Der Landrat zieht ans Penzinger Feld

Landratsamt Landsberg: Erste Schritte zur neuen Außenstelle

Skizze der neuen Außenstelle des Landratsamtes Landsberg von Lars consult
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Der Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs LARS consult plante die neue Außenstelle Am Penzinger Feld als Stadt-Entrée. Wie die Außenstelle gebaut wird, zeigt aber erst der Realisierungswettbewerb, den der Landkreis bis Juli 2021 abgeschlossen haben möchte.

Landsberg – „Frühestens in vier bis fünf Jahren wird die neue Außenstelle des Landratsamtes beziehbar sein.“ Christian Kusch, Abteilungsleiter Hochbau in der Landsberger Kreisbehörde, stellte jetzt den aktuellen Stand der Planungen für den Bau Am Penzinger Feld im Kreisausschuss vor. Konkrete Daten für einen Baubeginn und damit für die Bezugsfertigkeit gibt es noch nicht. Erst muss im europaweit auszuschreibenden Realisierungswettbewerb das ausführende Architekturbüro gefunden werden. Diese Phase soll bis Juli nächsten Jahres abgeschlossen sein.

  • In frühestens vier oder fünf Jahren kann die neue Außenstelle des Landratsamtes bezogen werden.
  • Welche Bereiche im Stadtzentrum bleiben und welche ans Penzinger Feld umziehen werden.
  • Das Jugendamt wird für den Übergang ins Gewerbegebiet verlegt.

Den Auslobungstext will man bereits im Kreisausschuss am 17. November vorstellen. Die Planung umfasst dabei den Bauabschnitt 1 (in der Skizze den dunkelgrauen Teil). Bauabschnitt 2 (hellgrau) ist für eine mögliche Mitarbeitersteigerung von 185 Personen und damit 144 weiteren Büros von 2035 bis 2050 angedacht. Man wolle die Teilnehmerzahl auf 20 begrenzen, aus diesen die drei „Gewinner“ bestimmen und mit ihnen „in Verhandlung treten“, so Kusch. Die Jury wird aus zehn Fach- und neun Sachpreisrichtern bestehen. Erstere sind Architekten. Von den neun Sachpreisrichtern kommen vier von der Stadtverwaltung, fünf vom Landratsamt. Man wolle den Bauleitplaner Stadt hier stark einbeziehen, um letztendlich „mit einer Stimme zu sprechen“, erläuterte Landrat Thomas Eichinger (CSU) die starke Besetzung mit der Stadtverwaltung. Ein Vorgehen, das OB Doris Baumgartl (UBV) guthieß. „Wir wollen hier einen großen Konsens, keine knappen Entscheidungen.“

Die fünf Plätze des Landkreises werden mit zwei CSU-Kreisräten, einem Grünen- und einem Freie-Wähler-Kreisrat besetzt. Eichinger erbot sich einen festen Platz in der Jury. Die Sitze der Stadt werde man mit den drei Bürgermeistern und Petra Ruffing als Referentin der Stadtplanung belegen, so Baumgartl.

Wer bleibt, wer geht?

Hauptaspekt von Kuschs Vortrags war jedoch die Verteilung der Sachgebiete: Was bleibt in der Von-Kühlmann-Straße, was in den bisherigen 16 Außenstellen und was zieht dann ans Penzinger Feld um?

In Hauptstelle sollen die sozialen Dienste bleiben, da das Gebäude in der Von-Kühlmann-­Straße gut mit den ÖPNV erreichbar sei und zentral in Landsberg liege: ein Teil der Personal­verwaltung, IT, Jugendamt, Sozialhilfe und Ausländerbehörde. Momentan seien das 123 Arbeitsplätze, rechnete Kusch, man habe dann noch 70 Plätze für die „zukünftige Personalentwicklung“ zur Verfügung. Bestehen bleiben die bisherigen Außenstellen Jobcenter, Gesundheits- und Veterinäramt sowie der Bauhof – momentan 72 Arbeitsplätze. Er hätte auch das Jobcenter gerne ins Hauptgebäude geholt, sagte Eichinger. „Aber dann sind wir hier auch schon fast wieder voll.“ Man wolle jedoch auch im Hauptgebäude die zu erwartenden Stellensteigerungen einrechnen. „Mit einer Stagnation bei der Anzahl der Stellen zu rechnen, gehört ins Reich der Fantasie.“

Für die neue Außenstelle plane man momentan mit 245 Mitar­beitern (und damit 190 Büros, die ins neue Gebäude umziehen werden). Einer davon ist der Landrat selbst. Bis 2035 gehe man von einer Steigerung von 127 Stellen aus, das seien weitere 100 Büros. Insgesamt deckele man die Bruttogeschossfläche mit maximal neun bis zehn Prozent über der momentan geplanten von rund 13.500 Quadratmeter.

Renate Standfest (Grüne) fragte nach der Beteiligung der Mitarbeiter an den Entscheidungen über die zukünftigen Arbeitsorte. Man habe das in einem Arbeitskreis unter Beteiligung der einzelnen Sachgebiete bestimmt, so Kusch. „Wir haben alle im Boot, vergessen niemanden. Wir planen die Außenstelle für unsere Mitarbeiter.“

Michael Kießling (CSU) erkundigte sich nach der Flexibilität der geplanten Büros in der neuen Außenstelle. Man wolle mit Rigipswänden arbeiten, „keine statischen Teile“, so Kusch. Ständig bewegliche Konstruktionen seien aber bisher nicht geplant.

Zu groß gedacht?

