Ummendorfer Straße, Ortseingang Landsberg:

Nun kommt die Mittelinsel doch

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Die Ummendorfer Straße im Südosten Landsbergs wird derzeit ausgebaut. Der Landkreis sieht dabei am Ortseingang eine Mittelinsel vor, die die Stadt stets verweigert hatte.

Landkreis – Die Ummendorfer Straße wird wegen „Straßenbauarbeiten“ für sieben bis neun Wochen gesperrt, teilte das Landratsamt Landsberg vor wenigen Tagen in spärlichen Worten mit. Eine Nachfrage des KREISBOTEN ergibt zunächst nichts Ungewöhnliches: Die LL 15, die Landsberg mit Pürgen und Ummendorf verbindet, wird sechs Meter breit und erhält eine neue Fahrbahndecke. Sie schließt damit nahtlos an den bereits ausgebauten städtischen Teil an. Doch dann folgt eine politisch brisante Information: Der Landkreis verwirklicht auch die Mittelinsel, die die Stadt den Anwohnern verweigert hat.

Eine solche temporeduzierende Mittelinsel war von den Anrainern und dem in der Nachbarschaft wohnenden Stadtrat Jost Handtrack (Grüne) schon lange gefordert worden. Ordnungsamtschef Ernst Müller hatte das auch zur Kenntnis genommen. „Wir werden die Kollegen des städtischen Tiefbauamts bitten, Ihren Vorschlag zum Einbau einer Verkehrsinsel zu prüfen“, schrieb er im Oktober 2015 an Ilse Walter, die sich stellvertretend für viele Betroffene an die Stadt gewandt hatte.

Die Gelegenheit war günstig: Für Januar 2016 war die Ausschreibung der Straßenerneuerung geplant. Dabei wurde der städtische Teil der Straße auf eine Breite von sechs Metern erweitert. Eine intensive Prüfung durch das Baureferat hat aber wohl gar nicht stattgefunden. In der Ausschreibung war eine Verkehrsinsel jedenfalls noch nicht einmal optional enthalten. Und als Stadtrat Handtrack in der Sitzung des Finanzausschusses am 2. März 2016 nachfragte, ob man sie nicht nachträglich ausschreiben könne, argumentierte Tiefbauamtschef Hans Huttenloher, dazu sei es jetzt zu spät; dann sei die Baufirma nicht mehr an die angebotenen Preise gebunden.

Problem Schwerverkehr

Über etwaige sachliche Gründe gegen eine Mittelinsel verlautete dabei nichts. Allerdings wurde deutlich, dass Ordnungsamtschef Müller kein Freund einer solchen Baumaßnahme war. Er argumentierte zunächst, eine Insel behindere „sämtlichen Schwerverkehr“. Später argumentiert er: Dass „etliche“ Kraftfahrer ihr Fahrzeug stadteinwärts ausrollen lassen und stadtauswärts beim Erkennen der Ortstafel bereits wieder beschleunigen, sei auf einer Kreisstraße am Ortseingang nun mal so. Auch Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) ließ Ilse Walter in einer Bürgerversammlung abblitzen. Er wies darauf hin, dass es schon Beschwerden von Lkw- und Busfahrern gegen die leichte Verschwenkung am Anfang der Ummendorfer Straße gebe; das erschwere den Begegnungsverkehr. Eine Mittel­insel würde noch mehr Protest nach sich ziehen.

Aber kann man eine sechs Meter breite und aufgrund neuer Fahrbahndecke gut befahrbare Straße, die in einen Ort hineinführt, wirklich ohne eine Maßnahme zur Temporeduzierung planen? Wenn wir Landrats­amts-Sprecherin Anna Diem richtig verstehen, eigentlich nicht. Die jeweiligen Träger der Straßenbaulast seien nach einer Empfehlung gehalten, bei einer Straßenbreite von sechs Metern oder mehr an Ortseingängen Mittelinseln vorzusehen, teilte sie dem KREISBOTEN mit. Der Landkreis folge dieser Empfehlung stets, es sei denn, dies sei ausnahmsweise nicht möglich, etwa weil ihm das nötige Grundstück fehlt. Mit der Mittelinsel an Ortseinfahrten werde verdeutlicht, dass an dieser Stelle „etwas Neues“ beginnt, ergänzte Diem. Damit werde die Geschwindigkeit automatisch reduziert.

Regelfall Mittelinsel

Für die Anwohner ist es letztlich gleichgültig, ob die Mittel­insel auf dem kreis- oder dem stadteigenen Teil der Ummendorfer Straße errichtet wird; ihre Wirkung erfüllt sie hier wie dort. Nicht gleichgültig kann den Anliegern allerdings sein, dass die Stadt ihren Wunsch zwei Jahre lang abgelehnt hat, obwohl Mittelinseln in einer solche Konstellation üblich sind. Die Anwohner hatten Dutzende von Beispielen dafür gefunden; die Fotos aus anderen Orten, auf denen an Ortseingängen lauter Mittelinseln zu sehen gewesen seien, hätten aber niemanden beeindruckt.

Und noch in einem anderen Punkt sind die Anlieger sauer. Die Stadt habe öfter argumentiert, eine Mittelinsel sei überflüssig, weil es auf einer Seite keinen Gehweg gebe und die Straßenquerung nicht erforderlich sei. Nun stelle sich heraus, dass Beides offenbar gar nichts miteinander zu tun habe. Die Mittelinsel diene eher der Temporeduzierung, die Querungshilfe der Straßenüberquerung. Landratsamts-Sprecherin Anna Diem bestätigte das indirekt. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN wies sie darauf hin, der Kreis verwirkliche „eine Mittelinsel, keine Querungshilfe“. Die Mittelinsel könne aber später auf einfache Weise zur Querungshilfe ausgebaut werden.

Werner Lauff

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