Endlich ist der Exit da

Landkreis Landsberg: Wenn Fahrschulen wieder öffnen dürfen

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Markus Mayr freut sich, dass er endlich wieder Fahrunterricht geben kann.Foto: Osman

Penzing – Keine Fahrstunden, kein Theorieunterricht, keine Prüfungen – wer in den vergangenen Wochen seinen Führerschein machen wollte, den hat das Corona-Virus ausgebremst. Für die Fahrschulen wurde die Zwangspause zunehmend ein Problem. Umso mehr freuen sich die Fahrschulbesitzer über die Entscheidung des Freistaats, seit Montag wieder Fahrstunden – mit Maske und Distanz – zu ermöglichen.

„Das freut mich sehr, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Markus Mayr. Er ist Inhaber einer seit 35 Jahren bestehenden Fahrschule in Penzing. Sein Betrieb – wie der aller anderen Fahrschulen in Bayern – ruhte seit Mitte März. „Ich hatte das Gefühl, dass unsere Branche von der Politik vergessen wurde“, sagt Mayr. Zu lange fehlten Pläne, wann und wie es weitergehen könnte. Bis zum 19. April habe man stillgehalten und auf den jeweils nächsten Stichtag gewartet. „Aber allmählich hatte es da schon rumort“, erinnert sich der Fahrschulinhaber.

Ähnlich äußerte sich Jürgen Kopp, Vorstand des Landesverbands Bayerischer Fahrlehrer, gegenüber dem Münchner Merkur. „Von den Fahrschulen hat lange keiner gesprochen.“ Am Freitag verschickte der Verband ein Schreiben an die Fahrschulen, das Regeln für die erste Betriebswoche beinhaltet. Beim Theorieunterricht muss der Sicherheitsabstand gewahrt werden, dann sei auch die Maske keine Pflicht. Fahrstunden dürften nicht länger als 60 Minuten dauern, mit Masken-Pflicht. Ob man nach den 60 Minuten eine Pause machen dürfe, geschweige denn, wie lange diese Pause sein müsse, stehe nicht in dem Schreiben. „Ich hoffe, diese Regel hat nach dem 15. Mai keinen Bestand“, sagt Mayr. Eine normale Fahrstunde dauere 45 Minuten, für Autobahnfahrten sitze man ja oft länger im Auto, „und warum sollten wir nicht 90 Minuten mit dem gleichen Fahrschüler im Auto sitzen?“ Dazu komme auch noch das desinfizieren des Autos nach jeder Fahrstunde, das auch Zeit brauche. „In dieser Woche halten wir uns natürlich an die 60-Minuten-Regel. Länger schafft man das mit Maske eh nicht“, sagt Mayr. Eine weitere Regel, die Mayr nicht wirklich nachvollziehbar findet, ist das Verbot des Fahrunterrichts für Personen, die bereits einen Führerschein haben. Also zum Beispiel jemand, der noch den Lkw-Schein machen möchte. „Das wäre auf Dauer auch schwer umsetzbar.“

Insgesamt gebe es aber kaum ein Problem für ihn bei der Umsetzung. Denn Mayrs Fahrschule ist groß. „Die Räume für den Unterricht sind 60 bis 80 Qua­dratmeter groß. Die Tische zwei Meter auseinander zu stellen, ist überhaupt kein Problem.“ Zudem hat Mayr ausreichend Lehrer, sodass die Theorieklassen einfach geteilt, dafür aber fast doppelt so häufig stattfinden können. „Bei kleineren Schulen gibt es da natürlich ein Problem“, weiß Mayr.

Wer das Pech hatte, kurz vor dem Lockdown die Ausbildung abzuschließen und nur noch die Prüfung hätte machen müssen, kann sich nun auf Auffrischungsstunden einstellen. „Zwei, drei“ werde es mindestens brauchen, um sich wieder prüfungsfit zu machen, schätzt Mayr. Da nützt es auch nichts, dass die Frist zwischen der theoretischen und der praktischen Prüfung jetzt von einem auf eineinhalb Jahre verlängert wurde. „Das ist zwar richtig und gut“, so Kopp zum Merkur. „Aber es löst das Problem der Schulen nicht.“

Für viele Betriebe ging es während der Schließung um mehr als nur den Wegfall von Unterrichtsgebühren. Auf dem Hof von Mayr stehen acht neue Autos. Er habe „mega-investiert“ und – wie alle zwei Jahre üblich – die Hälfte seines Fuhrparks ausgewechselt. Jetzt konnte er die Neuwagen knapp acht Wochen nicht einsetzen und ist auch die alten nicht losgeworden – denn die verkauft er meist ins Ausland.

Kein Risiko

Von seinen 16 Mitarbeitern mussten elf in Kurzarbeit („auf null“). Mayr und seine Frau saßen im Büro und bekamen jeden Tag Anrufe – von Schülern, die wissen wollten, wann und wie es weitergeht. Und von anderen, die ihre bereits gebuchten Moped- und Motorradstunden absagten, weil sie oder ihre Eltern sich den Luxus in der Krise wegen Einnahmeeinbußen nicht mehr leisten konnten.

Gerade bei den Krafträdern wären die Abstandsregelungen kein Problem gewesen. Der Schüler sitzt allein auf der Maschine, der Lehrer allein im Auto. Auch im Lkw trennen Ausbilder und Schüler zwei Meter – Mayr hat es nachgemessen.

Im Auto sitzen Fahrlehrer und Schüler zwar relativ nah nebeneinander, aber mit Mundschutz und Desinfektion wird auch das risikolos gehen, ist der Fahrschul­inhaber überzeugt.
Ulrike Osman

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