Neue Mobilitäts-App geplant

Landkreis Landsberg will mit uRyde ans Ziel

Handy mit Navigationssystem
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Die Mobilitäts-App uRyde soll im Landkreis für mehr Beweglichkeit sorgen.

Landkreis – Kein Auto da, der nächste Bus fährt erst in zwei Stunden – und wie komme ich jetzt von A nach B? Eine Situation, die viele Bürger im Flächenlandkreis Landsberg kennen. Die Initiative mobi-LL vom Ammersee ist das Problem bereits mit den Mitfahrerbänken angegangen. Leider bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Jetzt setzt die Initiative auf eine Mobilitäts-App – sozusagen auf virtuelle Mitfahrerbänke. Der Antrag von mobi-LL-­­Initiatorin Sabine Pitroff auf Empfehlung der App-Einführung an den Kreistag wurde im Mobilitätsausschuss einstimmig beschlossen.

Der Landkreis liegt mit 700 Pkw pro 1.000 Einwohner ganz oben in Bayern, sagt Pitroff. Ein ‚dichteres‘ Verhältnis Bewohner/Pkw gebe es kaum. „Momentan kommen auf einen Pkw 1,1 Personen. Wir streben da 1,4 an.“ Dabei soll die App der Wahl helfen: uRyde, erschaffen von einem Startup aus Erlangen, deren Server in Europa lokalisiert ist – mit ein Grund für Pitroff,  diese App zu wählen und nicht die eines anderen Anbieters, über den man sich informiert habe, der aber „die Anforderungen nicht ganz erfüllen“ könne, begründet die Schondorferin.

uRyde hingegen „passt die Oberfläche an unsere Bedürfnisse an“. Pitroff verglich die App mit „Uber für Privatpersonen“. Wobei es sich nicht um ein Transport von Haustür zu Haustür handele: „Damit würden wir ja in Konkurrenz zu Taxi­unternehmen gehen“, was nicht gewollt sei. uRyde bediene sich „virtueller Haltestellen“ in rund 500 Meter Abstand zueinander.

Zahlen müssten User, die die App verwenden wollen, dafür nicht – wenn der Landkreis neben den Kosten für die Set-up-Gebühr und die Öffentlichkeitsarbeit auch die für die Lizenzen übernimmt. Pitroff rechnet dafür insgesamt mit gut 180.000 Euro. Wobei sie den Landkreis bei den Lizenzen – 90 Cent pro Lizenz und Monat – nur für den Start in die Verpflichtung nehmen will: Ist die kritische Nutzerzahl von 10.000 gewährleistet, könnten die Mitfahrer zum Beispiel 50 Cent pro Fahrt Gebühr zahlen. Der Kauf der 10.000 notwendigen Lizenzen müsse aber nicht auf einmal geschehen. Man könne sie je nach Bedarf zeitlich versetzt erwerben.

Etwas Gutes tun

Das Prinzip von uRyde ist simpel: Anwender registrieren sich entweder als Fahrer oder Mitfahrer. Fährt nun ein User von Dießen nach Landsberg und sieht die Anfrage eines Uttingers, der mit möchte, kann er diese annehmen oder ablehnen. Nimmt er sie an, erscheint beim Mitfahrer die Nachricht, dass er abgeholt wird. Als Benzinkosten kann der Fahrer maximal 35 Cent pro Kilometer verlangen; er kann das Geld aber auch spenden, zum Beispiel für eine wohltätige Organisation im Landkreis Landsberg. „Etwas Gutes tun, das wäre ein weiterer Anreiz für User“, regt Pitroff an.

Dass die App aufgrund effektiverer Pkw-Nutzung die Umweltbelastung reduzieren kann, ist offensichtlich. Ein weiterer Vorteil sei, dass Mitfahrten mit uRyde spontan möglich sind, so Pitroff. Immerhin gäbe es in Dießen im Durchschnitt pro Minute ein Auto. Das von der App mitgenutzte Navigationssystem gebe den Umweg an und leite vom neuen Ort zum Ziel weiter.

