Müllentsorgung in Corona-Zeiten

Landkreis Landsberg: Schlangestehen vor dem Wertstoffhof

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Lange Schlangen vor dem Abfallwirtschaftszentrum: In Hofstetten dürfen immer nur eine begrenzte Anzahl an Müllablieferern gleichzeitig aufs Gelände.

Hofstetten – Eine lange Autoschlange am Freitagnachmittag vor der Einfahrt des Wertstoffhofs Hofstetten. Der Grund: Seit dem 6. April ist er wieder geöffnet – nach 14 Tagen Schließzeit wegen der Coronakrise. Nun dürfen die Bürger die Sammelstelle wieder anfahren – allerdings gilt es, einige Dinge zu beachten.

„Der Wertstoffhof hatte zwei Wochen lang zu – aber die komplette Müllentsorgung des Landkreises ist weiter gelaufen“, betont Helmut Ludwig, im Landratsamt zuständig für die Betreuung der Abfalltechnik. Die verschiedenen Mülltonnen – Restmüll, Biomüll, Papiermüll oder gelbe Tonne – wurden ohne Unterbrechung weiterhin geleert.

Während der Schließzeit gab es Ausnahmen: Eine Öffnung wurde möglich gemacht für dringende Notfälle wie Umzug oder Wohnungsräumung. Diese konnten im Vorfeld telefonisch angemeldet werden. Jetzt sollen Wertstoffhof-Besuche  immer noch auf ein notwendiges Maß begrenzt werden. Das heißt zum einen: nicht wegen jeder Kleinigkeit kommen, sondern Wertstoffe sammeln, bis sich die Fahrt lohnt. Zum anderen darf zwar jeder anliefern – jedoch nur in dringenden Fällen. Das ist jedoch ein dehnbarer Begriff.

„Wir stellen trotz allem ein massiv erhöhtes Aufkommen fest“, sagt Ludwig. Es sei für ihn nicht verständlich, warum beispielsweise Problemmüll in verrosteten Dosen oder uralte Möbel gerade jetzt entsorgt werden müssten. So liefert ein Greifenberger Gartenabfälle, Baustoff und Sperrmüll: 20 Jahre alte Teller, die im Keller gelagert waren. Die Zeit sei jetzt gerade da. Da habe man eben entrümpelt. „Wir bitten um Verständnis, dass man nicht gerade zur Corona-Zeit Dinge entsorgen muss, die eh schon jahrelang gelagert wurden“, so Ludwig.

Auch würde verstärkt Grünmüll angeliefert. Schließlich gab es 14 Tage keine Möglichkeit – und es ist Gartenzeit. Eine Dame aus Finning bringt einen Anhänger voller Gartenabfälle und Äste. „Normalerweise bewahre ich die Äste auf bis zum jährlichen Osterfeuer – aber das ist dieses Jahr wegen Corona ausgefallen. Daher musste ich sie nun hier loswerden.“ Über Ostern habe sie auch im Garten gearbeitet – man müsse sich ja eh einschränken gerade, da könne man auch den Garten auf Vordermann bringen. Allerdings sollten die Leute nicht Kleinmengen an Gartenabfällen liefern, sondern dafür lieber die Biotonne benutzen. Das sei ein generelles Problem – die Kleinentsorgung von Müll. „Das ist nicht sinnvoll“, meint Ludwig.

Die Zahl der Personen, die sich gleichzeitig auf der Sammelstelle aufhalten, wird begrenzt. Wie viele Leute das genau sind, wird ganz individuell geregelt. „Wenn wir sehen, es staut sich hier im Hof, lassen wir keinen mehr rein“, erklärt Ludwig. Das führe schon mal zu längeren Autoschlangen. „Wir bemühen uns, alles nach und nach abzuarbeiten.“ Personell sei der Wertstoffhof so besetzt wie immer, weiteres Personal ließe sich nicht so leicht finden. „Alle haben dann eben etwas mehr zu tun“, so Ludwig. Er selbst packt auch mit an, obwohl er sonst im Landratsamt am Schreibtisch sitzt.

Wie in allen Bereichen, in denen Menschen in der Coronakrise miteinander in Kontakt treten können oder müssen, sind auch hier gewisse Grundregeln der Hygiene – wie zwei Meter Abstand halten oder richtiges Verhalten beim Husten und Niesen – zu beachten, die zwischenzeitlich wohl zur allgemeinen Selbstverständlichkeit geworden sein müssten.

Um Aufenthaltszeit zu sparen, sollten Müll und Wertstoffe vorsortiert werden. Das Personal sei nicht verpflichtet, für Anlieferer zu sortieren und abzuladen. „Wenn der Hof voll ist, haben wir dafür auch gar keine Zeit“, sagt Ludwig. „Und jetzt, in Corona-Zeiten, vermeiden wir das noch stärker.

‚Corona-Müll‘ ist übrigens gesondert zu behandeln: Alle Abfälle und Wertstoffe aus Haushaltungen, die vom Coronavirus betroffen sind, müssen in gut verschlossenen, reißfesten Beuteln oder Säcken in die Restmülltonne gegeben werden. Die vom Virus betroffenen Personen bekommen hierzu vom Gesundheitsamt ein spezielles Infoblatt.

Helmut Ludwig hat noch mehr Wünsche: dass die Leute eine Schutzmaske und feste Schuhe tragen, wenn sie ihre Abfälle abliefern. Und natürlich: dass sie Geduld mitbringen. Bis auf wenige Ausnahmen seien jedoch alle vernünftig. „Natürlich pressiert es trotzdem immer“, meint Ludwig. „Zum Teil hatten wir an die 500 Anlieferungen. Da wurde es schon mal etwas schwieriger mit der Geduld. Wir bitten um Verständnis, dass es nach dem Shutdown vielleicht manchmal noch nicht ganz rund lief. Aber wir mussten uns ja auch erst einmal neu sortieren.“
Andrea Schmelzle

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