Wohin mit dem Neubau?

"Üppiges" Amt mit "Sogwirkung"

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So könnte der erste von drei Bauabschnitten eines neuen Landsberger Landratsamtes am Penzinger Feld aussehen. Den Konzept­entwurf präsentierten Landrat Thomas Eichinger und Kreisbaumeister Christian Kusch erstmals im Dezember.

Landsberg – Wenn der Landrat in den Stadtrat kommt, um über den geplanten zentralen Erweiterungsbau des Landrats­amts zu informieren, kann er sich nicht entspannt zurücklehnen: Die Stadt muss den Bau genehmigen, über die Kreisumlage das Geld dafür geben und über die Kreisräte, die zum Teil auch Stadträte sind, dem Vorhaben zustimmen. Kein Wunder, dass Thomas Eichinger (CSU) den Termin am Mittwoch ernst nahm. Dabei zeigte er sich für alle Standortideen offen, selbst für die Nutzung des „Trenngrüns“ zwischen Landsberg und Kaufering.

Er werde alle Vorschläge in die beim „Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum“ in Auftrag gegebene Standortanalyse einbeziehen, versprach Eichinger. Die von Stadtrat Reinhard Skobrinsky (BAL) vorgeschlagene Verwendung des Trenngrüns kann er dabei aber wohl aussparen; das fände in Landsberg kaum eine Mehrheit. Bereits in die Prüfung aufgenommen sind der Schlüsselanger, das Gelände des Landratsamts selbst und natürlich das Areal, das der Landkreis bereits vom Kloster der Dominikanerinnen im Tauschwege erworben hat, südöstlich des Fachmarktzentrums in direkter Nachbarschaft zu Reisacher, Lidl und Aldi. „Für Wohnbebauung eignet sich das Grundstück ja weniger“, sagte Eichinger.

Neues Bürozentrum

Das stimmt. Aber ist die Zusammenfassung der Landratsamt-Außenstellen mit immerhin „160 Mitarbeitern plus X“ an dieser Stelle wirklich eine gute Idee? UBV-Stadtrat Reinhard Steuer zweifelt daran. „Dieser Standort hat negative Sogwirkung auf die Innenstadt“. Dies gelte umso mehr, als der Landrat ja vierstöckig in U-Form bauen wolle und mit erheblichen Reserven plane; „Sie müssen untervermieten, um diese Baugröße zu rechtfertigen“. Dadurch entstünde vor den Toren der Stadt ein neues Bürozentrum.

Präsentierte die Neubaupläne für die Kreisbehörde: Landrat Thomas Eichinger.

Die Bosse-Wiese sei ihm da deutlich lieber: „Da können die Mitarbeiter und Besucher zu Fuß in die Innenstadt gehen.“ Steuer sagte auch voraus, dass das Landratsamt sich nach kurzer Zeit auch vom Standort „Von-Kühlmann-Straße“ verabschieden würde, denn das dortige Areal sei ja gut vermarktbar und im Osten sei für die dann noch nicht umgesiedelten Mitarbeiter (196 plus X) noch sehr viel Platz.

Eher in seiner Rolle als größter Geldgeber des Landkreises befasste sich der Stadtrat mit dem „plus X“ der Personalplanung. Zwischen 2006 und 2017 sei die Mitarbeiterzahl des staatlichen und kommunalen Landratsamts jedes Jahr um fünf Prozent gestiegen, berichtete der Landrat. „Die Aufgaben wachsen. Insbesondere die Asylkrise und die Zuwanderung erfordern neues Personal“, erklärte er. Für die Zukunft gehe der Kreis von einer jährlichen Zunahme der Mitarbeiter um drei Prozent aus. Demnächst eröffne der Landkreis, wenn der Kreisausschuss zustimme, seine 13. Außenstelle. „Wir wollen in Landsberg bleiben, aber wir wollen alle Erweiterungen zusammenfassen“.

Auch die Zulassungsstelle solle dann in das neue Gebäude umziehen, teilte Eichinger auf eine Frage von Stadtrat Stefan Meiser (ÖDP) mit. Der begrüßte die Verlagerung, zumal das „Urbane Leben am Papierbach“ ja schon genug Verkehr generiere. Unter diesem Aspekt wäre auch die Bosse-Wiese problematisch, denn auch auf der Spöttinger Straße und auf dem geplanten neuen „Kreisel“ bei Heilig Engel ist mit viel Verkehr zu rechnen.

Hohe Baukosten

Besorgt äußerten sich Stadträte auch im Hinblick auf die in den Raum gestellten Baukosten in Höhe von 30 Millionen Euro. Dann koste der Arbeitsplatz ja über 150.000 Euro, errechnete Wolfgang Neumeier (UBV). Außerdem führten 10.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zu einer Arbeitsplatzgröße von 50 bis 60 Quadratmetern; das sei das Doppelte von dem in der Industrie Üblichen. „Das ist extrem üppig.“

Jost Handtrack (Grüne) wies darauf hin, dass man die zwölf Mitarbeiter des Asyl-Außendienstes (darunter drei Hausmeister) schon einmal abziehen müsse; die bräuchten ja kein Büro. Eichinger verwies in Sachen Geschossgröße hingegen auf notwendige Verkehrsflächen; „das Haus hat Publikumsverkehr“. Wolfgang Neumeier ließ sich dadurch nicht beirren: Sitzungs- und Sozialräume gebe es in Unternehmen auch.

Der Landrat versprach, das Ergebnis der Standortanalyse im Stadtrat erneut vorzustellen. Habe er sich durch das Tauschgeschäft mit dem Kloster nicht bereits zu sehr gebunden, wollte Reinhard Steuer wissen. Eichinger antwortete, die Vereinbarung könne bis zum Jahr 2023 rückgängig gemacht werden; „es ist kein Präjudiz, es ist eine Option“.

Werner Lauff

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