Aber mobi-LL sieht weitere Vorteile. So könnte eine spätere Vernetzung mit Abfahrtszeiten für Bus, Bahn oder auch S-Bahn möglich sein, auch ein Ticketkauf über die App ist machbar – aber dafür würden weitaus höhere Kosten entstehen. Durch die im Navi gesammelten Daten könne schließlich auch der Landkreis direkt profitieren: Daten, die er für das Nahverkehrskonzept nutzen kann. Insbesondere, wenn beispielsweise MVV oder Deutsche Bahn keine Daten zur Verfügung stellen könnten.

Als Einführungstermin setzt Pitroff den Mai kommenden Jahres. Bis dahin müsse massiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Denn wichtig sei an erster Stelle, die kritische Nutzerzahl 10.000 zu erreichen. Auch die Gemeinden wolle man einbinden. Sollte alles funktionieren, wäre Landsberg sozusagen der Pilot-Landkreis. Denn bisher werde die App – konzipiert für Unternehmen und Kommunen – nur innerhalb von Unternehmen genutzt. mobi-LL sei bereits in Kontakt mit den MVV sowie allen Nachbarlandkreisen. „Starnberg und Ostallgäu wollen auch mitmachen.“ Zur Durchführung stellt sich Pitroff einen festen Ansprechpartner im Landratsamt vor – beispielsweise Klimanagerin Andrea Ruprecht. „Aber mobi-LL wird das Projekt begleiten.“ Arbeit entstehe anfangs kaum. Erst eine mögliche Datenauswertung erfordere einen gewissen Aufwand.

Die Chance nutzen

Heidrun Hausen (CSU) sprach sich für das Vorhaben aus. Man solle sich aber jetzt noch nicht auf eine bestimmte App festlegen und zuerst andere Anbieter prüfen. Man habe den Pitch mit dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) gehabt, erwiderte Pitroff. Und uRyde sei die Empfehlung des WZB. „Ich glaube, es ist schon alles geprüft.“

Lennart Möller (Grüne) betonte die Notwendigkeit der App. „Bitte nutzen Sie diese Chance, um auch eine jüngere Zielgruppe anzusprechen.“ Er denke jedoch, dass das angesetzte Budget für Öffentlichkeitsarbeit – 10.000 Euro – bei Weitem nicht ausreiche. „Das sollte man auf ein solides Fundament stellen“. Auch Fraktionskollegin Gabriele Übler sprach sich dafür aus. Man solle die Öffentlichkeitsarbeit an eine externe Agentur abgeben, vorausgesetzt, es gebe Fördermöglichkeiten.

Die Kreisverwaltung werde alle möglichen Förderprogramme prüfen, betonte Landrat Thomas Eichinger (CSU). 10.000 Euro reichten für eine effektive Öffentlichkeitsarbeit sicher nicht aus: „Es kann sein, dass wir dieses Budget aufbohren. Wir werden das vorerst gelassen betrachten.“ Öffentlichkeitsarbeit sei notwendig, um den Mehrwert der App für den Nutzer sichtbar zu machen. Nur so könne man 10.000 Nutzer erreichen. Man habe mit der App zwar relativ hohe Grundkosten. Aber der Landkreis betreibe ja auch defizitäre Buslinien.

Leonhard Welzmiller (CSU) und Peter Fastl (FW) hakten beim Problem Datenschutz nach. Immerhin werde Abfahrt und Ankunft erfasst, eventuell noch die Bankverbindung, sollte eine Bezahlung via App genutzt werden. „Da macht man sich nackig“, so Fastl. Die Daten würden wie bei jeder App erfasst, erwiderte Pitroff. Das WZB habe zusätzlich eine Kontrolle von Führerschein und Ausweis empfohlen – worauf mobi-LL gerade aus Datenschutzgründen eher verzichten wolle. Auch die Zahlung via App sei nicht geplant, sie werde zudem auch nicht empfohlen.

Der Mobilitätsaussschuss beschloss einstimmig, die Einführung der App und die Bewerbung bei den Kommunen zu empfehlen. Ebenso wird die Verwaltung beauftragt, die notwendigen Mittel bereitzustellen und gemeinsam mit mobi-LL die ersten Schritte anzugehen.
Susanne Greiner

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