. Vor allem 2017 habe es Probleme gegeben, als eine Person wegen Krankheit für mehrere Wochen ausfiel. Aber auch dieses Jahr habe es schon krankheitsbedingte Ausfälle gegeben. „Eine Ersatzbetreuung muss direkt am ersten Ausfalltag greifen“, betonte Heberle. Allerdings bereite die Ersatzbetreuung „so viel Probleme wie kein anderer Bereich der Kindertagespflege“.

Bisher würden sich im Landkreis die Tagespfleger gegenseitig vertreten. Was aber dazu führe, dass wegen der Höchstzahl von fünf Kindern die einzelnen Personen nur maximal vier Kinder aufnehmen könnten – um im Notfall den ‚freien Platz‘ zu bieten. Die Vertretung laufe zudem über eine ‚Landkreis-Sonderform‘: die Ernennung einer Ersatzbetreuungsperson pro Tagespfleger in Absprache mit dem Landratsamt. Allerdings kenne das Sozialministerium diese Form nicht. Und es könne durchaus sein, dass der Staat sie bei einer Prüfung nicht anerkenne.

Als weitere Betreuungsmöglichkeit nannte Heberle das Stützpunktmodell, bei dem der Jugendhilfeträger Räume anmiete, wo die eigens dafür eingestellte Betreuungsperson die Kinder beaufsichtigen kann. „Ein Modell, dass sich aber für Flächenlandkreise wie Landsberg aufgrund der zurückzulegenden Wege nicht eignet.“ Zudem fielen dabei Betriebs- und Personalkosten an. Weshalb das Jugendamt die sogenannte mobilen Ersatzbetreuung favorisiere: eine Person, die „eine Pflegeerlaubnis besitzt, aber keine eigenen ‚festen‘ Tagespflegekinder bei sich zuhause betreut“. Die Ersatzbetreuung könne entweder bei dem regulären Pfleger, bei dem Ersatzpfleger oder in anderen Räumen stattfinden. Die Vorteile dieser Variante: Die Kinder blieben in ihrer gewohnten Gruppe. Die Betreuung sei von Montag bis Freitag möglich. Und die zusätzliche Betreuungsperson könne die regulären Tagespfleger unterstützen.

Für die Arbeitgeberkostenberechnung gehe man vorerst von einer Stelle mit 30 Wochenstunden aus, so Heberle: pro Jahr rund 35.000 Euro zuzüglich Fahrtkosten. Um diese Betreuung im Landkreis zu etablieren, solle sie vorerst in Landsberg und Kaufering angeboten werden, da es dort die meisten Tagespflegekinder gebe.

Was denn die Betreuungsperson mache, wenn niemand krank sei, wollte Moritz Hartmann (GAL) wissen. Neben der Unterstützung der Tagespfleger könne die Ersatzpflegeperson eventuelle Überstunden ausgleichen, so Rasch. Allerdings sei bei einer Vertretung im Krankheitsfall ein Stützpunkt empfehlenswert, in dem die Pflege stattfinden könne. Sonst müsse man ja fast die kranke Person im Schlafzimmer ‚einsperren‘. Allerdings müssten diese Stützpunkte flächendeckend sein.

Kreisgeschäftsführer des BRK Andreas Lehner stellte eine Refinanzierung der Kosten durch moderat erhöhte Elternbeiträge in Aussicht. Margarita Däubler (SPD) wollte davon nichts wissen. Das müsse der Landkreis tragen, „man darf damit nicht die Eltern belasten.“

Die Ersatzbetreuungsstelle à 30 Wochenstunden ab 2020 beschloss der Jugendhilfeausschuss einstimmig. Bewähre sich das Pflegemodell, könne man es in Zukunft auf den gesamten Landkreis ausweiten.

Susanne Greiner

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