Wenn das Bayerische Staatswappen auf der Postwurfsendung landet

Landkreis Landsberg: Werben mit Wappen

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Mit dem bayerischen Wappen zu werben - auch wenn es eine alte Version ist - geht gar nicht. Das weiß jetzt auch ein Fachbetrieb aus aus dem Landkreis.

Landkreis/Weil – Zugegeben, die Aktion hat vielerorts für Auf­merksam­keit gesorgt, doch seriöse Werbung sieht anders aus. Ein „regionaler Fachbetrieb“ aus Weil warb jüngst mit einer außergewöhnlichen Postwurfsendung für seine Dienstleistungen rund ums Haus. Sie war bestückt mit dem Bayerischen Staatswappen. Das darf nicht sein und das könnte für den Unternehmer jetzt richtig teuer werden.

Mindestens zweimal im Juli landete die ungewöhnliche Werbeaktion des Baudienstleisters in vielen Briefkästen im Landkreis. Und so mancher Hausbesitzer wird den Briefumschlag mit Erstaunen aus der Post gezogen haben. „Wichtige Information“ ist darauf in Rot zu lesen und ein „Nur vom Empfänger persönlich zu öffnen“.

Gleich daneben prangt das nicht mehr aktuelle Bayerische Staatswappen der Jahre 1923 bis 1936 sowie die volle Adresse des namentlich nicht genannten Empfängers. Der Absender macht die Sache noch rund. All das kann man bei der Post ordern. „Postwurfspezial – teiladressiert werben“ nennt sich das DHL-Produkt. Natürlich kommt drauf, was der Kunde gerne sehen möchte. „Sie bestellen, wir drucken und verteilen.“

Doch Vorsicht: Wenn es das Bayerische Staatswappen sein soll, dann kann das für mächtig Ärger sorgen. Sowohl das kleine als auch das große Wappen darf zu künstlerischen, kunstgewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken, im Unterricht und in der staatsbürgerlichen Bildung und in anderen Fällen nur mit Genehmigung verwendet werden.

Bayernweit zuständig dafür ist die Regierung von Oberfranken. Und dort liegt kein Antrag des Unternehmers aus Weil vor, wie Pressesprecherin Dr. Alexa Buckler auf Anfrage des KREISBOTEN wissen lässt. Ohnehin wäre der Antrag ins Leere gegangen, da die Verwendung des Staatswappens für den gewerblichen Bereich „grundsätzlich nicht in Betracht“ komme.

Die wappenbestückte Postwurfsendung aus Weil ist inzwischen nicht nur im Landkreis Landsberg bekannt, sondern auch im Innenministerium, das jedoch „im Hinblick auf das laufende Verfahren“ keine Auskünfte erteilt. Bekannt ist sie aber auch bei der Regierungsstelle in Bayreuth. Sie hat das Landratsamt Landsberg aufgefordert, den Vorgang zu prüfen und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. Und das könnte zu einem „empfindlichen Bußgeld“ führen, wie Pressesprecher des Landratsamtes Wolfgang Müller bestätigt. In der Kreisbehörde sei in dieser Angelegenheit eine Reihe von Anrufen erstaunter Landkreisbürger eingegangen.

Und was sagt der Auftraggeber dazu? Das Staatswappen sei aufgrund einer „Unabsichtlichkeit von der Postfirma“ auf der Werbesendung gelandet, reagiert Mario B. höchst erbost auf die Nachfrage des KREISBOTEN. Es werde auch nicht wieder vorkommen, denn er habe ja schon eine Unterlassungserklärung auf dem Tisch liegen.
Toni Schwaiger

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