Für die Personalentwicklung habe man eine Zuwachsrate von jährlich drei Prozent angesetzt, sagte Kusch. Das sei bis 2035 gerechnet ein Zuwachs von 55 Prozent, hakte Dr. Peter Friedel (Grüne) nach. Ob denn Digitali­sierung und die momentane Home-Office-Tendenz nicht anderes zu erwarten ließen? Eine Überdimensionierung des neuen Gebäudes könne so unnötige Kosten verursachen. Ein Rückgang von Büroflächen wurde erst vor Kurzem in einer Studie eines Immobilienanbieters in Frankfurt konstatiert. Und wenn das von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geplante Gesetz mit „Recht auf Homeoffice“ durchkommt, könnten Büroflächen weiter sinken. Die Christsozialen stehen einem solchen Gesetz skeptisch gegenüber.

Die drei Prozent Steigerungsrate im Personalbedarf sei bereits nach unten korrigiert, entgegnete Eichinger. Auch die momentan im Home-Office Arbeitenden bräuchten einen Arbeitsplatz im Gebäude: „Wir haben noch kein Share-Office-System.“ Er habe in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Aufgaben auf das Landrats­amt zukämen, erst kürzlich für das Gesundheitsamt oder auch den Katastrophenschutz. „Das Veterinäramt wird das nächste sein, bei dem die Verwaltungskräfte steigen.“ Prinzipiell wolle er lieber „mit Reserve“ statt „schlank“ planen. Wenn man mit Fertigstellung des Gebäudes feststellen müsse, es ist zu klein, „wird es richtig teuer“. Überschüssigen Raum könne man immer noch vermieten.

Standfest hakte auch bei der Außenplanung nach. Insbesondere die Anzahl der Parkplätze sei von Interesse. Diese werde man gemäß der Stellplatzsatzung der Stadt Landsberg bauen, erwiderte Kusch. Was auch bedeutet: Je mehr Stellen dort angesiedelt werden, desto mehr Stellplätze sind nötig.

Jugendamt zum Übergang ins Gewerbegebiet

Gerade wird im Kreis­ausschuss bekanntgegeben, dass das Jugendamt in der Von-Kühlmann-Straße bleiben wird und nicht ans Penzinger Feld umzieht. Dennoch scheint es im Landratsamt Platzprobleme zu geben. Weshalb Teile des Jugendamtes nun doch bereits seit Montag verlegt werden: Ab Donnerstag sind fünf Fachbereiche im Schöneberger-Turm im Gewerbegebiet angesiedelt.

Bei den fünf Bereichen handele es sich um die Beistandschaften (Vaterschaft und Unterhalt), Unterhaltsvorschuss, Beurkundungen (für Vaterschaft, Sorgerecht und Unterhalt), um die Vormundschaft für Minderjährige und um den Bereich Auskünfte aus dem Sorgerechtsregister, informiert Landratsamt-Pressesprecher Wolfgang Müller.

Grund für den Umzug sei die Enge im jetzigen Landratsamt, begründet der Pressesprecher. Dabei habe man auch die im Stellenplan berücksichtigten Neubesetzungen in den einzelnen Bereichen schon eingerechnet. Die Bereiche des Jugendamtes, die verlegt werden, bildeten „eine abgeschlossene Einheit“. man habe Alternativen – wie beispielsweise eine Verlegung des Bauamts – abgewogen. Dass der Schöneberger-Turm mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht wirklich gut zu erreichen ist, weiß auch Müller. Es handele sich bei dieser Variante aber nur um eine Übergangslösung „von drei bis fünf Jahren“, da das gesamte Jugendamt nach Fertigstellung der neuen Außenstelle am Penzinger Feld ja laut momentanem Sachstand wieder in die Von-Kühlmann-Straße ziehen werde (siehe Artikel oben).

Grünen-Stadträtin Ulrike Gömmer, frühere Kreisrätin der Grünen und Jugendamtsmitarbeiterin im Bereich Betreuungsstellen, kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. „Es hat niemand dafür eine vernünftige Begründung.“ Die schlechte Verkehrs­anbindung des Schöneberger-Turms falle zu Lasten der Klienten der zukünftig dort angesiedelten Jugendamtsbereiche aus: zum Beispiel Alleinerziehende oder auch weniger vermögende Familien, die nicht unbedingt über ein eigenes Auto verfügen.

„Es ist eine einzige Katastrophe sowohl für die Klienten als auch für die Mitarbeiter“, fasst Gömmer zusammen. Denn durch die Verlegung werde auch das Jugendamt selbst weiter „zerschlagen“. Am Hauptplatz bleibt weiterhin die Jugendhilfe samt Sachgebietsleiter. In der Salzgasse ist der Sozialdienst verortet. Die Jugendpflege arbeitet weiterhin im vorgelagerten Häuschen beim Hauptgebäude. Und im Haupthaus blieben, so Gömmer, die Kindergartenaufsicht sowie die Tagespflegekoordination. „Eine Verlegung des Bauamtes wäre meiner Meinung nach sinnvoller gewesen.“

Wegen des Umzugs waren die fünf umzusiedelnden Bereiche seit Montag bis inklusive heute , Mittwoch, nicht erreichbar. Ab morgen, Donnerstag, sind alle Stellen wieder unter den gewohnten Telefonnummern und E-Mail-Adressen unter der neuen Adresse – Justus-von-Liebig-Straße 12 im Gewerbegebiet – hinter der Autobahnbrücke in der Nähe des Lechland-Centers – zu erreichen.
Susanne Greiner

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