Keine Extrawurst beim Impfen

Landrat Thomas Eichinger nimmt Stellung zur aktuellen Impfsituation im Landkreis Landsberg

Impfspritze mit Impfstoff.
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Auch im Landkreis ist die Impfbereitschaft der Bürger ins Stocken geraten.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landkreis – Inzwischen sind in Deutschland gut 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Quote reicht von über 70 Prozent in Bremen bis zu rund 54 Prozent im Freistaat Sachsen. Bayern liegt dabei mit gut 60 Prozent auf den hinteren Rängen. Im Landkreis Landsberg scheint die Impfquote noch niedriger zu liegen. Die Impf-Aktionswoche hat versucht, die Impfwilligkeit der Bürger anzukurbeln. Doch die Quote stagniert weiterhin – trotz drohender Einschränkungen für Nichtgeimpfte. Der KREISBOTE hat Landrat Thomas Eichinger mehrere Fragen zur aktuellen Situation gestellt.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation bezüglich des Impfens im Landkreis Landsberg? Laut Impfzahlen des Landratsamtes liegt der Landkreis hinter den anderen bayerischen Landkreisen zurück, Bayern weist insgesamt einen relativ niedrigen Impfstatus auf. Diese Zahlen sind aber ja nicht wirklich absolut aussagekräftig.

Thomas Eichinger: „Gegenwärtig sind nun etwas mehr als die Hälfte der Menschen in unserem Landkreis nachweisbar vollständig geimpft. Die Hersteller BioNTech/Pfizer und Moderna arbeiten aktuell ja auch an Impfstoffen für Kinder bis zwölf Jahren. Diese Altersgruppe macht in unserem Landkreis gut zehn Prozent der Einwohner aus.

Tatsächlich ist die Aussagekraft der statistischen Vergleiche einzelner Landkreise mittlerweile überaus gering, seitdem es jeder Person freigestellt ist, sich flexibel und unabhängig von der eigenen Meldeadresse auch bei den Betriebsärzten, anderen Hausarztpraxen oder in benachbarten Impfzentren impfen zu lassen. Der Ort der Impfvorsorge und in welcher Statistik welche Impfung erfasst worden ist, spielt daher gewissermaßen eine eher untergeordnete Rolle, wenn wir an einer deutschlandweit hohen Impfquote Interesse haben.

So steht auch in unserem Landkreis allen Bürgerinnen und Bürgern das Impfzentrum in Penzing nach wie vor zur Vereinbarung eines Impftermins zur Verfügung. Unserer Überzeugung nach kann ein hoher Anteil Geimpfter einer vierten Welle der Covid-19-Pandemie im Herbst natürlich besser Widerstand leisten. Wir müssen auch in den nächsten Wochen mit fortschreitenden Infektionen vorwiegend im Bereich der Ungeimpften rechnen.

Landrat Thomas Eichinger am Arbeitsplatz.

Ich hoffe aber, dass wir durch weitere Impfungen und auch durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen die Infektionszahlen trotzdem weiterhin niedrig halten können und damit Klinikeinweisungen nur in geringem Umfang befürchten müssen.“

Warum gab es im Landkreis keine speziellen Aktionen anlässlich der bundesweiten Impf-Aktionswoche?

Eichinger: „Sowohl im Impfzentrum des Landkreises als auch bei den Hausärzten können weiterhin Impftermine vereinbart werden. Impf-Aktionswochen gab es bei uns im Landkreis nicht erst jetzt, sondern bereits im Laufe der letzten Wochen und Monate des Sommers. Im Rahmen einer ganzen Reihe von Impfaktionen im öffentlichen Raum war dabei zuletzt eine deutliche Sättigung der Impfbereitschaft erkennbar.“

Was sind die Gründe der Landkreisbürger, sich nicht impfen zu lassen? Oder weist der Landkreis zum Beispiel einen besonders hohen Anteil an Unter-12-Jährigen oder anderen ‚Nicht-Impf-Fähigen‘ auf?

Eichinger: „Über die Gründe möchte ich nicht spekulieren. Aus Gesprächen mit einzelnen Bürgern weiß ich von meist subjektiven Einschätzungen hinsichtlich der Risikoabwägung einer Gesundheitsgefährdung, die dazu führen, sich nicht impfen zu lassen. Solche gesundheitlichen und somit hoch-individuellen Risikoabwägungen muss jede Person für sich selbst treffen und gilt es weiterhin zu respektieren.“

Welche Maßnahmen könnten seitens der Landes- oder Bundespolitik ergriffen werden, um die Impfbereitschaft zu verbessern? Was halten Sie von der kostenlosen Weißwurst und ähnlichen Aktionen?

Eichinger: „Da es sich bei jeder Impfvorsorge um eine gesundheitliche Vorsorge handelt, sollte eine solche Vorsorgemaßnahme weiterhin freigehalten werden von ablenkenden dritten Motiven. Der eigenen Gesundheitsvorsorge sollte man einen entsprechend ernsthaften Rahmen setzen, der Raum gibt für ganz bewusste Entscheidungen.“

Corona-Sprechzeiten

Welche Maßnahmen könnten Sie auf Landkreis-Ebene ergreifen, um die Impfbereitschaft zu erhöhen?

Eichinger: „Impfaufrufe habe ich wiederholt veröffentlicht; persönlich und regelmäßig im Verlauf des Frühsommers und der Sommermonate, auch in den sozialen Medien, um jüngere Generationen anzusprechen. Entsprechende Aufklärung und Überzeugungsarbeit hinsichtlich der gesundheitlichen Vorteile einer Impfung wird in unserem Landkreis dabei in engagierter Form durch unser Pandemiezentrum in Penzing, eine eigene Hotline und die Arztpraxen geleistet.

Anfang Oktober dieses Jahres beabsichtigen wir im Landratsamt zudem die Schaffung einer telefonischen Auskunft, die regelmäßig Sprechzeiten anbieten wird bei persönlichen Fragen einer Corona-Impfung. So können wir sich hinsichtlich der Impfvorsorge weiterhin ergebende Anfragen der Bürgerinnen und Bürger noch individueller und direkter beantworten.“

Wie stehen Sie zu möglichen oder bereits existierenden Einschränkungen Nicht-Geimpfter (kostenpflichtige Tests, kein Einlass bei Veranstaltungen, Wegfall der staatlichen Lohnentschädigung, wenn ein Nicht-Geimpfter in Quarantäne muss)?

Eichinger: „Hier wird sich zeigen und bleibt abzuwarten, welche Entscheidungsgrundlagen sich auf bundespolitischer Ebene in den kommenden Wochen bilden werden. Dabei gilt es natürlich Rücksicht auf Argumente gesundheitlicher Risikopatienten zu nehmen, die sich möglicherweise aufgrund von Allergien oder Ähnlichem nicht impfen lassen können. Grundsätzlich sollten solche Fälle jedoch nicht die Mehrheit in unserem Land ausmachen. Ich darf an dieser Stelle daher nur nochmals hervorheben, dass ich jede positive Entscheidung für eine persönliche Impfvorsorge begrüße und im Sinne der gegenseitigen Fürsorge gutheiße. Schließlich schützt eine Impfung meist nicht nur die einzelne Person, sondern kann auch bedeutend die Weiterverbreitung einer Infektionskette unterbinden.“

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