Herbergssuche in Landsberg

Es geht um das "Jetzt und sofort!"

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In der Turnhalle an der Lechstraße wird der Landkreis jetzt Asylbewerber unterbringen und möglicherweise bald auch im nicht denkmalgeschützten Teil des städtischen Heilig-Geist-Spitals (Foto).

Landsberg – Jetzt auch in der Lechstadt: Das Landratsamt Landsberg bringt Asylbewerber mitten im Stadtgebiet in Turnhalle an der Lechstraße unter. Sie wird laut Pressesprecher Wolfgang ab Freitag für Schule und Vereine nicht mehr nutzbar sein. In der Kreisbehörde geht man davon aus, dass bis spätestens zum Ende der Herbstferien bis zu 100 weitere Asylbewerber im Landkreis aufgenommen werden müssen.

In Abstimmung mit der Stadt würden die Asylbewerber in der zwischen Inselbad und Ignaz-Kögler-Gymnasium gelegenen Sporthalle ein Dach über dem Kopf bekommen – „bis auf weiteres“, so Müller. Die vorhandenen Sanitäreinrichtungenen seien nach Einschätzung der Veranwortlichen in der Kreisbehörde und auch des BRK-Kreisverbands „ausreichend“. Das BRK Landsberg wird bereits ab kommendem Freitag mit der Ausstattung der beiden älteren Hallenteile, Nord- und Südhalle, sowie der Räume im Obergeschoss beginnen. Müller: „Damit ist die Lechsporthalle ab diesem Zeitpunkt nicht mehr für den Schul- und Vereinssport nutzbar.“ Uneingeschränkt in Betrieb verbleibe der dritte, neuere Hallenteil Richtung Lech.

Das BRK Landsberg werde auch die Betreuung der Asylbewerber vor Ort übernehmen. Für die Verpflegung der Flüchtlinge sowie für den Reinigungs- und den Sicherheitsdienst wiederum ist das Landratsamt zuständig.

500 und viel mehr

Im Moment kann der Landkreis 371 Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten. Dabei wird es aber keineswegs bleiben. In der Ausländerbehörde geht man von insgesamt rund 500 Personen zum Jahreswechsel aus, danach werden wohl noch hunderte folgen – schnell umzusetzende Lösungen sind jetzt gefragt.

Eben damit beschäftigte sich am Mittwoch auch der Landsberger Stadtrat. Wie im KREISBOTEN berichtet, hatte er sich Ende September gegen die von der Regierung von Oberbayern im Nordwesten geplante große Gemeinschaftsunterkunft ausgesprochen. Und das stieß in der Landeshauptstadt auf „wenig Begeisterung“, wie Stadtbaumeisterin Annegret Michler im Plenum ausführte. Stattdessen wünscht man sich in der Lechstadt, dass die „dauerhafte Einrichtung“ auf drei Standorte für jeweils bis zu 60 Personen aufgeteilt wird. Als Baustandard dafür beschlossen die Räte den sozialen Wohnungsbau in den Oberen Wiesen.

Vier staatliche Flächen

Als „zeitnah verfügbare innerstädtische Flächenpotenziale“ schrieb das Plenum jetzt per Beschluss fest: den Bereich Ahornallee/Iglinger Straße, die Pfet- tenstraße nördlich der JVA, das Staatliche Hochbauamt im Katharinenanger und Jahnstraße an der A96 – allesamt Flächen des Freistaates; aus städtischer Hand wären der Parkplatz am Bahnhof und der südliche Teil des „Wiesengrunds“ an der Schongauer Straße denkbar; private Flächen „gibt es viele“, sagte Michler, in den Beschluss aufgenommen wurde indes nur das Klostergrundstück an der Münchener Straße.

Während die Stadtbaumeisterin von rund zwei Jahren bis zur Fertigstellung bei den „Dauereinrichtungen“ ausgeht, rechnet sie mit sechs Monaten für „Interimsunterkünfte“. Dafür Lösungen zu suchen, um möglichst schnell handeln zu können, forderte OB Mathias Neuner (CSU) von den Ratsmitgliedern ein. Die Verwaltung selbst schlug dafür das Grundstück des längst abgerissenen AKE-Kindergartens an der Lechstraße, den Schlüsselanger und den nicht denkmalgeschützten Teil des Heilig-Geist-Spitals vor. „Da wäre gar nicht mal so viel zu machen“, sagte Michler und versprach „Details dazu in der nächsten Sitzung“. Aus brandschutzrechtlicher Sicht könnte das ehemalige Seniorenheim noch bis 2016 genutzt werden.

Keine Privatflächen

Für eine Interimslösung – sie ist laut Beschluss auf 18 Monate begrenzt – brachte Jost Handtrack (Grüne) das Pöttinger-Areal an der Von-Kühlmann- Straße ins Gespräch. Man habe private Grundstücke noch nicht in Augenschein genommen, kommentierte OB Neuner diesen Ansatz und gab gleich danach Reinhard Skobrinsky (BAL) recht. Dieser forderte den Freistaat auf, „mal seinen Wohnungsbestand am Hindenburg- ring (JVA, d. Red.) zu überprüfen – da stehen einige leer“. Medardus Wallners (UBV/FW) Blick auf die beiden leer stehenden ehemaligen Mannschaftsgebäude der Bundeswehr im „Technologiepark Lechrain“ (Lechrainkaserne) schirmte die Stadtbaumeisterin ab: „Da fehlt die Integration; außerdem geht es um das ,Jetzt und sofort‘.“

Besser machen

Parallel zur Standortsuche soll die Verwaltung, das beschloss der Stadtrat ebenfalls, die Willkommenskultur in Landsberg fördern. Eine Internetseite mit eigener E-Mail-Adresse ist bereits in Vorbereitung, dazu werden die Lechstädter noch eine Asyl-Information mit Fragebogen erhalten. Stadtbaumeisterin Annegret Michler auch mit Blick auf die Regierung von Oberbayern: „Wir wollen es mit guter Informationspolitik besser machen.“

Toni Schwaiger

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