Nächste Woche im Kreistag

Die Landschaftspflege im Landkreis Landsberg neu strukturieren

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Für die Landschaftspflege immer ein Thema: die Lechauen, hier an der Staustufe 15 bei Pitzling (links).

Landkreis – Wie gehen wir mit unserer Umwelt um? Und wie kann dieser Umgang so optimiert werden, dass Natur­schützer, Landwirte und auch die Kommunen an einem Strang ziehen? Ein Ziel, das sich die Landschaftspflegeverbände, deren Mitglieder sich aus allen drei Bereichen rekrutieren, gesetzt haben. Auch im Landkreis Landsberg soll nun ein solcher Verband gegründet werden. Der Kreis­ausschuss beschloss einstimmig, dem Kreistag eine Empfehlung zur Unterstützung der Gründung samt Beitrags- und Anschubfinanzierung durch den Landkreis zu geben. Am 1. Oktober soll das geschehen.

Der erste LPV Deutschlands wurde bereits 1985 gegründet. Und zwar in Bayern, genauer in Kehlheim. „Inzwischen sind in ganz Deutschland Verbände entstanden“, berichtet Beate Krettinger vom Dachverband der Landschaftsschutzverbände (LPV). Dennoch gebe es einige „weiße Flecken“, besonders rund um München. Auch der Landkreis Landsberg gehört dazu.

Ein LPV könne bei diversen Aufgaben helfen: einerseits bei der Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen wie beispielsweise bei Bauleitplanungen. Oder beim neuen Artenschutzgesetz – konkret beispielsweise bei der Pflege von Biotopen und dem Anlegen von insektengerechten Lebensräumen. Hilfe gebe es aber auch zur Erfüllung des Bundesnaturschutzgesetzes oder bei Richtlinien der Europäischen Union. Andererseits gelte es, Genehmigungen einzuholen und Verwaltungen zu entlasten – in Landsberg konkret die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt. „Auch der gesellschaftliche Anspruch an den Umweltschutz wächst“, betonte Krettinger. Weshalb ein LPV zudem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen könne. Nicht zuletzt sei die Akquise von Fördergeldern ein Ziel des LPVs. Eine Aufgabe, die Krettinger als „weitgefasstes Feld“ bezeichnete.

Der große Vorteil eines Landschaftspflegeverbands bestehe in der ‚Drittelparität‘ von Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen auch im Vorstand, so Krettinger. Zudem könnten alle Interessen „direkt vor Ort kontrovers vertreten“ werden. Die Gründung eines LPV sei freiwillig, jeder Verband werde vom Umweltministerium mit einem festen jährlichen Betrag unterstützt.

Krettinger stellte auch einen Zeitplan zur Gründung vor. Demnach dauere es erfahrungsgemäß rund zwei Jahre, bis ein Landschaftspflegeverband aus der Wiege gehoben werde. „Man darf dabei nicht an Personal sparen“, betonte sie. Und empfahl eine halbe bis ganze Fachstelle sowie eine halbe Verwaltungskraft. Eventuell könne man bereits vorab einen Arbeitskreis mit den einzelnen Gruppierungen einrichten.

Moore und Wiesen

Gerhard Däubler von der Unteren Naturschutzbehörde erläuterte die bisherige Arbeit des Amtes im Bereich Naturschutz. Begonnen habe die Landschaftspflege im Landkreis 1994 mit der Pflege von Biotopen wie Mooren oder Wiesen. Momentan habe man eine Pflegefläche von rund 100 Hektar. Die dafür notwendigen Maßnahmen kosteten den Landkreis 165.000 Euro pro Jahr, wobei jedoch sowohl der Freistaat (Umweltministerium) als auch der Bund für Naturschutz (BN) sowie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) finanzielle Unterstützung leisteten. Insgesamt stehe man dabei mit 35 bis 40 Landwirten oder sonstigen Grundstückseigentümern in Kontakt.

Bisher aktiv seien neben dem Landkreis die Schutzgemeinschaft Ammersee, die Arbeitsgemeinschaft Pflaumdorfer Moos, der LBV, der BN sowie der Verein Lebensraum Lechtal. „Wir leben Landschaftspflege im Kleinen“, berichtete Eresings Bürgermeister Josef Loy (CSU). Umso mehr sei eine Professionalisierung wünschenswert. Ebenso müsse man „die Landwirte mitnehmen“. Eine Ansicht, die auch Renate Standfest (GAL) vertrat. Wer die Entscheidungen treffe, welche Fläche geschützt werde, fragte Albert Thurner (SPD). „Der LPV entscheidet selbst“, so Däubler. Allerdings habe er Beistand von einem Fachbeirat. „Die Verwaltungen der Kommunen arbeiten hier zu.“

Weitere 150 Hektar

Als weitere potentielle Gebiete für die Landschaftspflege zieht Däubler eine Fläche von insgesamt rund 150 Hektar in Betracht. Dabei seien eventuelle Ausgleichsflächen noch nicht berücksichtigt – Flächen, bei denen der LPV besonders gefordert sei. In strittigen Fällen entscheide der Vorstand, in dem ja alle drei Parteien paritätisch vertreten seien. Der Verband trete dabei als „Betreuer“ der Flächen auf. Eine frühestmögliche Gründung sieht Däubler Mitte 2020, erste Aktivitäten ab Januar 2021.

Zudem stellte Däubler einen Finanzplan auf. „So viel Unterstützung erfahren wir selten“, freute sich Krettinger. Dieser sieht vor, dass die Kosten für die Landschaftspflege des Landkreises trotz finanzieller Unterstützung des LPVs in Höhe von einem Euro pro Landkreisbewohner plus sechsjähriger Anschubfinanzierung (im ersten Jahr 25.000 Euro, im zweiten 125.000 Euro und in den folgenden vier Jahren jeweils 35.000 Euro) dank einem dreijährigen Zuschuss vom Freistaat (122.000 Euro pro Jahr) nicht steigen.

Insbesondere, da nach Gründung des LPV die ursprünglichen Kosten für Landschaftspflegemaßnahmen in Höhe von jährlich 165.000 Euro auf den Posten „Projektmittel zur Biodiversität im Naturschutz“ in Höhe von 30.000 Euro reduziert werden könnten. Ab dem Jahr 2026 lägen die Kosten für den Landkreis dann bei 30.000 Euro Projektmittel sowie 120.000 Euro LPV-Mitgliedsbeitrag – je nach Anzahl der Landkreiseinwohner.

Bereits im Frühjahr hatte auch der Bayerische Bauernverband zum Thema „Gründung eines Landschaftspflegeverbands“ in Kaufering zum Treffen geladen, bei dem sowohl Politiker als auch Landwirte sowie Vertreter des LPV Ebersberg anwesend waren.

Der Kreisausschuss stimmte einstimmig dafür, dem Kreistag die Unterstützung einer LPV-­Gründung zu empfehlen. Dabei solle der Landkreis Landsberg eine jährliche finanzielle Stütze in Höhe von einem Euro pro Landkreisbewohner leisten. Zusätzlich soll die oben beschriebene Anschubfinanzierung in den ersten sechs Jahren gewährleistet werden. Am Dienstag kommender Woche ist es Thema im Kreistag.
Susanne Greiner

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